Einsatz Hans-Peter Wörner als einziger deutscher Schiedsrichter bei WM

Achtete in Kuala Lumpur darauf, dass bei den Spielen der weltbesten Tischtennis-Akteure alles korrekt zuging: Schiedsrichter Hans-Peter Wörner.
Achtete in Kuala Lumpur darauf, dass bei den Spielen der weltbesten Tischtennis-Akteure alles korrekt zuging: Schiedsrichter Hans-Peter Wörner. © Foto: Volker Arnold
Kuala Lumpur / THOMAS GRÜNINGER 23.02.2016
Der Tischtennis-Sport beschert Hans-Peter Wörner regelmäßig weite Reisen. Seit 2006 ist er als Unparteiischer bei höchstrangigen internationalen Wettkämpfen im Einsatz. Am Freitag fliegt er nach Kuala Lumpur (Malaysia) – zur Mannschafts-Weltmeisterschaft.

Er stammt aus Nattheim, wohnt in Steinheim, spielt in Gerstetten und arbeitet in Stuttgart – und was das Tischtennis anbelangt, ist Hans-Peter Wörner sozusagen in der ganzen Welt zu Hause. Seit zehn Jahren gehört der 50-Jährige zu den sogenannten Blue Badge Schiedsrichtern, der Eliteklasse unter den Pingpong-Juroren.

In Kuala Lumpur wird er vom 27. Februar bis 6. März seine fünfte Weltmeisterschaft bestreiten, ist dort einziger deutscher Schiedsrichter unter rund 120 Unparteiischen, die zum Einsatz kommen. In geraden Jahren – wie jetzt 2016 – ermitteln die Nationalteams ihren globalen Champions, in ungeraden Jahren werden die Titelträger in den Einzeln ermittelt.

In Südostasien erwartet Wörner eine Menge Arbeit. Zumindest zu Beginn der WM wird er zwei Mannschaftskämpfe am Tag leiten müssen. „Ein Mannschaftskampf dauert zwei bis vier Stunden. Es können also acht Stunden am Tag zusammenkommen“, sagt er.

Acht Stunden, in denen Hans-Peter Wörner höchstkonzentriert die Ballwechsel verfolgen muss, Spielstände und Aufschlagwechsel anzusagen hat und natürlich vor allem entscheidet, wann ein Punkt erzielt wurde und wann nicht. Auch wenn Tischtennis-Schiedsrichter üblicherweise nicht so extrem unter Beschuss geraten wie ihre Kollegen im Fußball – strittige Entscheidungen lassen sich auch bei den rasanten Ballwechseln mit der federleichten Zelluloidkugel nicht ganz vermeiden.

Hat ein Ball die Kante des Tisches noch berührt, ist ein Aufschlag korrekt ausgeführt worden: Solche Fragen können bei engen Spielständen schnell die Gemüter erhitzen. Im Extremfall muss Wörner einen Ober-Schiedsrichter hinzuziehen. „In der Regel sind fünf Personen bei einer WM als Ober-Schiedsrichter nominiert“, sagt er.

Vor dem Stress fürchtet sich Wörner freilich nicht. „Es kann schon schwierig werden, die Konzentration zu halten. Aber meine Erfahrung hilft mir da auch. Außerdem kenne ich die meisten Spieler sehr gut“, sagt er.

Erfahrungen hat der Diplom-Betriebswirt in der Tat schon viele gesammelt – sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene. Zu seinen Höhepunkten zählte die Einzel-WM 2009 in Yokohama, wo er das Finale zwischen den chinesischen Spitzenspielern Wang Hao und Wang Liqin beaufsichtigte. Die Weltmeisterschaften in Rotterdam und Dortmund sowie Europameisterschaften, Weltcups und diverse World-Tour-Turniere werden ihm ebenfalls in bester Erinnerung bleiben.

Ob sich für ihn in Kuala Lumpur der Finaltraum erneut erfüllt, hängt von mehreren Faktoren ab. Zum einen werden Schiedsrichter beobachtet und bewertet und brauchen eine bestimmte Evaluierung, um WM-Spiele leiten zu dürfen. Auch während der Titelkämpfe stehen sie unter Beobachtung – und natürlich sollten im Finale nicht nur die besten Spieler, sondern auch die besten Schiedsrichter zum Einsatz kommen.

Darüber hinaus schwinden Wörners Chancen auf einen Finaleinsatz, je weiter die deutschen Teams kommen. Schließlich muss Neutralität gewahrt sein, und ein deutsches Spiel darf natürlich nicht von einem deutschen Schiedsrichter geleitet werden.

Bei den letzten drei Weltmeisterschaften seien die deutschen Herren jeweils im Finale gestanden, auch die Damen seien meist weit vorne zu erwarten. „Ich möchte gerne relativ lange dabei sein“, drückt Wörner seine Wünsche diplomatisch aus, um nicht mit den Titelambitionen der deutschen Teams in Konflikt zu geraten.

So recht weiß Wörner zudem nicht, was ihn im fernen Kuala Lumpur tatsächlich erwartet. Die Temperatur in der Hauptstadt Malaysias bewege sich in der tropischen Klimazone konstant zwischen 30 und 35 Grad, die Luftfeuchtigkeit liege bei über 90 Prozent. „Ich hoffe vor allem, dass die Halle nicht zu sehr heruntergekühlt wird“, sagt Wörner. In Dubai hat er mal erlebt, dass draußen 47 Grad gemessen wurden, während er drinnen einen Jacke tragen musste, um nicht zu frieren. Cool bleiben, auch wenn's draußen heiß wird, lautet die Devise.

Tischtennis nimmt breiten Raum ein im Leben Hans-Peter Wörners. „Fragen Sie meine Frau“, lächelt er, wenn man ihn darauf anspricht, wieviel Freizeit dieses Hobby in Anspruch nimmt. Denn er ist nicht nur Schiedsrichter, sondern nebenbei noch Vizepräsident Finanzen im württembergischen und baden-württembergischen Verband und Spieler beim VfL Gerstetten in der Bezirksklasse.

Alles läuft auf Basis des Ehrenamtes, denn viel Geld lässt sich über die Schiedsrichter-Tätigkeit nicht verdienen. Flug und Unterkunft bekommt er für Malaysia bezahlt. Daneben gibt's 25 Dollar Spesen am Tag.

Nur ein Ziel hat sich für Hans-Peter Wörner bisher nicht erfüllt: die Teilnahme als Schiedsrichter bei Olympischen Spielen. Auch dieses Jahr im August in Rio wird er nicht dabei sein. Die Schiedsrichter seien schon nominiert, „und ich war nicht alt genug“, schmunzelt er. Die Einteiler hätten einen Kollegen beauftragt, der über zwei Jahre mehr an Erfahrung verfügt.

Theoretisch könnte Wörner auch weiter von Olympia träumen, denn eine Altersgrenze gibt es für Tischtennis-Schiedsrichter nicht. Es kann aber auch sein, dass Kuala Lumpur sein letzter großer internationaler Einsatz am Zähltisch sein wird. Der Weltverband habe ihn für eine internationale Tätigkeit im Rahmen der Schiedsrichterausbildung und -beobachtung angefragt. Neue Aufgaben warten.

So oder so: Langweilig wird es Hans-Peter Wörner in Bezug auf Tischtennis auch in Zukunft nicht werden.

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