Jessica Schiele Jessica Schiele: Einst HSB-Turnerin, nun Kampfrichterin

Einst Leistungsträgerin bei den Turnerinnen des HSB: Jessica Schiele.
Einst Leistungsträgerin bei den Turnerinnen des HSB: Jessica Schiele. © Foto: Christian Thumm
Heidenheim / Nadine Rau 13.07.2018
Die ehemalige HSB-Turnerin Jessica Schiele studiert jetzt und hat die Kampfrichterlizenz.

Sie war von klein auf in der Turnhalle und für viele Jahre eine Leistungsträgerin bei der Turnmannschaft des HSB: Jessica Schiele. Die heute 24-Jährige hat 2016 zum letzten Mal bei der Turngala des Vereins geturnt, danach hat sie ihre sportliche Karriere endgültig aufgegeben. Die Gerstetterin ist 2012 schon einmal kürzer getreten, damals wegen des Abiturs, schließlich ging es aber auch aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr.

Frau Schiele, wie sehr vermissen Sie die Turngeräte?

Jessica Schiele: Mittlerweile tut es nicht mehr weh. Das erste halbe Jahr war hart, aber ich habe diesen Schlussstrich einfach gebraucht, weil es mir gesundheitlich nicht mehr gut ging und mir das Turnen dadurch keinen Spaß mehr gemacht hat. Ich habe dann auch das Studium angefangen. Es war ein kompletter Cut.

Womit haben Sie sich denn herumschlagen müssen?

Ich leide von Geburt an an einer Hüftdysplasie, war also von vornherein geschädigt, und die Belastung beim Turnen hat es natürlich nicht besser gemacht. Ich habe mir 2010 aber auch eine Knieverletzung bei den deutschen Meisterschaften zugezogen und seitdem habe ich immer weiter Probleme mit dem Knie gehabt. Das hat sich nicht richtig erholt. Und wenn man dann unter Tränen und mit Schmerzen aus der Halle krabbelt, dann hat man keine Lust mehr am Turnen.

Trübt das Ihre Erinnerung an die erfolgreiche Zeit beim HSB?

Nein. Ich würde immer noch turnen und es wird nie einen anderen Sport für mich geben. Ich halte mich natürlich fit, denn nach dem halben Jahr Pause habe ich erst einmal neun Kilo zugenommen. Ich habe deshalb wieder angefangen mit vielen Kursen wie Tabata oder Yoga und bin jetzt fitter denn je.

Also haben Sie keine gesundheitlichen Probleme mehr?

Ich habe mit meinem Krafttraining viel Muskulatur aufgebaut, die ich vorher geschont habe. Ich habe fürs Turnen nämlich immer nur das gemacht, was ich machen musste. Heute habe ich im Alltag gar keine Schmerzen mehr, weder in der Hüfte noch im Knie noch in den Sprunggelenken. Es könnte mir nicht besser gehen.

Ganz ohne Turnen können Sie aber trotzdem nicht leben – oder?

Nein. Würde ich im Lotto gewinnen, würde ich in die Turnhalle stehen und nichts anderes mehr machen. Ich habe 2012 den Trainerschein gemacht und bin jetzt auch Kampfrichterin. Seit letztem Jahr habe ich die A-Lizenz und darf auch die Bundesliga werten – da bin ich sehr stolz darauf. Davon abgesehen möchte ich in dieser Gemeinschaft vom HSB bleiben.

Und so ganz ohne Lottogewinn, wie verdienen Sie da Ihr Geld?

Ich studiere noch und zwar molekulare und technische Medizin. Ich bin im fünften Semester, das ist das Praxissemester, und bin in in der Uniklinik in Ulm in der Sportmedizin beschäftigt. Ich möchte später in die Wissenschaft, in die Industrie. Ich will den Menschen irgendwie helfen, künftig würde ich das gerne in der Forschung in der Pharmaindustrie machen. Vielleicht kann man da etwas verbessern. Nebenher arbeite ich noch als Physiotherapeutin in Gerstetten, die Ausbildung habe ich nach meinem Abitur gemacht.

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