Ski Alpin Katharina Haas fährt jetzt gegen internationale Konkurrenz

Oberstdorf / Von Patrick Vetter 08.02.2019
Die 16-jährige Slalom-Spezialistin vom SC Gerstetten versucht sich diese Saisonbei FIS-Rennen und gegen internationale Spitzenathleten zu behaupten

Auf dem Gerstetter Skihang Greuth hat es begonnen. Dort stand Katharina Haas das erste mal auf den Skiern und kurvte den Berg hinunter. Nun fährt sie Slalomrennen auf anspruchsvollen Pisten und viel höheren Bergen gegen die besten deutschen und internationalen Skifahrerinnen. Für sie geht damit ein Traum in Erfüllung: „Es ist schon cool, wenn man Wettkämpfe gegen weltbekannte Sportlerinnen fährt“, sagt Haas – ihre Augen funkeln dabei.

Schon in der vergangenen Saison 2017/18 machte die heute 16-Jährige auf sich aufmerksam. Die guten Platzierungen sprachen für sich: In Garmisch-Partenkirchen gewann sie den Schülercup im Parallelslalom, beim internationalen Schülerrennen mit Slalom- und Super-G-Wettkämpfen in Val d'Isère belegte sie als jüngste Sportlerin im deutschen Team den sechsten Platz und als Saisonhöhepunkt gewann Haas die deutschen Schülermeisterschaften auf dem Feldberg im Schwarzwald. Mit diesen Erfolgen verabschiedete sich die Skifahrerin gebührend aus dem Jugendbereich.

Erfolge waren motivierend

„Ich dachte am Anfang der vergangenen Saison niemals, dass es so gut wird. Die Erfolge haben mich ziemlich motiviert“, blickt die Sportlerin des SC Gerstetten zurück. Ihre Rennsiege waren für sie selbst auch deshalb eine Überraschung, weil viele ihrer Konkurrentinnen ganz andere Trainingsbedingungen hatten. Gegnerinnen, die in Alpennähe wohnten, hätten tendenziell einen Vorteil.

Diesen Vorteil nutzt die Gymnasiastin nun selbst. Seit diesem Schuljahr darf sie im Skiinternat in Oberstdorf wohnen, direkt in den Allgäuer Alpen – in ihrem Element – mit den besten Trainingspisten in der Nachbarschaft. Sie trainiert dort im Nachwuchsleistungszentrum West. Zusammen mit 14 weiteren U-18-Sportlerinnen wird sie von drei hauptberuflichen Trainern auf ihre Wettbewerbe vorbereitet.

Das Training gehört zum Alltag

„An meiner Kondition merke ich schon, was das Training hier ausmacht“, sagt Haas. Andere Spitzensportler um sich zu haben, motiviere sie. „Das Training gehört einfach zum Alltag. Als ich in Gerstetten wohnte, habe ich es viel eher auch mal ausfallen lassen“, erklärt sie.

Obwohl sie jetzt in Topform ist, konnte Haas in dieser Saison noch keine Treppchenplätze verbuchen. Das liege daran, dass sie nun vor anderen Herausforderungen stehe. „Bei württembergischen Meisterschaften bin ich zum Beispiel einfach gar nicht mehr dabei. Dafür fehlt mir die Zeit“, sagt sie. Haas tritt bei FIS-Rennen (Fédération Internationale de Ski) gegen deutlich ältere Gegnerinnen an, die weit über ihr in den Ranglisten stehen.

Siege sind gerade nicht drin

Sie fährt gute Rennen, ihre Erfolge werden aber nicht mehr so wahrgenommen, da ihr Name nicht mehr ganz oben auf den Ergebnislisten steht. „Ich bin aber zufrieden mit meiner Leistung“, versichert die Skifahrerin.

Trotzdem sei es manchmal zermürbend, wenn schon vor einem Rennen klar sei, dass ein Sieg nicht in Frage komme. „Vor der Saison konnte man gar keine klaren Ziele festlegen“, beschreibt Haas ihre Situation als Neuling unter lauter erfahreneren Sportlerinnen. Ihre Highlights in dieser Saison waren ein fünfter Platz bei der deutschen U-18-Meisterschaft und ein 16. Platz bei einem FIS-Slalomrennen in Schöneck mit starken Gegnern.

Neben den neuen Konkurrentinnen musste Haas sich auch zuerst an neues Sportgerät beim Slalom gewöhnen: „In der Jugend werden andere Skier verwendet. Die, die ich jetzt benutze, lassen sich in der Kurve schwerer drehen. Ich habe jetzt vier Monate gebraucht, um damit klar zu kommen“, sagt Haas.

Neben dem Training und den Wettkämpfen bleibt nicht viel Zeit für Freunde und Familie zu Hause. Deshalb hat sie auch nicht mehr viel Kontakt zu den Vereinskollegen des SC Gerstetten. Den Verein zu verlassen, komme aber nicht in Frage. Bisher wurde sie immer unterstützt, zum Beispiel wurden ihr Startgelder gezahlt. „Der Skihang in Gerstetten ist eigentlich auch ganz cool. Wenn ich dazu komme, fahre ich dort sehr gerne“, sagt die deutsche Meisterin des vergangenen Jahres.

Wie das Training und der Alltag im Skiinternat in Oberstdorf aussehen, lesen Sie morgen in der Wochenendausgabe der Heidenheimer Zeitung.

Die Disziplinen im Ski-Alpin

In vier Disziplinen startet die Gerstetterin Katharina Haas. bei Abfahrtsrennen, beim Super-G-, und Riesenslalom und bei normalen Slalomrennen. Bei Abfahrtsrennen werden die höchsten Geschwindigkeiten (bis 130 Km/h) erreicht. Die Frauen bewältigen einen Höhenunterschied von bis zu 800 Metern bei hohem Verletzungsrisiko.

Beim Super-G und Riesenslalom gilt es mehr und engere Tore auf kürzerer Strecke zu durchfahren. Die Tore sind höchstens acht (Riesenslalom) oder 12 (Super-G) Meter breit. Trotzdem sind noch große Schwünge möglich.

Der Slalom ist die langsamste aber technisch anspruchsvollste Disziplin. Viele kleine Tore erfordern viele Richtungswechsel. Die Frauen überwinden einen Höhenunterschied von 140 bis 200 Metern. Die Stangen werden dabei meist mit den Schienbeinen umgeknickt.

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