Heidenheim 15-jähriger Heidenheimer will professioneller Windsurfer werden

Der Gardasee in Italien ist Maximilian Räuchles zweites Zuhause geworden. Beim Surf-Klub in Torbole kann er mit erfahrenen Profis trainieren.
Der Gardasee in Italien ist Maximilian Räuchles zweites Zuhause geworden. Beim Surf-Klub in Torbole kann er mit erfahrenen Profis trainieren. © Foto: Moan Photos
Heidenheim / Thomas Grüninger 08.08.2018
Der 15-jährige Heidenheimer Maximilian Räuchle ist deutscher Segelvizemeister im Slalom der U 17, startet bei Welt- und Europameisterschaften und träumt von einer Profikarriere.

Seine Sportart ist nicht gerade typisch für den Osten der Schwäbischen Alb. Maximilian Räuchle, Schüler am Heidenheimer Max-Planck-Gymnasium, ist fasziniert vom Windsurfen und schickt sich an, in seiner Sportart ein Profi zu werden. Die sportlichen Voraussetzungen scheinen bei dem 15-Jährigen auf jeden Fall vorhanden.

Seit 2017 fährt er internationale Regatten. 2018 wurde er deutscher Vizemeister in der Disziplin Slalom, der „Formel 1 des Windsurfens“. Zudem belegte er bei der Slalom-Weltmeisterschaft des internationalen Verbandes IFCA (der höchsten weltweiten Amateurliga, bei der auch Profis mitfahren) den 19. Platz und wird sich in wenigen Tagen auch bei der Europameisterschaft in Kroatien mit den besten Surfern des Kontinents messen.

Jedes Zweite Wochenende Training

Allerdings muss der Heidenheimer auch einen immensen Aufwand betreiben. Von März bis November trainiert er im Schnitt an jedem zweiten Wochenende am Gardasee. Dort ist er in Torbole Mitglied des Clubs Circolo Surf Torbole und dessen Racingteams. Im Winter geht's dann für mehrere Wochen nach Teneriffa.

Viel Disziplin erforderlich

„Das ist schon ein gewaltiger Stress“, räumt Maxi Räuchle ein. Schließlich darf neben dem intensiven Training auch die Schule nicht zu kurz kommen. Nach den Sommerferien wird er die zehnte Klasse am MPG besuchen, als G-8–Schüler will er 2021 das Abitur machen. Weil er am Wochenende häufig nicht so viel Zeit zum Lernen hat, muss er unter der Woche um so konsequenter sein.

Seine Familie unterstützt ihn bei seinem reiseaufwendigen (Noch-)Hobby, fährt übers Wochenende mit dem Wohnmobil an den Gardasee mit. Das, so sagt sein Vater Matthias, nehme man gerne in Kauf: „Wir sind das irgendwie gewohnt. Früher waren wir oft übers Wochenende zum Skifahren gefahren.“

Matthias Räuchle ist sicher auch nicht ganz „unschuldig“ daran, dass der Filius vom Surf-Virus befallen wurde, ist er doch einst auch selbst Regatten gefahren. 2013 wollte dann auch Maxi sein Glück auf dem Brett suchen, absolute einen Surfkurs während des Gardasee-Urlaubs. Der Stein war ins Rollen gebracht: Irgendwann wurden Brett und Segel angeschafft, dann mit dem Slalom begonnen.

„Windsurfen ist eine Lebensart.“

Was fasziniert den Heidenheimer an seiner Sportart? „Windsurfen macht einfach Spaß, es ist eine Lebensart, eine technisch sehr anspruchsvolle Sportart, bei dem der ganze Körper gefordert ist. Wenn man mit 60 km/h übers Wasser fährt, erfordert das eine enorme Körperspannung.“

Auch aus Sicht seines Vaters lässt sich das Surfen auf diesem Niveau nicht mit jenen Zeiten vergleichen, als es in den Achtziger- oder Neunziger-Jahren noch Mode war, dieser Sportart an heimischen Baggerseen zu frönen: „Damals haben wir das so ein bisschen als Party-Sportart wahrgenommen, heute ist es absoluter Leistungssport, an den hohe technische Ansprüche gestellt werden.“

Wichtig: ein guter Start

Maximilian Räuchle fährt überwiegend die Disziplin Slalom, seit diesem Sommer macht er zudem Foil Racing, das 2020 olympisch sein wird. Bei dieser Art des Windsurfens schwebt das Board dank einer Tragflächentechnik über der Wasseroberfläche.

Beim Slalom wiederum geht es darum, Bojen zu umfahren. Gestartet wird in Gruppen von fünf bis acht Surfern. Der Start ist extrem wichtig. Nur wer gut reinkommt, hat die Chance aufs A-Rennen (Winner's Final). Bei der WM am Gardasee hatte Maxi Räuchle diesbezüglich etwas Pech, vor allem körperlich überlegene Starter aus Frankreich und der Türkei konnten sich hier in Szene setzen.

Demnächst geht's nun wieder an den Gardasee – zur Vorbereitung auf die EM in Kroatien. Schritt für Schritt will er sich weiterentwickeln. „Vielleicht reicht's ja unter die Top Ten“, gibt er sich zuversichtlich.

Erster Erfolg: dritter bei italienischer Meisterschaft

Nicht nur, was das Wundsurfing betrifft, geht Maximilian Räuchle außergewöhnliche sportliche Wege. Zum Ausgleich betreibt er gelegentlich auch die israelische Selbstverteidigung Krav Maga. Daneben geht er gern Skifahren.

Seine ersten großen Erfolg im Windsurfen durfte er vergangenes Jahr feiern, als er bei der italienischen Slalom-Meisterschaft als einziger deutscher Starter Platz drei belegte (U 17).

In diesem Jahr gelangen ihm folgende Platzierungen: Platz zwei beim Multivan-Windsurfcup Slalom (U 17), Platz 19 bei der IFCA-Weltmeisterschaft Slalom und deutscher Vizemeister im Slalom.

Inzwischen wird Maximilian Räuchle auch von zwei Sponsoren unterstützt, die ihm Teile der kostspieligen Ausstattung bezahlen. Das komplette Material mit mehreren Boards, Segeln, Finnen, Masten und Gabelbaum beläuft sich schnell auf ca. 30 000 Euro.

Ein Zubrot sind Preisgelder bei großen Rennen. Bei der bevorstehenden EM in Kroatien etwa werden insgesamt 10 000 Euro ausgeschüttet.

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