Rennsport Fährt Ralf Glatzel bald TCR?

Königsbronn / Elena Kretschmer 20.01.2019
Der Königsbronner Rennfahrer hat eine äußerst erfolgreiche Saison hinter sich. 2018 wurde er Meister in der Spezial-Tourenwagen-Trophy. Nun würde er sich gerne weiterentwickeln. Die Verhandlungen laufen.

Die Hand zur Faust geballt bricht Ralf Glatzel in Jubel aus. Er freut sich wie ein kleines Kind. Es ist diese Videoaufnahme aus seinem Cockpit, die wohl am eindrücklichsten zeigt, wie viel Anspannung am Ende der Rennsaison von ihm abfiel. Denn endlich stand fest: Er ist Meister der Spezial-Tourenwagen-Trophy (STT). Auch die Szenen aus dem Fahrerlager sprechen Bände: Glatzel genießt die Siegerehrung und die Sektdusche im Fahrerlager in vollen Zügen.

Bei der der großen Meisterfeier am Samstag in der Königsbronner Ostalbhalle konnte man anhand der gezeigten Aufnahmen nur zu gut nachvollziehen, wie eine zunächst relativ unspektakuläre Saison doch noch so spannend endete. Gemeinsam mit seinem Team, Sponsoren, Gönnern, Freunden und Kollegen feierte Glatzel seinen Erfolg.

Wie wichtig ein Mann wie Ralf Glatzel für die Gemeinde ist, betonte Bürgermeister Michael Stütz: „Mit dem Meistertitel kann auch Königsbronn etwas anfangen. Das ist eine tolle Außenwerbung, auch überregional.“ Deshalb sei man sehr stolz auf das gesamte Glatzel-Racing-Team. Als Zeichen der Anerkennung durfte sich der Rennfahrer gemeinsam mit seinen Eltern und seiner Schwester ins Goldene Buch eintragen.

Zurück zur Rennstrecke. Auf der hatte Glatzel in seiner STT-Klasse (5 TW) die gesamte Saison über die Nase vorn gehabt. In den insgesamt elf Rennen fiel er lediglich einmal wegen eines Getriebeschadens komplett aus. Und dank der Regelung, dass das schlechteste Ergebnis gestrichen werden darf, blieben Glatzel und sein schärfster Konkurrent um den Gesamtsieg, Jürgen Bender (Klasse 1), stets gleichauf.

Spannung bis zuletzt

Es war das letzte Rennen am Nürburgring, das über Sieg und Niederlage entschied. „Im Qualifying hatte ich ein technisches Problem. Es gab einen Fehlkontakt und ich hatte plötzlich statt 240 nur noch 70 PS Leistung.“ Er musste aufgeben. „Nachdem ich keine Quali-Zeit hatte, hätte ich eigentlich gar nicht beim Rennen starten dürfen“, erklärt Glatzel. Um Bender den Gesamtsieg nicht kampflos zu überlassen, griff der 35-jährige Königsbronner in die Trickkiste. Denn es besteht die Möglichkeit, innerhalb einer halben Stunde nach Bekanntgabe der Ergebnisliste einen Antrag an die Rennleitung zu stellen, trotz Quali-Ausfalls das Rennen fahren zu dürfen.

Diesem wurde stattgegeben und Glatzel startete vom letzten Platz. „Ich bin ziemlich zügig wieder vor gefahren und hatte dann nur noch meinen Team-Kollegen Wodan Munding vor mir.“ Nach einem fairen Zweikampf holte sich Glatzel die Führung zurück und somit auch den Gesamtsieg. „Die Spannung hätte es nicht unbedingt gebraucht“, resümiert Glatzel.

Der 17-jährige, vom Deutschen Sportfahrerkreis geföderte STT-Neuling Munding wurde in Glatzels zweitem Ford Fiesta ST Gesamt-Sechster und damit Junior-Meister. Das dritte Auto war die Saison über mit verschiedenen Fahrern besetzt: Michael Bräutigam, Ingo Wirtz, Christian Weisheit, Bettina Nill und Steffen Schwan.

Diese Aufteilung soll laut Glatzel auch in der kommenden Saison so bleiben: „In der STT fahren wieder mindestens zwei Autos mit.“ Doch er selbst hat andere Pläne: „Ich würde gerne in der TCR fahren.“ Das Touring Car Racing wäre für ihn eine neue Herausforderung. „Ich könnte wieder mehr an meine Grenzen gehen. In der STT waren dieses Jahr nicht viele extrem starke dabei. Da baut man irgendwann selber ab von der Leistung her.“

Die Weichen zum Umstieg sind gestellt: „Wir haben unserem Sponsor Bruno Banani ein Konzept vorgelegt. Der wäre bereit, mehr zu investieren, aber er möchte einen zweiten Partner.“ Den gelte es nun zu finden. Außerdem sei er wegen eines Autos in Verhandlungen mit Volkswagen. „Sollte das alles nicht klappen, fahre ich weiter STT. Aber wenn's nochmal fünf Jahre werden, habe ich keine Lust mehr.“

Bis es für Glatzel im April weitergeht, kann eines seiner Autos auf verschiedenen Strecken in Spanien Probe gefahren werden. Dazu sollte man aber vorher unbedingt den Verkehrszeichen-Test von Bauchredner Matze Erbe und seinem Affen Loui bestehen, den beide auf der Meisterfeier auch mit Glatzel machten. Wer es noch nicht wusste: Die Windhose bedeutet, dass man nur fahren darf, wenn man Kondome im Handschuhfach hat.

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