Dettingen/Heidenheim Adam Peller: Mit 19 Jahren plötzlich Trainer bei den Dettinger Volleyballern

Ob auf dem Feld oder der Trainerbank: Adam Peller ist enorm wichtig für die Dettinger Volleyballer.
Ob auf dem Feld oder der Trainerbank: Adam Peller ist enorm wichtig für die Dettinger Volleyballer. © Foto: Christian Thumm
Dettingen/Heidenheim / Thomas Jentscher 15.02.2018
Der TSV Dettingen findet auch in einer schwierigen Saison immer wieder Lösungen – zum Beispiel mit dem erst 19-jährigen Adam Peller als Interimscoach.

Vor bald 20 Jahren begann die Erfolgsgeschichte der Dettinger Volleyballer, die von der untersten Spielklasse zwischenzeitlich bis in die Regionalliga führte. In der laufenden Saison bläst den Schmetterkünstlern der Wind aber heftig ins Gesicht, neben Spielern verabschiedete sich auch der langjährige Trainer und die Mannschaft befindet sich im Abstiegskampf.

Am Sonntag (15 Uhr, Landkreishalle) steht das Spiel gegen den TSV Ellwangen an – ein Sieg wäre ein großer Schritt auf dem Weg zum Klassenerhalt in der Oberliga.

Schwierige Position

Für die Macher des mittlerweile unter dem Namen TSV Volley-Alb Dettingen als Spielgemeinschaft mit Heidenheim arbeitende Vereins war es nie leicht, die Truppe zusammenzuhalten und beispielsweise mit den Universitätsstädten zu konkurrieren. Immer wieder gab es Abgänge aus beruflichen Gründen oder durch Verletzungen. Als nun in der laufenden Runde Trainer Kunz zurück trat, war dies schon ein kleiner Schock.

Mit Vanni Torresi hatte man schnell einen Nachfolger, doch er musste aus beruflichen Gründen gleich wieder aufhören und auch der Sascha Fennell, ebenfalls ein ehemaliger Spieler des TSV, konnte das Amt nicht auf Dauer besetzen, hilft aber noch wo er kann. Doch die Älbler waren schon immer erfinderisch, so fand sich nun plötzlich der junge Spieler Adam Peller auf der Trainerbank wieder.

Aus der Not eine Tugend

Ein gerade erst 19-Jähriger als Coach eines Oberligisten? Das rief bei der Konkurrenz zum Teil erstaunte Blicke hervor. Aber Peller macht – das bestätigen Spieler und Verantwortliche – seine Sache ausgezeichnet. Dabei wurde aus der Not eine Tugend gemacht, denn Peller ist eigentlich als Spieler gesetzt, musste aber wegen starker Rückenbeschwerden aussetzen.

Sein Werdegang ist beispielhaft für die Arbeit des Vereins. Beim Volleyball landete er zufällig – der damals Zehnjährige war immer dabei, als seine Eltern die beiden heute noch in den Damenmannschaften der SG Volley-Alb aktiven Schwestern zum Training brachten und wurde dabei vom Trainer angesprochen.

Mit 1,95 Metern zu klein

Dieser hatte offenbar ein gutes Näschen, denn für Peller ging es sofort steil bergauf. Schnell schaffte er es in die württembergische, dann sogar in die Landesauswahl. Manchmal geht's aber auch zu schnell, denn die Trainer des Verbandes bildeten den mit zwölf Jahren schon 1,88 Meter großen Spieler zum Mittelblocker aus. „Und dafür war ich dann irgendwann zu klein“, berichtet der 1,95-Mann – man mag es kaum glauben.

Beim TSV schnupperte er schon als 13-Jähriger bei der ersten Mannschaft rein, hatte mit 15 Kurzeinsätze und ist seit drei Jahren Stammspieler. Hier agiert er auf Außen – eine Position, die ihm ohnehin besser gefällt. „Da muss alles können – Angriff, Block, Annahme.“

Der Rücken machte nicht mehr mit

Wie bei fast allen Volleyballern meldete sich auch bei Peller irgendwann der Rücken, und wie fast alle ignorierte er den Schmerz erst einmal. Vor zwei Monaten war aber die Grenze erreicht, der Besuch beim Arzt brachte Gewissheit. „Ich habe einen Bandscheibenschaden und ein Wirbel war verrutscht, am schlimmsten war jedoch die Entzündung, die einfach nicht weg gehen wollte“, berichtet Peller, der um eine Pause nicht mehr herum kam.

Ein harter Schlag für den leidenschaftlichen Sportler, der neben Volleyball auch viel Fitnessprogramm betreibt. In dieser Phase kam aus den Reihen der Mannschaft der Wunsch, er solle es doch mal als Trainer versuchen – zu diesem Zeitpunkt betreute Peller bereits die zweite Damenmannschaft der SG.

„Ich hatte ja eh nichts besseres zu tun“, sagt der junge Spieler in seiner typisch bescheidenen Art und fand sich doch schnell in der neuen Rolle zurecht. Dabei sieht er sich bis heute als Übergangslösung, will so schnell wie möglich wieder die Perspektive tauschen und auf dem Feld stehen.

Andere Perspektive

Interessant war's für ihn dennoch: „Als Spieler erfüllst du deine Aufgaben, aber als Trainer musst du die Gesamtstruktur im Blick haben, die Anforderungen sind viel breiter gefächert.“ Und warum gelingt ihm dies so gut? „Mit Michael Malik hatte ich in der Auswahl den vielleicht besten Jugendtrainer Deutschlands – ich hatte das Privileg, ihm zuhören zu dürfen.“

Nach Pause, Behandlungen und viel Arbeit mit Physiotherapeut Michael Martin geht es Peller inzwischen deutlich besser. In dieser Woche trainierte er erstmals wieder mit der Mannschaft, vielleicht reicht es am Sonntag im Spiel gegen Ellwangen sogar zu einem kurzen Einsatz.

Im Herbst geht’s zum Studium

Ein Sieg gegen den Aufsteiger wäre extrem wichtig hält, damit die Dettinger auch in der nächsten Saison in der Oberliga aufschlagen. Und dann wohl auch wieder mit Adam Peller.

Obwohl er als Auswahlspieler natürlich bei einigen Klubs Interesse erweckte und auch schon einmal ein Probetraining beim Zweitligisten Fellbach absolvierte, tendiert Peller zur Vereinstreue.

„Vom Volleyball zu leben, ist in Deutschland fast unmöglich, deshalb habe ich schon früh beschlossen, auf eine berufliche Karriere zu setzen“, sagt der 19-Jährige, der kur vor seinem Abitur steht und danach ein DH-Studium als Wirtschaftsingenieur beginnen wird. Sein Ausbildungsbetrieb ist in Bad Urach, die Duale Hochschule in Heidenheim – keine ganz schlechten Voraussetzungen.