Heidenheim Sportakrobatik beim SVM: Spektakuläre Sprünge und Balanceübungen

Ein eingespieltes Team: Die Heidenheimer Stella Finia Falch und Linus Martin Monz bei der Deutschen Meisterschaft.
Ein eingespieltes Team: Die Heidenheimer Stella Finia Falch und Linus Martin Monz bei der Deutschen Meisterschaft. © Foto: Felix Kuntoro
Heidenheim / Sandra Gallbronner 07.07.2018
Artistik, Bodenturnen, Choreografie und Tanz – das macht die Sportakrobatik aus. In Mergelstetten trainieren das rund 50 Mädchen und Jungen.

Beweglichkeit, Kraft, Mut, Ausdauer, Ausdrucksstärke, Teamfähigkeit – es ist eine Mischung vieler Elemente, die einen Sportakrobaten ausmachen. Dabei ist jede einzelne dieser Eigenschaften unabdingbar, wenn sich die Akrobaten gegenseitig durch die Lüfte wirbeln, Handstände auf den Händen des Partners machen und eindrucksvolle Pyramiden bauen wollen.

Bis zu fünf Mal Training die Woche

Doch von nichts kommt bekanntermaßen nichts. „Deswegen trainieren wir viel“, erzählt Stefanie Caro Ortiz, die Haupttrainerin und Gründerin der Sportakrobaten-Abteilung beim SVM. Zwei Mal wöchentlich üben die Kleinen, bis zu fünf Mal die Größeren und das für jeweils drei Stunden.

Ob das nicht an den Kräften zehrt? Die Sportakrobatler Christina Lust und Linus Monz antworten mit einem entschlossenem Nein. „Klar ist es anstrengend, aber man bekommt auch was raus“, erzählt der 16-Jährige Monz. „Rausbekommen“ hat er erst kürzlich etwas: Gemeinsam mit seiner Partnerin Stella Finia Falch ist der Schüler in Sindelfingen Deutscher Meister in der Jugendklasse (10 bis 16 Jahre) geworden. „Solche Erfolge treiben an“, so der Sportakrobat.

Auch auf die Frage, was den Reiz an ihrer Sportart ausmacht, haben die Schüler eine Antwort parat: „Dass man mit Menschen turnt“, findet die 13-Jährige Lust, die seit zweieinhalb Jahren dabei ist. Denn anders als beim Turnen ist die Sportakrobatik eine Teamsportart, bei dem Elemente meist mit einem oder zwei Partnern gemeinsam ausgeführt werden. Geräte gibt es keine. Artistik und Bodenturnen kombiniert mit Choreografie und Tanz – das ist Sportakrobtik.

Turner haben schon einige im Training der Sportakrobaten hineingeschnuppert. Keiner sei geblieben. „Turner wollen ihr Ding durchziehen und sich nicht auf jemanden verlassen müssen“, weiß Caro.

Eine Ausnahme ist Linus Monz, der zunächst beim HSB turnte. Vor zwei Jahren stieg er bei den SVM-Sportakrobaten ein, allerdings nicht ganz freiwillig: „Meine Mutter hat mich gedrängt.“ Schnell habe er aber Gefallen an der Sportakrobatik gefunden: „Es gibt nicht nur harte Elemente wie beim Turnen.“ Vor allem das tänzerische hat den Heidenheimer überzeugt, auch wenn es ihn als Junge zunächst Überwindung gekostet habe.

Die Chemie muss stimmen

Mittlerweile hat der Sportler mit Stelle Finia Falch auch die perfekte Partnerin gefunden. Kein leichtes Unterfangen, weiß Trainerin Caro. „Die beiden können sich riechen. Sie passen charakterlich sehr gut zueinander.“ – Eine wichtige Voraussetzung für die Sportakrobatik, schließlich müssen sie in sehr engem körperlichen Kontakt zueinander stehen.

