Kiel FCH in Kiel – oder ging es gar bis Südkorea?

Jae Sung Lee, hier links im Bild, war in Halbzeit eins unheimlich aktiv und lieferte sich Zweikampf um Zweikampf - hier mit Heidenheims Niklas Dorsch.
Jae Sung Lee, hier links im Bild, war in Halbzeit eins unheimlich aktiv und lieferte sich Zweikampf um Zweikampf - hier mit Heidenheims Niklas Dorsch. © Foto: Eibner/Timo Stark
Kiel / Nadine Rau 13.08.2018
Bei Holstein Kiel blickt alles auf einen Mann: Jae-Sung Lee. Da fragt man sich als Redakteur schon, wo man plötzlich gelandet ist.

Die weiteste Reise war es für den 1. FC Heidenheim gleich zu Beginn der Saison. Es ging am Wochenende knapp 750 km bis ganz nach oben in den hohen Norden, wo man plötzlich „Moin“ sagen muss, die Möwen einem den Schlaf rauben und die Zeitung auf plattdüütsch schrieben is. Der FCH reiste dafür sogar statt mit dem Bus ausnahmsweise mit dem Flugzeug an.

In Kiel selbst hatte man, als Reporter oder als Fußballer gleichwohl, aber das Gefühl, man wäre noch viel weiter gereist – und zwar nach Südkorea. „1:1, Lee sei Dank“, titelten die „Kieler Nachrichten“ nach dem Spiel gegen den FCH: Alles schaut dort auf den einen Mann, auf Jae-Sung Lee (im Bild links), der einen hervorragenden Saisonstart hingelegt und gegen Heidenheim prompt getroffen hat.

Die Hoffnungen Kiels in Sachen Fußball trägt er auf seinen Schultern im Stadion mit sich herum, so zumindest gewann man den Eindruck. Ein Kieler Marc Schnatterer, wenn man so will. Lee war Südkoreas Fußballer des Jahres 2017 und WM-Teilnehmer in Russland, traf also erst jüngst auch auf die deutsche Nationalmannschaft. Der 26-Jährige löst in der Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins seit seiner Verpflichtung einen wahren Hype aus – und das nicht nur auf dem Platz. Im ersten Interview mit den „Kieler Nachrichten“ wurde Lee als Mann ohne Allüren beschrieben. Zudem esse er gerne Schnitzel, und könne schon „Moin“ sagen. Nicht unwichtig: Der neue Sympathieträger lache viel und herzhaft. Kein Wunder, dass vor allem bei den Spielen die Medienvertreter sehr an ihm interessiert sind: Auf der Pressetribüne saß natürlich ein Südkoreaner, der seinen Liveticker mit für uns Deutsche unlesbaren Zeichen eintippte und mit der Kamera wirklich jeden Schritt des Fußball-Asses aus seinem Land verfolgte.

Bei der Pressekonferenz musste man seine Frage eigentlich gar nicht abwarten und angesichts seiner spärlichen Deutsch-Kenntnisse war es umso besser, dass Störche-Trainer Tim Walter schon wusste, um wen es geht. „Zufrieden Sie heute mit Torschütze?“, fragte der junge Mann (der übrigens tatsächlich auch mit Herr Lee angesprochen worden ist). „Ja, das hat er gut gemacht und wir sind zufrieden“, war die Antwort. Ob der Reporter überhaupt wusste, wie der Gegner auf dem Platz heißt?

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel