Steinweiler Fourcross: Ein Kampf um Zehntel und Zentimeter

Steinweiler / Elena Kretschmer 23.07.2018
Mann gegen Mann hieß es am Wochenende in Steinweiler. Rund 50 Fahrer gingen trotz Regens und erschwerter Bedingungen an den Start. Besonders spannend ging es in der Elite-Klasse zu.

Okay riders, random start. Riders ready? Watch the gate!“, tönt es aus dem kleinen Lautsprecher am Start. Es folgt ein schriller Piepton und mit einem lauten Pffff fällt das Gatter. Schon radelt der nächste Teilnehmer der europäischen Fourcross-Serie los. Die 350 Meter lange Strecke in Steinweiler ist vom Regen aufgeweicht. An manchen Stellen steht das Wasser. Es ist matschig. Das sieht man auch an den Teilnehmern, die am Vorstart auf ihren Einsatz warten: Jeden Mountainbiker-Rücken ziert eine braun gesprenkelte Spur.

Und wieder hört man die Ansage, die so viel bedeutet wie: „Okay Fahrer, Zufalls-Start. Fahrer bereit? Achtet aufs Gatter“ – und los. Rennleiter Markus Bihlmayr vom gastgebenden Bike-Team Steinweiler erklärt: „Das Ganze ist computergesteuert. Es gibt einen Zufallsgenerator – das heißt, das Gate fällt bei jedem Start zu einer anderen Zeit, sodass kein Fahrer genau weiß, wann.“ So entsteht für niemanden ein Vorteil.

50 Fahrer in acht Klassen

Nach dem freien Training läuft gerade die Zeit-Qualifikation, in der alle einzeln starten. Die rund 50 Fahrer sind in insgesamt acht Klassen unterteilt: U 11, U 13, U 15, U 17, Masters, Hobby, Ladies und Elite. Es ist der achte Lauf der Serie, die auf insgesamt zwölf Strecken in Deutschland, der Schweiz, Italien und Tschechien ausgetragen wird.

Der Modus, in dem die Finalläufe in Steinweiler gefahren werden, heißt Dual Eliminator: Mann gegen Mann im direkten Duell gegeneinander. Der schnellere darf sich sowohl im Viertel- als auch im Halbfinale und im Finale den Startplatz aussuchen, also links oder rechts. Dieser Modus ist notwendig, weil die Steinweiler Strecke für die beim Fourcross üblichen vier Mann nicht ausgerichtet ist. Noch nicht – denn bis zur nächsten Serie im kommenden Jahr will der Verein entsprechende Umbaumaßnahmen vornehmen.

Erstes Rennen für Kelly und die Meyer-Brüder

Aber das ist Zukunftsmusik. „Heute sind ein paar dabei, die ziemlich nervös sind, weil sie heute ihr erstes Rennen überhaupt fahren“, verrät Bihlmayr. Tyler Kelly und die Brüder Paul und Simon Meyer, allesamt in der U 11 unterwegs. Für sie reicht es am Ende des Tages für die Plätze sieben, acht und neun. Schnellster, sowohl in der Qualifikation als auch im Rennen, wird Fabian Lapp vom Bike-Park-Wolfach. Erik Mann vom Bike-Team Steinweiler verpasst wie im Heidenheimer Rennen nur knapp das Siegerpodest und wird Vierter. Auch die U 13 dominiert ein Fahrer vom Bike-Park-Wolfach: Fabio Santos. Der einzige Steinweiler dieser Klasse, Moritz Reinhardt, wird am Ende Fünfter.

Angefeuert wird am Streckenrand bis zur Heiserkeit – vor allem in der Klasse U 15. Mit einem amtierenden deutschen Jugendmeister hatten es die Jungs in dieser Klasse nicht ganz leicht. Samuel Schoger vom Bike-Team Steinweiler setzt sich schon in der Qualifikation mit einer 39er Zeit vom übrigen Feld ab. Auch im Rennen fährt er souverän auf Platz eins und holt sich somit 100 Punkte – vor Leon Schischka vom EJW Baltmannsweiler und Kevin Kern vom Bike-Park-Wolfach, die 85 und 75 einheimsen.

Masters-Sieger wird Daniel Maier

In der Klasse U 17 ist kein Lokalmatador vertreten, hier siegt Felix Bub vom TSV Berkheim vor Fabian von Allmen von Powerbike Winterthur. Bei den Masters, den über 30-Jährigen, dominiert schon in der Quali Daniel Maier vom HSB Hochberg Team, der am Ende auch den Tagessieg einfährt, vor Simon Roth vom Radclub 93 Winnenden. In der Hobbyklasse machen es vier Fahrer, allesamt vom Bike-Team Steinweiler, unter sich aus: Erster wird Tobias Kaufmann, Zweiter Nils Mai, Dritter Jonas Fürst und Vierter Sebastian Lutz.

Besonders stolz ist die Rennleitung in diesem Jahr auf die Ladies-Klasse. „Das sind verhältnismäßig viele und vor allem auch viele von uns“, so Bihlmayr. Genauer gesagt, die Hälfte. Zwar reicht es weder für Magdalina Schulz noch für Tanissa Conradi oder Nadine Maier aufs Treppchen, trotzdem hatten alle sichtlich Spaß am Fahren. Platz eins und 100 Punkte gehen an Marisa Roth vom Radclub 93 Winnenden.

Noch eine Rechnung offen

Zum Schluss wird es noch einmal spannend. Robin Bregger vom Bike-Park-Wolfach und Ingo Kaufmann haben noch eine Rechnung offen. Lokalmatador Kaufmann erklärt: „Letztes Jahr standen wir beide schon zusammen im Finale und er hat gewonnen. Die meisten haben wahrscheinlich damals erwartet, dass ich gewinne, weil ich die Jahre zuvor immer Erster geworden bin, aber er hat mir den Sieg weggeschnappt.“

Und so läuft es auch heuer. Kaufmann wird wieder nur Zweiter, wobei der deutsche Meister, der es im Juni in Schottland erstmals bei der Pro-Tour aufs Podest schaffte, derzeit verletzt ist. Beim Weltmeisterschaftsrennen in Italien vor zwei Wochen stürzte er gleich im ersten Lauf und musste am Arm genäht werden.

Um jedes Zehntel wird gekämpft

Doch er sieht es sportlich: „Klar ist man ein bisschen enttäuscht, vor allem, weil auf der Heimstrecke viele einen Sieg erwarten. Aber auf der anderen Seite ist es ja auch cool, dass das Niveau so hoch ist, dass man um jedes Zehntel und jeden Zentimeter kämpfen muss. Das pusht uns Fahrer gegenseitig ja auch mehr.“ Seine Teamkollegen Paul Bihlmayr und Johannes „Jojo“ Rauterberg belegen die Plätze vier und fünf.

Alles in allem ist die Rennleitung sehr zufrieden. Bis auf ein paar Pannen bei der Zeitnahme läuft alles glatt. „Einmal ist ein Fahrer aus Versehen durch die Lichtschranke gelaufen und zweimal hatten wir technische Probleme. Sowas passiert“, so Markus Bihlmayr. Zwischendrin sorgt Streckensprecher Nico Fröhlich immer wieder für Lacher: „Wo sind Stefan Kiener und Bernhard Leykauf? Wahrscheinlich an der Pilsbar.“ Oder: „Oh, da hat's einen Sturz gegeben. Ich war grad mit Trinken beschäftigt.“

Gold-, Silber- und Bronze-Runden

Im Fourcross gibt es verschiedene Kategorien von Veranstaltungen: Gold, Silber und Bronze. Bei der Gold-Round gibt es das höchste Preisgeld. In der Klassen U 17 bekommt der Erste 100, der Zweite 60 und der Dritte 40 Euro, bei den Ladies ist es ebenso und in der Elite ist die Staffelung 250, 150 und 100 Euro.

Das Rennen in Steinweiler war ein Silber-Event, das heißt es wurden Preisgelder zwischen zehn und 200 Euro vergeben. „Eine Gold-Runde braucht im Gegensatz zu Silber und Bronze zum Beispiel einen Live-Stream im Internet“, weiß Markus Bihlmayr. Die Events gehen alle in die Gesamtwertung ein. Um bestimmte Titel erlangen zu können, braucht es eine bestimmte Anzahl von Gold-, Silber und Bronze-Events.

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