Degenfechten Anna Hornischer: Ein Leben zwischen Hörsaal und Weltcup

Heidenheim / Lis Fautsch 13.02.2019
Die HSBlerin Anna Hornischer hat schon viele Erfolge für ihren Verein errungen. Damit das funktioniert, muss sie aber Training, Studium und weltweite Turniere unter einen Hut bekommen.

Havanna, der Augsburger Hörsaal, Training in Heidenheim, Doha, Hörsaal, Training – am vergangenen Wochenende war sie beim Weltcup in Barcelona. Anna Hornischer kommt ganz schön herum. Die 23-jährige Heidenheimerin ficht seit ihrem neunten Lebensjahr und feierte schon einige Erfolge: Sie wurde Junioren-Europameisterin im Team 2015, gewann die Bronzemedaille mit der Mannschaft bei der U-23-Europameisterschaft in Minsk 2017 und die Bronzemedaille bei der deutschen Meisterschaft 2018. Ihr persönlicher Favorit war die Junioren-Weltmeisterschaft in Taschkent. Das Land Usbekistan bot eine interessante Kultur, die Menschen waren fechtbegeistert. Die Bronzemedaille war natürlich auch ein willkommenes Mitbringsel.

Ihr Jurastudium in Augsburg und das tägliche Training unter einen Hut zu bekommen, ist nicht immer einfach: „Wenn ich in Augsburg bin, versuche ich, die erste Trainingseinheit, Laufen oder Krafttraining, vor dem Frühstück zu erledigen. Um 9 Uhr beginnen dann die Vorlesungen oder ich gehe in die Bibliothek zum Lernen“, beschreibt Hornischer ihren Vormittag.

„Arbeitstier“ lernt Portugiesisch

Nach der Uni geht es aber gleich weiter für die Sportlerin, die drei Sprachen fließend spricht und gerade Portugiesisch lernt: „Um 16 Uhr verlasse ich meistens die Uni, setzte mich ins Auto und fahre die gute Stunde nach Heidenheim ins Training.“ Duale Karriere, Sport und Ausbildung zu vereinbaren, bedeutet viel Organisation und Verzicht. Auf den Sport zu verzichten, kam für Hornischer aber nie in Frage. „Ich habe in den vergangenen 14Jahren das Fechten lieben gelernt. Außerdem hat bei mir alles immer nur funktioniert, wenn ich ausgelastet war. Ich bin ein Arbeitstier und brauche die sportliche und die kognitive Beanspruchung“, erklärt die Fechterin. Trotzdem sei es auch für sie anstrengend: „Dass es mit dem Jurastudium so stressig wird, hätte ich nicht gedacht, aber man wächst ja an seinen Herausforderungen. In Deutschland gibt es wenig Unterstützung für die duale Karriere. Bei Sport und Uni ist kaum ein Miteinander möglich.“

Keine finanzielle Förderung

Das Studium (ihr Lieblingsfach ist Europarecht) könne aber trotzdem auch witzig sein. Wo sonst lernt man schließlich, dass es kein „Erschleichen von Leistungen“ ist, sich mit einem Rollstuhl an eine Straßenbahn zu hängen.

Auch finanziell tue sich Hornischer manchmal schwer: „Meine Passion für den Fechtsport ist groß, aber ich kann schon verstehen, dass manche Nachwuchstalente alles hinschmeißen. Auch ich werde zum Beispiel derzeit nicht von der Deutschen Sporthilfe mit Geld gefördert“, sagt die Spitzensportlerin. Grund dafür sei, dass sie zu Saisonbeginn nicht in den sogenannten Damendegen-Perspektivkader berufen wurde. „Obwohl ich rein rechnerisch genug Ranglistenpunkte in der vergangenen Saison gesammelt habe, um diesen Status zu erhalten. Einen Nebenjob neben dem Studium und Sport ist zeittechnisch einfach nicht möglich“, ist sich Hornischer sicher.

Ganz alleine gelassen wird sie aber nicht: Das Fechtzentrum Heidenheim hat ein neues Patensystem lanciert. Talentierte Fechter sollen dabei von einem Paten finanziell unterstützt werden. Im Gegenzug hält der Fechter Kontakt zu seinem Paten und berichtet regelmäßig von seinen Wettkämpfen.

Ziele für die Zukunft hat Hornischer noch genug: Medaillen bei der U-23-Europameisterschaft im Juni in Plovdiv (Bulgarien) und bei der Universiade im Juli in Napoli (Italien). Sie träumt vom Titel der deutschen Meisterin. Langfristig will sie auch Mitglied der deutschen Nationalmannschaft im Aktivenbereich werden und nebenbei bis 2022 noch ihr erstes Staatsexamen in Jura absolvieren.

Absprache zwischen Studium und Verein

Die Absprache zwischen Universität und Fechterbund funktioniert nicht immer. Der Bundestrainer verlange von Anna Hornischer Anwesenheitspflicht, egal ob sie dadurch Vorlesungen verpasse. Klausuren nachholen, das geht dafür bei der Uni nicht. „Ich würde mir einen Kontakt zwischen Universität und Fechterbund wünschen. Und nicht nur Druck von beiden Seiten“, erklärt die Heidenheimerin.

Ein Fördersystem für studierende Kadersportler gibt es zum Beispiel in Frankreich. Sie können dort mehr Fehlstunden haben, Nachhilfe beantragen und Klausuren nachholen.

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