Bonn Baseball: Heideköpfe verlieren die Meisterschaft

Die Heidenheim Heideköpfe (blaues Trikot) haben Spiel fünf und damit die Deutsche Meisterschaft gegen die Bonn Capitals verloren.
Die Heidenheim Heideköpfe (blaues Trikot) haben Spiel fünf und damit die Deutsche Meisterschaft gegen die Bonn Capitals verloren. © Foto: Kalle Linkert
Bonn / Thomas Jentscher 15.10.2018
Die Heidenheim Heideköpfe verpassen knapp ihre vierte deutsche Meisterschaft, hadern bei den 2:4- und 5:7-Niederlagen gegen die Capitals mit den Schiedsrichtern und dem Verletzungspech.

Diesmal hat es für die Heidenheimer Baseballer nicht gereicht – trotz einer 2:1-Führung in der Serie gegen die Bonn Capitals holten sich die Mannen aus der ehemaligen Hauptstadt ihren ersten Titel. Ein Grund für die Niederlagen am Wochenende war sicher die schwere Verletzung von Mitch Nilsson, dazu kam eine mehr als unglückliche Entscheidung der Unparteiischen in Spiel vier. Vielleicht waren aber auch in den Augen der Baseball-Götter die Bonner, die seit Jahren eine sehr starke Mannschaft an den Start bringen, einfach einmal an der Reihe.

Die Heideköpfe wollten schon im vierten Duell am Samstag die Entscheidung erzwingen, hatten aber weitgehend das gleiche Problem wie in Spiel eins: Sie bekamen gegen Bonns gefürchteten Werfer Markus Solbach, der mehrere Jahre in den USA als Profi aktiv war, zwar immer wieder den Schläger an den Ball, landeten auch genug Hits, aber nie entscheidend viele in Folge.

Auf der anderen Seite zeigte Pitcher RJ Hively ebenfalls eine bärenstarke Leistung, gab nur im ersten Inning in einem kurzen Moment der Unkonzentriertheit einen Homerun gegen Bonns Spielertrainer BJ Roper-Hubbert zum 1:0 für Bonn ab. Ansonsten ließ Hively lange Zeit kaum etwas zu, kam auf hervorragende neun Strike-Outs. Seine Kollegen vergaben zunächst ihre Chancen, auch durch etwas zu aggressives Baserunning, so gingen zwei Spieler beim Versuch des Steals Aus. Der letzte Tick an Konzentration fehlte irgendwie, gleich zweimal wussten die Spieler nicht, wie viele Aus man schon hat, auch ein Error sollte noch Folgen haben.

Im sechsten Durchgang war es aber soweit: Owens erwischte den Ball voll und glich per Homerun zum 1:1 aus. Danach überschlugen sich die Ereignisse. Im Rückschlag kam – bei zwei Aus und einem Mann auf Base - Shortstop Philip Schulz gerade noch an den Schlag von Daniel Lamb-Hunt und warf auch rechtzeitig an die erste Base zu Nilsson, aber der wurde vom anstürmenden Lamb-Hunt umgerannt und schied verletzt aus (siehe Meldung unten). Für Heidenheims Homerun-König war damit die Partie und auch die Serie beendet.

Trotz des Schocks schien es dann für die Heideköpfe zu laufen. Ein Error, ein Walk und ein Hit von Owens brachten im siebten Inning die 2:1-Führung. Danach ordnete Coach Klaus Eckle einen Trickspielzug an, ein Steal ans zweite Base führte dazu, dass Sascha Lutz gleichzeitig zum 3:1 für die HSBler nach Hause kam. Doch die Schiedsrichter nahmen nach langen Diskussionen den Punkt zurück. Begründung: Einer der Unparteiischen habe einen Bonner behindert. Die Heideköpfe legten Protest ein, aber über diesen wurde noch nicht entscheiden.

Druck wurde zu groß

Zwei Punkte Führung hätten Hively Sicherheit gegeben, so aber wurde der Druck zu groß und plötzlich schlugen die bis dahin kaum einmal an den Ball kommenden Bonner vier Hits in Folge zum 3:2. Irgendwie kamen Hively und seine Defense noch aus dem Inning, aber das Momentum war nun auf Seiten der Gastgeber.

