Schnaitheim Ömer Sirins letzter Lauf für die TSG Schnaitheim

Mit 80 will er auf dem Moldenberg oder beim Heidenheimer Stadtlauf noch einmal starten: Ömer Sirin, einer der erfolgreichsten Läufer der TSG Schnaitheim.
Mit 80 will er auf dem Moldenberg oder beim Heidenheimer Stadtlauf noch einmal starten: Ömer Sirin, einer der erfolgreichsten Läufer der TSG Schnaitheim. © Foto: Christian Thumm
Schnaitheim / Laura Strahl 25.04.2018
Seit Jahren holt der 76-jährige Ömer Sirin Titel um Titel. Jetzt verlässt der erfolgreiche Läufer die Region und die TSG Schnaitheim. Wo zieht es ihn hin?

Stress kenne ich nicht“, sagt Ömer Sirin. Auch am vergangenen Samstag nicht, rund eine Stunde vor dem Startschuss zum Schnaitheimer Frühlingslauf. Der 76-jährige Heidenheimer ist entspannt – obwohl es ein besonderer Wettkampf für ihn sein wird. Der letzte nämlich, den der erfolgreiche Langstreckenläufer für seinen Verein, die TSG Schnaitheim, bestreitet.

Nicht aber, weil Sirin aufhört zu laufen. Natürlich nicht! Sirin zieht um, wohnt ab Anfang Mai in Stendal in Sachsen-Anhalt. Rund 570 Kilometer ist er dann von Schnaitheim entfernt, dafür aber in der Nähe seiner Kinder und Enkel. „Man braucht einander“, sagt Sirin, der am 11.Mai seinen 77. Geburtstag feiern wird. Auf den Ehrentag angestoßen wird also bereits in der neuen Heimat, wo Sirin gemeinsam mit seiner Frau Adalet ein Haus gekauft und sich auch schon nach einem neuen Verein umgesehen hat. „Dort werde ich mich gleich anschließen.“

Jede Woche 60 Kilometer

Denn was wäre ein Leben ohne das Laufen? „Ich wäre verloren“, sagt Sirin, der in seiner Altersklasse seit Jahren Titel auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene holt – und wöchentlich noch immer seine 60 Kilometer absolviert. Auch bei Wind und Regen: „Mit Wetter habe ich nichts zu tun“, sagt Sirin und lacht. Mit der Natur hingegen schon. Der Wald bereitet ihm Freude, bietet Entspannung und Geborgenheit. „Da findet man sich selber“, sagt der 76-Jährige und fügt hinzu: „Wenn ich noch einmal geboren würde, würde ich nur laufen.“

Denn angefangen hat Sirin einst mit Fußball. 1941 in Ankara geboren, kam er 1963 nach Deutschland, lebte zunächst im Raum Aachen, ab den 70er Jahren in Gerstetten. Dort jagte der damalige Mechaniker für den VfL viele Jahre dem Ball hinterher, engagierte sich zudem als Jugendtrainer. 1982 war Sirins Fußballkarriere dann aber schlagartig vorbei: Bei einem Turnier zog er sich einen Achillessehnenriss zu. An Fußball war nicht mehr zu denken.

„Ich kann aber nicht lange still sitzen“, beschreibt Sirin. Der Sportbegeisterte suchte also eine Alternative. Und fand sie im Langstreckenlauf. Im Alter von 42 Jahren, wenn andere Läufer ihr Trainingspensum schon wieder herunterschrauben, startete Sirin richtig durch. Rund zehn Jahre lang trainierte er beim HSB, wechselte 2006 schließlich zur TSG Schnaitheim. „Das Klima war dort sehr gut, für Läufer hausgemacht“, erklärt der 76-Jährige. Und das blieb auch so. Wie in einer Großfamilie, sagt Sirin, der in Schnaitheim über die Jahre hinweg viele Freundschaften geschlossen hat. Keine Frage also, dass es ihm jetzt schwer fällt, seinen Verein zu verlassen. „Leider, leider, leider“, sagt Sirin über seinen Weggang.

Comeback beim Stadtlauf?

Dem neuen Leben im Norden blickt er trotzdem positiv entgegen. Laufen kann er schließlich auch in Stendal. Und das ist das Wichtigste. Denn: „Laufen ist mein Leben“, sagt Sirin und meint das sehr ernst. So soll ihn sein Lieblingssport sogar bis in den Tod begleiten. Sirin: „Ich würde gern beim Training sterben.“ Im Wald, Herzstillstand und Ende. Davor aber will Sirin sich noch einen anderen Wunsch erfüllen: Im Alter von 80 Jahren möchte er noch einmal in Heidenheim antreten. Bei einem Lauf der TSG Schnaitheim oder aber beim Stadtlauf. Vielleicht, sagt er, schaut er aber auch schon früher in der alten Heimat vorbei.

Ömer Sirins größte Erfolge

Seine Bestzeiten lief Sirin im Alter von 55 Jahren: die 10-km-Distanz in 36:00 min, den Halbmarathon in 1:22:00 h.

Titel hat er über die Jahre hinweg viele gesammelt - neben lokalen und regionalen Läufen zum Beispiel auch bei Europäischen Meisterschaften. Hier holte Sirin in seiner Altersklasse mit der Mannschaft neunmal den Titel. Außerdem ist Sirin mehrfacher deutscher Meister. Absolviert hat er neben 10 km und Halbmarathon auch die Cross-Disziplin, Bergläufe und 5000 m.

Beim Frühlingslauf in Schnaitheim hat Sirin in seiner Altersklasse (M75) den ersten Platz belegt. Die 10-Kilometer-Strecke bewältigte er in einer Zeit von 51:51 min.