Heidenheim / Thomas Jentscher  Uhr
Die Voith Heideköpfe holen sich durch einen 3:0-Sieg über Gastgeber Brünn den Europacup, bleiben dabei im gesamten Turnier ohne Gegenpunkt.

Nicht viele Heidenheimer Mannschaftssportler sind auf internationaler Ebene vertreten, dort sogar ein Turnier zu gewinnen, ist ein ganz seltenes Kunststück. Und genau dieses gelang nun den Baseballern. Die Voith Heideköpfe krönten eine phantastische Woche im tschechischen Brünn am Ende mit dem 3:0-Finalsieg über das favorisierte Team der Gastgeber und dürfen sich Europacupsieger nennen.

Der C.E.B.-Cup ist nicht die höchste Krone im europäischen Vereinsbaseball, quasi das Gegenstück zur Europaliga im Fußball. Dennoch war das Niveau in Brünn zumindest ab dem Halbfinale sehr hoch und wäre auch der Champions League würdig gewesen. Heideköpfe-Trainer Klaus Eckle ordnet den Triumph denn auch trotz mehrerer gute Platzierungen im Cup der Meister sehr hoch ein: „Wir wollten schon immer einen internationalen Titel und das Niveau war am Ende mindestens so hoch wie im Champions-Cup, Neben den drei deutschen Meisterschaften und Rang zwei Im Champions-Cup 2010 ist das der größte Erfolg für die Heideköpfe.“

Sensationell war ja auch, auf welche Art und Weise die HSBler durchs Turnier marschierten. Die drei klaren Siege in der Vorrunde waren noch erwartet worden, dort aber komplett ohne Gegenpunkt zu bleiben, war dennoch eine Überraschung. Dass die Heideköpfe auch bis zum Schluss keinen einzigen Run abgaben und auf 53:0 Zähler kamen, dürfte wohl einmalig in der Geschichte des C.E.B.-Cups sein.

Spannendes Halbfinale

Der oft so schwierige Plan, die Werfer entsprechend einzuteilen (kaum ein Pitcher kann mehr als ein Spiel pro Woche bestreiten), ging auf. Mike Bolsenbroek stand fürs Halbfinale gegen die Montigny Cougars bereit, zeigte eine überragende Vorstellung und ließ in acht Innings bei neun Strike-outs nur acht Hits und einen Walk zu. Zudem gelangen Catcher Simon Gühring zwei ganz wichtige Aus bei Steal-Versuchen der Franzosen. Sonst hätten diese im dritten Inning gepunktet.

Aber auch Montignys Pitcher agierte stark und so blieb es bis in den fünften Durchgang beim 0:0. Dann sorgten die beiden stärksten Heidenheimer Schlagleute, Philip Schulz und Aaron Dunsmore, fürs 1:0. Im folgenden Inning verpassten die Heidenheimer bei geladenen Bases und keinem Aus die Chance zur Vorentscheidung, erhöhten dann im siebten durch Ludwig Glaser auf 2:0. Erst Gary Owens Homerun im achten Inning zum 5:0 brachte dann Beruhigung, im Schlussdurchgang übernahm Justin Erasmus als Werfer, beendete die Partie letztlich mit zwei Strike-outs.

Das erwartete Finale

So kam es zum erwarteten Endspiel gegen Draci Brno, der Gastgeber hatte in seinem Halbfinale beim 15:1 gegen Minsk überhaupt keine Probleme. Die Brünner stellten mit Peter Moylan einen wahrhaft furchteinflößenden Pitcher auf den Mound. Der Australier kann auf acht Jahre in der amerikanischen Major League Baseball zurückblicken und ist mit seinen 40 Jahren für europäische Verhältnisse immer noch Extraklasse.

Dies gilt aber auch für Heidenheims Deutsch-Kubaner Enorbel Marquez-Rámirez, der sogar noch vier Lenze mehr auf dem Buckel hat. Lediglich drei Hits und einen Walk gab er in acht Innings gegen die starken Tschechen ab, warf dabei acht Strike-outs.

Auch beide Defensivreihen agierten stark und so entwickelte sich ein extrem spannendes Match. Die Heideköpfe verpassten schon im ersten Inning die Führung, als Owens knapp an der Homeplate Aus ging, im fünften Spielabschnitt waren bei keinem Aus das erste und dritte Base besetzt – aber wieder reichte es nicht zu einem Punkt.

Aber Marquez ließ weiter nichts anbrennen, und als Brünn im achten Inning den Werfer wechseln musste, war es soweit: Freiläufe für Liedtke, Schulz und Gühring luden die Bases. Die Gastgeber wechselten erneut, aber Owens und Dunsmore ließen sich diese Chance nicht entgehen und brachten mit ihren Hits die entscheidenden drei Runs nach Hause. Wieder durfte Erasmus den Sack zumachen. Er gab noch einen Walk ab, aber ein Double-Play und ein Fly-out machten den hochverdienten 3:0-Sieg perfekt.

Der Titel beschert Deutschland wieder einen zweiten Platz im Champions-Cup, nachdem Bonn mit Rang sechs beim Turnier in Bologna den Klassenerhalt geschafft hat. Für Eckle ein Ansporn, jetzt auch wieder ins Finale um die deutsche Meisterschaft einzuziehen. „Das war eine Topleistung der gesamten Mannschaft. Nun wollen wir auch in den Play-offs so spielen – dann soll uns erst einmal einer schlagen.“

Namen und Zahlen

Voith Heideköpfe – Montingy Cougars 5:0
Hits: 12:8, Errors: 0:1
Heidenheim: Schulz (SS; 3 Hits bei 5 Schlagversuchen, 1 Runs, 1 RBI), Gühring (C; 1/4, 1 Run), Owens (CF; 1/3, 1 Homerun, 2 Runs, 2 RBI), Dunsmore (RF; 3/4, 1 RBI, 1 Walk), Glaser (3B; 1/3, 1 RBI), 1 Walk), Larry (DH; 1/4), Krumm (1B; 0/3, 1 Walk), Sommer (LF; 2/3, 1 Double, 1 Run, 1 Walk), Liedtke (2B; 0/3, 1 Walk), Gentner (3B; 0/1), Escarra (1B) – Pitcher: Bolsenbroek (8 Innings, 0 Runs, 9 Strike-outs), Erasmus (1 I, 0 R, 2 SO)

Voith Heideköpfe – Draci Brünn 3:9
Hits: 9:3, Errors: 2:1
Heidenheim: Schulz (SS; 1/3, 1 Run, 1 HBP), Gühring (C; 2/3, 1 Double, 1 Run, 1 Walk), Owens (CF; 1/4; 2 RBI), Dunsmore (RF; 2/4, 1 RBI), Glaser (3B; 0/3), Larry (DH; 1/4), Krumm (1B; 0/4), Sommer (1/3, 1 Double), Liedtke (2B; 1/2, 1 Run, 1 Walk) – Pitcher: Marquez (8 Innings, 0 Runs, 8 Strike-outs), Erasmus (1 I, 0 R, 2 SO)