Heidenheim Baseball: „Wir wollen wieder in die Play-offs“

Heideköpfe-Trainer Klaus Eckle blickt optimistisch in die Zukunft.
Heideköpfe-Trainer Klaus Eckle blickt optimistisch in die Zukunft. © Foto: Kalle Linkert
Heidenheim / Thomas Jentscher 29.12.2018
Klaus Eckle, Trainer und Manager der Heidenheim Heideköpfe, hat die Saison 2018 mit der knapp verpassten Meisterschaft abgehakt und blickt optimistisch auf die neue Runde.

Gut zwei Monate nach dem letzten Spiel der Finalserie um die deutsche Meisterschaft blickt Klaus Eckle von den Heidenheim Heideköpfen, die gegen Bonn knapp verloren und damit Deutsche Vizemeister wurden, noch einmal auf eine erneut extrem dramatisch verlaufende Spielzeit zurück. Der Manager der HSB-Baseballer hat aber auch schon mit den Planungen für die neue Runde begonnen und macht sich Gedanken über die weitere Zukunft seines Sports in Heidenheim.

Dramatisch macht ihr Baseballer es ja grundsätzlich, aber die 2018er-Serie um die deutsche Meisterschaft setzte noch eins drauf – ist das mittlerweile verarbeitet?

Klaus Eckle: Ja, weitestgehend schon, du kannst ja nichts mehr dran ändern. Mit tut es halt leid um die Jungs, die hätten es verdient gehabt. Aber es ist sicher leichter zu verschmerzen, als wenn das unser erstes Finale gewesen wäre.

Die Bilanz der letzten Jahre stimmt ja trotzdem: Vizemeister 2014, Meister 2015, unglückliche Halbfinalniederlage 2016, Meister 2017, Vizemeister 2018 – das soll uns erst einmal einer nachmachen.

Was nimmt man mit aus so einem Verlauf, gibt es Lehren, die man daraus ziehen kann?

Man muss ja sehen: Wir sind ins Finale gekommen, das war eine Riesenleistung. Dass in Spiel vier und fünf in Bonn alles gegen uns lief, war einfach auch Pech. Insgesamt haben wir super gespielt. Man nimmt eine gewisse Motivation mit. Das ist schon ein Antrieb, das nächstes Jahr wieder umzudrehen.

Denken Sie noch über einzelne Szenen nach?

Viel! Was mich am allermeisten belastet, ist immer noch die meines Erachtens nach Mitch Nilsson absichtlich zugefügte Verletzung. Das geht mir nach, denn es tut mit total leid um ihn. Das ist eine Sache, die ich so nicht tolerieren kann. Dass man ein Spiel nachher verliert, ist dumm genug. Aber dass man einen Spieler verliert, so dass man nicht einmal weiß, ob der überhaupt je wieder Baseball spielen kann, das tut mir weh. Da bin ich immer noch stinksauer.

Und sonst?

Auch dass der Chef-Schiedsrichter, der eigentlich sehr gut ist, uns letztlich drei Spiele in dieser Serie fast im Alleingang gekostet hat, kapiere ich immer noch nicht. Für mich war in Spiel fünf entscheidend, dass Clayton Freimuth im siebten Inning ein ganz klares Strike-Out gegen Bradley Roper-Hubbert zum zweiten Aus nicht bekommen hat. Trotzdem: Bonn ist nicht unverdient Meister geworden. Sie waren vielleicht in gewisser Weise auch mal dran. Aber die Umstände waren halt ärgerlich.

Was machen diese Serien eigentlich persönlich mit Ihnen als Trainer und Macher der Heideköpfe?

Das ist schon ein Genickschlag, das nagt an einem. Aber das Wesen des Baseballspiels heißt: „short memory“ - Dinge schnell abhaken, wenn man einen Niederschlag eingesteckt hat, wieder aufstehen und besser als zuvor weitermachen. Mittlerweile sehe ich das aber auch gelassener. Es gibt wichtigeres im Leben, als Baseballspiele zu gewinnen.

Auch die Saison 2017 war ja trotz glücklichem Ende durchaus nervenaufreibend. Hinterlässt das Spuren?

Ja schon, ich war auch körperlich nicht gesund dieses Jahr, habe verschiedenen Krankheiten durchgeschleppt. Jetzt bin ich wieder in der Spur. Ich bin auch heilfroh, dass Markus Winkler als Trainer zurück nach Heidenheim kam. Der hat das im Trainerteam zusammen mit Hannes Hirschberger und mir super gemacht und ich hoffe, dass wir das nächstes Jahr wieder so machen können.

Ich nehme an, der Blick geht nach vorn, was bedeutet die Vizemeisterschaft für die HSB-Baseballer?

Unter anderem die Europapokal-Teilnahme im C.E.B.-Cup. Das ist die Europaleague, die wirklich gut besetzt ist. Das Turnier findet vom 4. bis 10. Juni 2019 in Brünn statt (schmunzelt) und nachdem wir 2018 unglücklich die Championsleague nicht gewinnen konnten, versuchen wir eben jetzt, die Europaleague zu gewinnen. Für unsere Spieler ist es das größte, auf europäischer Ebene zu spielen.

Und national?

Wollen wir wieder in die Play-offs kommen. Wir sind Vizemeister geworden, warum sollten wir nicht wieder um die Meisterschaft spielen? Das System Heidenheim funktioniert, das haben wir über die Jahre bewiesen. Auch wenn andere Vereine Geld in die Hand nehmen, das wir nicht haben. Ich warne trotzdem: Es ist keine Selbstverständlichkeit, in die Play-offs zu kommen. Die Mannheimer, die nicht in den Play-offs waren, rüsten auf und ich denke nicht, dass Regensburg, Mainz und Haar schwächer werden.

Mit welchen Kräften können Sie diese Aufgaben angehen?

Es haben uns Jay Pecci, RJ Hively (beide Karriereende), Sascha Lutz (Mannheim) und – studienbedingt - Stefan Karpf (Tübingen) verlassen.

Wir brauchen einen Werfer fürs Ausländer-Spiel, wollen einen zweiten Catcher holen und werden die andere Positionen durch eigene Kräfte ersetzen. Johannes Krumm will nach seiner langen Verletzungspause wieder voll angreifen. Vor allem setzen wir wie immer auf unsere heranwachsenden Nachwuchsspieler. Elian Gentner, Sammy Tsopatalo und Konstantin Holl werden mehr Einsatzzeiten bekommen, ein Simon Liedtke ist ja ohnehin nicht mehr wegzudenken.

Wie steht es denn um den Nachwuchs in Heidenheim?

Gut. Ich denke, wir machen da einen guten Job. Die Jungs sind für das spätere Spielen auf Bundesliganiveau richtig ausgebildet, sind Teamsportler von klein auf, keine Showman. Mit Yannik Walter kommt jetzt auch das Toptalent der deutschen U-15-Nationalmannschaft ans Heidenheimer Landesleistungszentrum. Er wird nächstes Jahr bereits zusammen mit unserem Eigengewächs Luca Hörger in der 2. Liga spielen.

Die U 18 und die U 15 können um die baden-württembergische Meisterschaft spielen, vielleicht schaffen sie es zur Deutschen Meisterschaft. Aber noch wichtiger ist die individuelle Entwicklung der einzelnen Spieler.

Was steht für die Heideköpfe 2019 sonst noch an?

Was wir uns fest vorgenommen haben: Wir müssen uns finanziell auf eine bessere Basis stellen. Es wird nächstes Jahr vielleicht etwas günstiger, weil die Saison kürzer ist, aber wir müssen unbedingt Geld dazugewinnen. Zudem benötigen wir dringend das bereits in Planung befindliche bessere Flutlicht.

Das Projekt Baseball in Heidenheim ist ohne Sie nicht vorstellbar – wie lange wird Klaus Eckle die Geschicke des Vereins noch leiten?

Das ist schon vorstellbar. Wenn ich sehe, dass wir zwei hervorragende Assistenztrainer und Top-Nachwuchstrainer haben, sehe ich den Trainerbereich schon mal nicht so dramatisch. Vielleicht müssen wir uns im Management-Bereich noch breiter aufstellen.

So lange es mir Spaß macht, werde ich auch weitermachen. Nur sollte diese Doppelbelastung mittelfristig nicht mehr so stark sein. Aber es ist nach wie vor das, was ich gerne mache. Irgendwo werde ich daher sicher immer mitmischen. Dass es nur mit mir läuft, glaube ich nicht. So soll es auch nicht sein.

Die Heidenheimer Baseballer planen für 2019 eine kurze Saison

2019 ist in der 1. Baseball-Bundesliga wieder alles anders. Nach zwei Jahren mit einer „Interleague“ und einer „Meisterrunde“ sowie dem damit verbundenen sehr späten Saisonende Erst Mitte Oktober soll es im neuen Jahr ganz flott gehen. Der deutsche Meister soll laut Plan bereits Ende Juli/ Anfang August ermittelt sein.

Der Grund sind die Europameisterschaften der U 23 ab 5. August und der Herren ab 6. September. Die Aktiven spielen im bevorstehenden Jahr 2019 ihre kontinentalen Titelkämpfe in Bonn und danach gegebenenfalls noch den Olympic Qualifier.

Deshalb geht es wie früher nach der „Regular Season“ mit 28 Spielen sofort mit dem Viertelfinale um die deutsche Meisterschaft weiter. Trotzdem ist der Terminplan noch extrem eng, die Heidenheimer und ihre Konkurrenten müssen mehrfach unter der Woche spielen und es sind keine Nachholspieltage vorgesehen.

Möglicherweise gibt's also doch wieder eine Änderung und es wird zwischen U-23- und Herren-EM nochmal eine Play-off-Runde gespielt.

Heideköpfe-Manager Klaus Eckle wartet die weiteren Planungen des Verbands mit folgenden Worten ab: „Ich habe mir fest vorgenommen, mich nicht aufzuregen.“

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