Heidenheim Kartfahren: Zwei Brüder, eine Leidenschaft

Ihr zweites Zuhause sind die Rennstrecken: Mick (rechts) und Kimmi Kappler sitzen jedes Wochenende in ihren Karts. Oft trainieren die Brüder auf der Strecke in Bopfingen (Foto).
Ihr zweites Zuhause sind die Rennstrecken: Mick (rechts) und Kimmi Kappler sitzen jedes Wochenende in ihren Karts. Oft trainieren die Brüder auf der Strecke in Bopfingen (Foto). © Foto: Sandra Gallbronner
Heidenheim / Sandra Gallbronner 29.08.2018
Seit 2009 fahren die Herbrechtinger Mick und Kimmi Kappler Kart. Für die Rennen reisen die Brüder bis nach Tschechien und Italien. Zeit für anderes bleibt kaum – das gilt auch für ihre Eltern.

Freudestrahlende Gesichter kommen hervor als Mick und Kimmi Kappler aus Herbrechtingen ihre Helme absetzen. Die Brüder teilen dieselbe Leidenschaft: das Kartfahren. Runde für Runde heizen sie gemeinsam über den Asphalt. Von April bis Oktober vergeht kein Wochenende, an dem der 18-jährige Mick und der drei Jahre jüngere Kimmi nicht in ihrem Lieblingsfahrzeug sitzen. Und wenn mal kein Rennen stattfindet, dann wird eben trainiert.

Immer mit dabei: Mama Britta und Papa Michael – ohne die der ganze Spaß erst gar nicht möglich wäre. Sie fahren die Jungs zum Training sowie zu Rennen, helfen bei Reparaturen und der Organisation und finanzieren letzten Endes auch den Sport ihrer Söhne.

Und da kommt allerhand zusammen: Angefangen bei den Bahngebühren – immerhin schon 50 Euro pro Tag und Nase – über Fahrtkosten bis hin zu Sprit, Ersatzteilen und Reifen. Allein ein Reifensatz kostet 180 Euro. Pro Rennwochenende benötigen die Jungs aber jeweils drei Sätze. 2017 kamen insgesamt immerhin 15 Rennwochenenden zusammen. „Wir verzichten auf sämtlichen Urlaub – seit Jahren“, sagt Britta Kappler.

Schon früh Motorsport-Fans

Micks Interesse für den Motorsport entwickelte sich früh. Schon vor dem Kindergartenalter verfolgte er gebannt die Formel-1-Rennen im Fernsehen. Mit fünf Jahren war er live am Hockenheimring dabei. Noch ein paar Jahre sollte es dauern bis er selbst ran durfte. Ein Bekannter nahm den damals 9-Jährigen 2005 auf die Kartbahn nach Günzburg mit, wo er Slalom fahren durfte. „Ich war sofort infiziert“, erinnert sich Mick. Ab da begann er jeden Samstag zu trainieren.

Immer mit am Streckenrand: Bruder Kimmi. Auch er war angetan von dem Sport: „Irgendwann hat es mich auch gereizt“, erzählt der 15-Jährige. Ein halbes Jahr nach seinem Bruder stieg auch er ins Kart. Dabei sei das erste Jahr für beide ein reines Lernjahr gewesen, erklärt Vater Michael Kappler. Und Sohn Micki ergänzt: „Der Fahrstil entwickelt sich erst allmählich.“

Zudem fehlt anfangs das technische Verständnis. Auf das kommt es aber an. Wie verhält sich das Fahrzeug in Kurven? Wie funktioniert ein Vergaser? Wie macht man eine Kette fest? „Auch ich habe einiges dazugelernt“, sagt Papa Kappler, der ebenfalls vom Motorsport fasziniert ist, selbst aber nie gefahren ist.

Nach zwei Jahren wurde Mick das Slalomfahren zu eintönig: „Der Reiz fehlte mir“. Beim RC Günzburg durfte er ein Rennkart testen. Danach stand für den Schüler fest: „Das will ich auch haben.“ Zunächst überlegten seine Eltern noch, aber es blieb ihnen wohl kaum eine Wahl. Anfang 2012 kauften sie ein gebrauchtes Kart.

Im Frühjahr 2014 starteten Mick und sein Bruder mit der Kart-Trophy Weiß-Blau in ihre erste Rennsaison – Mick in der Junioren-, Kimmi in der Bambiniklasse. Wie der Name der Serie erahnen lässt, finden die Rennen hauptsächlich in Bayern statt. Aber auch nach Tschechien musste Familie Kappler reisen.

Für ein Rennen geht dabei ein ganzes Wochenende drauf. Und bei Wettkämpfen im Ausland reicht das oft nicht einmal aus. So nahmen Mick und Kimmi Kappler schon drei Mal bei der DAI-Trophy, einer Rennserie, die ihn Deutschland, Österreich und Italien stattfindet, teil. Ein Rennen wurde dabei am Gardasee ausgetragen. „Da haben wir die Jungs schon am Donnerstag aus der Schule geholt“, sagt Michael Kappler. Wenn es nach den Eltern geht, hat sich das gelohnt: 2017 belegte Mick Kappler den ersten Platz in der Klasse „Senioren OK“. In diesem Jahr nahm der 18-Jährige bei der ersten E-Kart-Meisterschaft teil (siehe Infokasten). Im Zuge dessen darf er im November sogar in Brasilien fahren.

Gern erinnert sich Mick Kappler auch an den Süddeutschen ADAC Kart-Cup im vergangenen Jahr. Beim Rennen in Bopfingen startete er von Platz 18, kämpfte sich aber nach vorne und wurde Erster: „Das war mein Highlight des Jahres“, so der Herbrechtinger, dessen Ziele allerdings weitaus höher liegen. Als Profirennfahrer möchte er einmal seine Brötchen verdienen. Sein Vater sieht das realistisch: „Das wird ein Traum bleiben.“

Der Traum vom Profirennfahrer

Dennoch möchte sich Mick Kappler beruflich gesehen nicht ganz von seinen Motorfahrzeugen trennen. Im September beginnt der Abiturient daher eine Ausbildung zum KFZ-Mechatroniker. Sein Vorteil: Durch das Kartfahren weiß er vieles bereits: „Mein Hobby hilft mir im Beruflichen und andersrum.“

Auch sein Bruder feierte bereits Erfolge. Vor drei Jahren machte er bei der Kart-Trophy Weiss-Blau in Wackersdorf – seiner Lieblingsstrecke – den dritten Platz. Auf dem Treppchen stand er dabei nicht mit Fremden, sondern mit zwei Freunden. „Das war besonders schön“, sagt der Schüler.

Dennoch gibt es einen Haken: Denn viel Zeit für anderes bleibt neben so einem Hobby nicht. So hat Kimmi Kappler neben dem Kartfahren noch eine weitere Leidenschaft: Er spielt Fußball. Im Verein ist das allerdings nicht möglich. Denn für Spiele am Wochenende fehlt die Zeit. Doch der Herbrechtinger hat eine klare Meinung: „Im Verein zu spielen, wäre zwar schön, aber Kartfahren ist toller. Außerdem ist es mal was anderes. Das macht nicht jeder.“

Und auch Mick Kappler bedauert nicht, dass seine Freunde wochenends ohne ihn feiern gehen: „Es ist ein mega Gefühl, Kart zu fahren. Es fehlt mir an nichts.“

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