Heidenheim Bald kein Bundesstützpunkt mehr?

Trotz einiger Sorgen (es droht der Wegfall des Status als Bundesstützpunkt) starten die Heidenheimer Fechter zuversichtlich in die neue Saison. Der deutsche Degen-Meister 2018, Niklas Multerer (Foto), hofft auf einen guten Einstieg in die Olympia-Qualifikation. Er wird seinen Trainings-Schwerpunkt künftig in Tauberbischofsheim haben, startet aber weiter für den HSB.
Trotz einiger Sorgen (es droht der Wegfall des Status als Bundesstützpunkt) starten die Heidenheimer Fechter zuversichtlich in die neue Saison. Der deutsche Degen-Meister 2018, Niklas Multerer (Foto), hofft auf einen guten Einstieg in die Olympia-Qualifikation. Er wird seinen Trainings-Schwerpunkt künftig in Tauberbischofsheim haben, startet aber weiter für den HSB. © Foto: Oliver Vogel
Heidenheim / Thomas Grüninger 12.09.2018
Bei der Saisoneröffnung des HSB war von einem „Damoklesschwert“ die Rede, das über dem Paul-Gnaier-Zentrum schwebt. Am Freitag soll es ein klärendes Gespräch geben.

Seit 1970 verfügen die Heidenheimer Fechter über ein Landesleistungszentrum, seit 1980 sind sie Bundesstützpunkt. Im Zuge geplanter Reformpakete könnte der HSB aber den letztgenannten Statuts bald verlieren. Beim traditionellen „Come together“ vor dem Start in die neue Saison sprach Edgar Klaiber von einem „Damoklesschwert“, das über dem Fechtzentrum schwebe. Heidenheim könnte schon bald kein Bundesstützpunkt mehr sein, aber klar sei derzeit noch gar nichts.

Der Geschäftsführer des HSB-Gesamtvereins, bei den Fechtern für die Bereiche Personal und Verwaltung zuständig, erklärte auf Nachfrage: „Es gibt bis dato kein offizielles Schreiben, in dem von einer Streichung des Bundesstützpunktes berichtet wird.“ Wohl aber hätten schon zahlreiche Gespräche stattgefunden, in denen diese Veränderung angedeutet wurde, wenngleich sich bislang „niemand darauf festnageln ließ“, wie Klaiber weiter ausführte.

Seitens des HSB habe man deshalb darauf gedrängt, ein zeitnahes Gespräch mit dem Deutschen Fechterbund zu führen, das nun am Freitag dieser Woche stattfinden soll. Danach hoffen die Beteiligten, mehr Klarheit zu haben.

Tiefgreifende oder gar existenzielle Konsequenzen wären für das Paul-Gnaier-Fechtzentrum mit dem drohenden Statusverlust nicht verbunden. Da man jetzt schon weitgehend autark arbeite, seien qualitative Auswirkungen nicht zu befürchten, so Klaiber. Aber finanzielle und personelle Einschränkungen scheinen unumgänglich.

Die personellen Auswirkungen könnten den Trainerbereich betreffen. Sechs hauptamtliche Trainer arbeiten derzeit bei den HSB-Fechtern, teilweise finanziert von Bund und Land, teilweise vom Verein. Sollte der Bundesstützpunkt wegfallen, müsste vor allem über eine momentan von Bundes- und Landesmitteln mischfinanzierte Trainerstelle neu nachgedacht werden. Beim Bemühen, auch künftig bestens aufgestellt zu sein, dürfen sich die Fechter indessen der Unterstützung des HSB-Gesamtvereins sicher sein, weshalb sich Klaiber ausdrücklich auch beim HSB-Vorsitzenden Dr. Volker Wiedenmann für die Rückendeckung bedankte.

Unabhängig von der augenblicklichen Ungewissheit sind bei den Heidenheimer Fechtern die Signale einer Aufbruchstimmung nicht zu überhören. So zeigte sich Abteilungsleiter Jan-Peter Schenkengel überzeugt, „dass wir den Verein auf ein ganz anderes, höheres Niveau heben können“. Wichtiges Bindeglied seien Familien, die ihre Kinder dem Fechtsport im HSB anvertrauen. Sowohl für den spitzensportlichen Bereich als auch auf Ebene der breitensportlichen Aktivitäten gibt es klare Ziele.

Analysen und Strategien

Eine Optimierung der Rahmenbedingungen durch erhöhtes Sponsoren-Engagement schwebt den Verantwortlichen vor. Themen wie eine verstärkte Medienpräsenz oder eine optische Aufwertung des Fechtzentrums sollen in den Fokus rücken. Daneben wird der Ist-Zustand überprüft, um neue Entwicklungsmöglichkeiten in Angriff zu nehmen.

Hierzu dienen unter anderem eine Athletenumfrage, eine Zufriedenheitsanalyse und eine Trainer-Evaluierung. Geplant ist eine Strategiefestschreibung bis 2028 unter den Fragestellungen, wo man aktuell stehe, wo man hinwolle und wie man es schaffe, dort hinzugelangen. Auf nationaler Ebene sei man im Medaillenspiegel nach wie vor führend. Aber man wolle sich auch wieder auf europäischer Ebene und weltweit mit den Besten messen.

Damendegen-Landestrainer Hans-Jürgen Hauch gab einen Überblick über anstehende Weltcupturniere und Großereignisse 2018/19, zu denen für die Aktiven auch die Europameisterschaften in Düsseldorf und die Weltmeisterschaften in Budapest gehören.

Cheftrainer Thomas Zimmermann machte auf eine neue Kaderbezeichnung aufmerksam. So gehören Niklas Multerer, Stephan Rein, Vanessa Riedmüller, Sophia Weitbrecht und die aus Offenbach gekommene Nadine Stahlberg dem Perspektivkader an. Im Ergänzungskader wird Anna Hornischer geführt, im Nachwuchskader stehen Vanessa Heinz, Lea Mayer und Franziska Mayr.

Beifall gab es für Jannis Blank, der die Trainer-A-Lizenz des Deutschen Fechterbundes erwarb, sowie für Franziska Mayr, Lilla Carducci, Vanessa Riedmüller, Carolin Teuber, Lea Mayer und Anna Hornischer, die die Kampfrichterprüfung bestanden.

Multerer trainiert an der Tauber

Ganz aktuell durfte Hans-Jürgen Hauch zudem verkünden, dass Carolin Teuber in den Kader der Juniorennationalmannschaft berufen wurde. Der deutsche Meister 2018 im Herrendegen, Niklas Multerer, wird übrigens künftig nicht mehr zwischen den Trainingsorten Heidenheim und Tauberbischofsheim pendeln, sondern aus praktischen Gründen nur noch in Tauberbischofsheim trainieren. „Aber ich bleibe Heidenheimer und der HSB ist auch weiterhin mein Verein“, versicherte Multerer.

Heidenheimer Fechtertage vom 10. bis 13. Januar

Ziemlich früh finden im kommenden Jahr die Heidenheimer Fechtertage statt. Vom 10. bis 13. Januar treffen sich im Congress-Centrum wieder die besten Degenfechter der Welt.

Im Terminkalender stehen auch noch weitere interessante Turniere, die in Heidenheim ausgetragen werden. So die Landesmeisterschaften der A-Jugendlichen (1./2. Dezember 2018) oder der Mini-Marathon um den Hellenstein-Cup (16./17. Februar). Die B-Jugendlichen ermitteln zudem in Heidenheim ihre deutschen Meister (25./26. Mai).

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