Pecci verlor im achten Spielabschnitt einen hohen Ball kurz aus den Augen, dies führte letztlich zum 4:2. Und obwohl die Heideköpfe gegen den eingewechselten Werfer Riley Barr in zwei Innings noch fünf Leute auf Base brachten, sprang kein Punkt mehr heraus. So setzte es trotz 11:7 Hits (Gühring und Owens waren je dreimal erfolgreich) und 5:2 Freiläufen eine unglückliche 2:4-Niederlage.

So musste wieder Spiel fünf über die deutsche Baseballmeisterschaft entscheiden, und die Bonner hatten neben dem Heimvorteil nun auch den psychologischen Vorteil. Würden die Heideköpfe die unverdiente Niederlage und das Aus ihres besten Mannes auf einen Schlag verkraften? Zunächst sah es so aus. Mit einem starken Clayton Freimuth als Werfer konterten sie im fünften Inning die Führung der Capitals durch Hits von Liedtke, Owens und Gühring zum Zwischenstand von 1:2.

Ein Hin und Her

Dann ging's hin und her, Bonn legte wieder zum 3:2 vor, aber nach gleich vier Doubles von Owens, Glaser, Larry und Schulz führten die Heideköpfe ihrerseits wieder 5:3. Bonn griff zu seinem letzten Mittel, erneut ging der bereits am Vortag werfende Solbach auf den Mound. Normalerweise ist so etwas extrem schädlich für einen Pitcher, aber die Rechnung der Rheinländer ging auf.

Im siebten Inning musste Freimuth, der vom auch hier ziemlich einseitig agierenden Umpire kaum noch einen Strike zugesprochen bekam, nach 127 Würfen das Feld räumen – zwei Mann waren bereits auf Base. Trainer Eckle entschied sich für den jungen Liedtke als Nachfolger. Der hatte in dieser Saison schon mit hervorragenden Leistungen als Pitcher geglänzt, aber in dieser Situation in der aufgeheizten Atmosphäre in Bonn war es vielleicht nicht ganz der richtige Zeitpunkt.

Jedenfalls landeten die Bonner drei Hits in Folge und es stand wieder 7:5. Dass der erste Schlag dabei nur wenige Zentimeter über den Handschuh von Schulz zischte, der vermutlich das Double-Play gemacht hätte, passte zu dem unglücklichen Wochenende.

Ricky Torres und Logan Grigsby brachten das Spiel dann zu Ende, aber die Heideköpfe punkteten gegen Solbach nicht mehr und mussten die Niederlage quittieren. Und dies, obwohl sie – wie in jedem einzelnen Spiel der Serie – wieder mehr Hits auf dem Konto hatten. Trotz allem waren es wieder hervorragende Spiele in einem randvollen Stadion, in dem auch rund 200 Heidenheimer Fans bis zum Ende mächtig Stimmung machten.

Bonn – Heideköpfe 4:2/7:5

Hits 7:11/7:13, Errors: 1:2/0:2, Zuschauer: 1700/2000

Lutz (LF; 0/7, 2 Walks), Pecci (3B; 3/9), Owens (CF; 5/10, 1 Homerun, 1 Double, 3 RBI), Nilsson (1B; 1/3), Gühring (C; 4/10, 1 RBI), Glaser (DH; 4/7, 1 RBI, 1 Walk), Larry (RF; 2/8, 1 Double, 1 RBI, 1 Walk), Schulz (SS; 3/7, 1 Double, 1 RBI), Liedtke (2B; 1/7), Krumm (1B; 1/5), Tsopatalo (RF; 0/1), Hurler (0/1), Seyfried (RF) - Pitcher: Hively (7 Innings, 3 Runs, 3 Earned Runs, 9 Strike-Outs), Freimuth (6.1 I, 5 R, 5 ER, 8 SO), Grigsby (1.2 I, 1 R, 0 ER), Torres (2 I, 0 R, 1 SO), Liedtke (2 R, 2 ER)

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel