Landkreis Heidenheim / Edgar Deibert  Uhr
Das Interesse am Turnier der besten Frauenteams könnte größer sein. In Heidenheim bleibt das „Warsteiner“ zu, im „Café Leger“ dagegen kann man die Spiele verfolgen.

Während einer Fußball-Weltmeisterschaft herrscht gesellschaftlicher Ausnahmezustand. Trikots und Schals zieren die Körper der Fans, die gemeinsam ihre Mannschaft beim Public Viewing anfeuern. Und die Farben Schwarz, Rot und Gelb bestimmen auch in Heidenheim das Straßenbild. Auf abgesperrten Straßen werden im Autokorso nicht nur Siege der deutschen Nationalmannschaft zelebriert. „Dann ist Rambazamba“, sagt Frank Zeger, dessen „Warsteiner“-Kneipe einer der Anlaufpunkte für Fußballverrückte ist. Und auch wenn sich viele gar nicht für Fußball interessieren, wollen sie einfach nur feiern. Allerdings nur, solange es sich um eine Welt- oder Europameisterschaft der Männer handelt. Bei der gerade in Frankreich ausgetragenen Frauen-WM ist tote Hose.

Die Kneipe bleibt zu

Zumindest, was die Stimmung der deutschen Anhänger in und um Heidenheim angeht. Einmal hat Zeger bei einem großen Turnier der Fußballerinnen seine Kneipe extra aufgemacht. Dies stieß jedoch auf nur wenig Interesse, sagt er. Daher blieb das „Warsteiner“ am vergangenen Samstag während der Partie des deutschen Nationalteams gegen China (1:0) auch geschlossen (siehe Symbolbild). Das „Café Leger“ hingegen stemmt sich als eines der wenigen lokalen Kneipen dagegen und überträgt die Spiele.

Während allerdings bei einer Fußball-WM der Männer fast jeder weiß, wann die Deutschen spielen, wissen die wenigsten, dass gerade die besten Frauenteams um den WM-Pokal kämpfen. Dabei müssen sich die deutschen Frauen schon in vielen Bereichen mit weniger begnügen. So sollen die Männer für den WM-Sieg 2014 Prämien in Höhe von 350 000 Euro erhalten haben. Die deutschen Nationalspielerinnen bekommen im Falle des Falls 75 000 Euro.

Nur Krümel für die Frauen

Auch medial betrachtet müssen sich die Frauen mit Krümeln des für die Männer bestimmten Kuchens begnügen. Es sei denn, die größte deutsche Boulevard-Zeitung haut eine provokante Überschrift raus. „Hässlicher Auftakt-Sieg dank unserer Hübschesten“, titelte die „Bild“ im Hinblick auf den Siegtreffer von Giulia Gwinn und erntete dafür viel Entrüstung.

„Die Zeit“ konterte und fragte nach dem 2:0-Sieg der deutschen Männer-Nationalmannschaft in Weißrussland am gleichen Tag: „Und wer war nun der Hübscheste?“ Wobei Gwinn selbst mit der „Bild“-Schlagzeile so gar keine Probleme zu haben scheint.

„Spiegel online“ nimmt die Frauen-WM aber nun richtig ernst, erklärt das Turnier zum wichtigsten Sportereignis des Jahres und möchte zudem nicht mehr von „Frauenfußball“ schreiben, sondern nur noch von der WM in Frankreich. Und die Tageszeitung „taz“ widmete den Fußballerinnen zum WM-Auftakt fast eine ganze Titelseite, die die Überschrift trug: „Allez les femmes!“ („Auf, ihr Frauen!“).

Ein Strohfeuer oder mehr?

Es bleibt abzuwarten, ob es nur ein mediales Strohfeuer ist. Dies befürchtet zum Beispiel Johannes Adler, der die Frauenfußballmannschaft des TV Steinheim vor knapp 30 Jahren gegründet hat. Der Aufschwung könnte eine Momentaufnahme sein, so der Coach. Seine Mannschaft habe am Samstag das erste Spiel der deutschen Nationalmannschaft leider nicht schauen können, da sie selbst im Einsatz war.

Und am Mittwochabend, Deutschland spielt gegen Spanien ( 12. Juni, 18 Uhr), ist der TVS erneut selbst in der Relegation im Einsatz (siehe dazu auch Seite 17). „Vielleicht klappt’s ja beim nächsten Spiel“, sagt Adler. Und womöglich kann das Nationalteam eine Euphorie entfachen. Für wenige Wochen wenigstens.