Um wirklich erfolgreich sein zu können, sollten sich die Persönlichkeiten zudem ergänzen: Zwei ruhige Sportler passen nicht zusammen, erklärt Caro. Stattdessen muss ein lebhafterer Akrobat die Oberhand haben, sodass er den oder die Partner lenken kann. Diese Rolle übernimmt auch Monz: „Linus hat ein perfektes Gefühl für seine Partnerin“, so die Trainerin. So achte er auf jede ihrer Bewegungen und spüre wo sie landet. Die Fokussierung ist das A und O.

Die Chemie stimmt bei den beiden Deutschen Meistern. Auch das Alter passt. Sechs Jahre liegen zwischen Falch und Monz. Größer dürfte der Unterschied für Wettkämpfe in Deutschland nicht sein.

Größenunterschied kann Punktabzug geben

Nur ein Punkt steht dem Duo noch im Weg: die Größe. Falch ist 41 Zentimeter kleiner als Monz. Bereits ab einem Größenunterschied von 30 Zentimetern gibt es bei Wettkämpfen Punktabzug. Denn je kleiner der Partner, desto leichter ist es, ihn zu halten. Ärgerlich findet das Monz nicht: „Wir versuchen das mit sauberen Elementen wieder rauszuholen.“

Damit bei Turnieren neben der A-Note, dem Technik-Wert, auch die B-Note, also Tanz, Gesichtsausdruck sowie Synchronität stimmen, verlangen die Trainer den jungen Akrobaten einiges ab. „Wir schubsen die Kinder vor die nächste Grenze, um dann gemeinsam drüber zu springen“, so Caro.

Spannung halten, Fußspitzen strecken und lächeln

Es gebe selten nichts zu bemängeln, sagt auch Monz. Schließlich drücken auch die Kampfrichter auf Turnieren kein Auge zu. Auf jede Kleinigkeit wird geachtet: Wird die Spannung gehalten? Sind die Finger und Fußspitzen gestreckt? Strahlen die Sportler Selbstbewusstsein aus?

Trainerin Caro weiß genau, worauf es ankommt. Sie ist selbst ausgebildete Kampfrichterin. Vor 30 Jahren hat sie mit der Sportakrobatik angefangen. Da es in Heidenheim keine Abteilung gab, fuhr sie mit einem Auto voller Kinder fünf Mal wöchentlich ins Leistungszentrum nach Aalen, wo sie 15 Jahre lang trainierte. Damit die Fahrerei ein Ende nehmen würde, gründete die 52-Jährige vor zweieinhalb Jahren die Sportakrobatik-Abteilung beim SVM. Und es läuft gut: Mittlerweile werden 46 Kinder, darunter acht Jungen, von sieben Trainern betreut.

Sportakrobatik in Heidenheim: Wer, wie, wo?

Ab fünf Jahren können Mädchen und Jungen mitmachen. Geübt wird hauptsächlich in der SVM-Halle auf den Reutenen. Für interessierte Kinder, die keine Vorbildung haben, findet zwei Mal im Jahr ein Schnuppertraining statt.

Bei den Formationen gibt es folgende Möglichkeiten: Mädchen-Paar, Jungen-Paar oder gemischtes Paar,

Mädchen-Gruppe (zu dritt) oder Jungen-Gruppe (zu viert).

Ziel der Sportakrobaten ist die Teilnahme an Wettkämpfen. Diese sind untergliedert in den Nachwuchsbereich, die Württembergischen Meisterschaften und die Deutschen Meisterschaften. Dabei müssen die Altersgruppen Schüler (8 bis 14 Jahre) und Jugend (10 bis 16 Jahre) sechs Elemente in einer zweiminütigen Kür mit Musikbegleitung zeigen.

Eine Spiel-Spaß-Gruppe könnte es künftig für die Kinder geben, die nicht an Turnieren teilnehmen möchten. Bisher wurden leistungsschwächere Kinder abgelehnt.

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