Heidenheim „Wahnsinnsprogramm“ der Leichtathleten im Sportpark

„Der Uwe und ich“ wurde bei Hans Joachim Kosnick (rechts) und Uwe Zimmermann zum geflügelten Satz. Zusammen habe die beiden auch die württembergischen U-16-Meisterschaften am morgigen Samstag organisiert.
„Der Uwe und ich“ wurde bei Hans Joachim Kosnick (rechts) und Uwe Zimmermann zum geflügelten Satz. Zusammen habe die beiden auch die württembergischen U-16-Meisterschaften am morgigen Samstag organisiert. © Foto: Markus Brandhuber
Heidenheim / Edgar Deibert 20.07.2018
Der HSB richtet am Samstag, 21. Juli, die württembergischen U-16-Meisterschaften im Sportpark aus. Das kommt nicht von ungefähr, wie Uwe Zimmermann und Hans Joachim Kosnick verraten.

Zum Pressetermin wollte Uwe Zimmermann, der bei der HSB-Leichtathletikabteilung für Wettkämpfe und Veranstaltungen verantwortlich ist, einen Helfer mitbringen. Warum auch nicht? Schließlich ist es kein geringerer als Hans Joachim Kosnick, selbst einst Leiter der Leichtathletikabteilung. Es entwickelt sich ein Gespräch über das ehemalige Albstadion, Hundekot in der Sprunggrube und die Attraktivität des Sparkassen Sportparks.

Herr Kosnick, Herr Zimmermann, sind Sie die zwei Herren, die niemals vom Sportpark genug bekommen?

Zimmermann und Kosnick lachen.

Ist es denn so?

Hans Joachim Kosnick: Ja, so lange der Sportpark existiert, sind wir beide dabei. Und an sich schon viel, viel früher. Ich bin ab 1975 Leiter der HSB-Leichtathletikabteilung gewesen, 14 Jahre lang. Uwe Zimmermann war schon vor mir dabei.

Uwe Zimmermann: Als Athlet.

Das heißt, man kennt sich ganz gut?

Zimmermann: Schon ewig. Kosnick: Wir bekommen von der Leichtathletik, vom Albstadion und vom Sportpark nicht genug.

Es war insgesamt eine wechselhafte Geschichte?

Zimmermann: Natürlich. Es fing im Prinzip damit an, dass ich ab 2005 einer von seinen (Kosnick) Nachfolgern war als Abteilungsleiter und ich mich mit unserem Vorstand Hans Mahlau plötzlich konfrontiert sah, der mit einem Maßband aufkreuzte und sagte, er müsste mal messen wie groß ein Stadion sei. Ich dachte nur: Wieso denn das? Er hatte vor mal abzumessen, ob ein Stadion in den alten Jahnplatz reinpasst. So ging das Ganze los, dass man darüber nachdachte dem Fußball das Albstadion zu überlassen.

Nun gibt es das eine größere oder kleinere Leichtathletik-Event.

Kosnick: Ja, man muss schon sagen, da sind Meilensteine gelegt worden mit dem Sportpark, was die Möglichkeiten des Mehrkampfs betrifft. Nun kommen die zuständigen WLV-Stellen auf uns zu und sagen: Könnt ihr das und jenes nicht übernehmen? Denn das Stadion hier bietet sich ideal dafür an.

Es gibt also einen großen Zuspruch?

Zimmermann: Auf alle Fälle. Es ist ja auch so, dass wir bei der Konzeption des Sportparks nicht dagesessen sind und gewartet haben, dass es fertig wird, sondern maßgeblich darauf Einfluss genommen haben auf die Gestaltung der kompletten Wettkampfstätte. Das Leichtathletikstadion sollte für den Schulsport und die Leichtathletik, was im Prinzip das gleiche ist, von den Anforderungen her optimal sein.

Was war Ihnen zum Beispiel wichtig?

Zimmermann: Die Kugelstoßanlagen liegen hier im Sportpark in der Grünfläche. Auch die Diskus- und Hammerwurfanlagen, die standardmäßig außerhalb liegen, sind integriert. Wir mussten uns damals durchsetzen. Dementsprechend konnten wir die Anlage so gestalten, dass wir vor zwei Jahren zum Beispiel die die Deutschen Jugend-Mehrkampf-Meisterschaften ausrichten durften.

Das war aber sicher eine große Herausforderung?

Zimmermann: Ja, sie haben uns alles abverlangt. Da war alles, was wir haben, geboten. Und das kann in Baden-Württemberg kaum ein anderes Stadion. Kosnick: Das Ganze ist dann zuschauerfreundlich und nicht mehr Abseits.

Bedeutet ein attraktives Stadion auch Mehrarbeit für den HSB?

Kosnick: Ja, es sind mehr Veranstaltungen. Zimmermann: Natürlich. Wir haben ja auch schon die deutsche U-20-Mehrkampfmeisterschaften ausgerichtet. Es verpflichtet natürlich auch irgendwo das Stadion zu nutzen. Nicht nur für Kreis- und Regionalmeisterschaften. Kosnick: Der Regionalsport kommt dadurch aber nicht zu kurz.

Sind die württembergischen U-16-Meisterschaften vom Aufwand her vergleichbar mit den deutschen Mehrkampfmeisterschaften?

Kosnick: Meiner Meinung bedeutet es sogar mehr Aufwand. Zimmermann: Es ist anders. Die Mehrkampfmeisterschaften gingen über zwei Tage. Die Teilnehmer und die Starts verteilten sich somit auf die zwei Tage. Nun haben wir eine andere Art von Dichte. Bei den Mehrkampfmeisterschaften hatten wir drei Kugelstoßanlagen oder drei Hochsprunganlagen gleichzeitig im Betrieb. Bei den württembergischen Meisterschaften am Samstag ist es jeweils nur eine, aber das den ganzen Tag.

Ist es also komprimierter?

Zimmermann: Ja, so könnte man das sagen.

Wie viele Teilnehmer kommen denn?

Zimmermann: Es sind 331 Meldungen. Interessanterweise machen aber viele Athleten aus dieser Veranstaltung einen Mehrkampf.

Das heißt?

Zimmermann: 32 Athleten gehen bei vier Disziplinen an den Start. Wir haben zwei, die machen fünf Disziplinen und einen mit sechs Disziplinen. Es ist ein Wahnsinnsprogramm. Im Vergleich zur deutschen Mehrkampfmeisterschaft von vor zwei Jahren sind es sogar mehr Starts.

Wie viele sind's genau?

Zimmermann: Um die 930. Kosnick: Für die Kampfrichter wird es auch sehr anstrengend. Einer, der für Kugelstoßen eingeteilt ist, sitzt den ganzen Tag da. Zimmermann: Das stimmt. Bei vier Altersklassen, im Schnitt sind es 18 bis 19 Starter, wird das schon eintönig. Beim Mehrkampf sind Kampfrichter schon besser dran.

Wie viele Kampfrichter werden denn im Einsatz sein?

Zimmermann: Wir haben 74 Helfer, da sind Kampfrichter, Personen im Verkauf, im Wettkampfbüro oder etwa beim Start. Die Kampfrichter kommen größtenteils vom HSB und von anderen Vereinen aus dem Kreis. Es gibt aber auch Schützenhilfe von der LG Staufen. Wenn wir dann noch Bedarf haben, fragen wir beim WLV nach Hilfe an.

Wann begann denn die Vorbereitung?

Zimmermann: Im Februar.

Was muss denn dabei beachten?

Kosnick: In erster Linie geht es um den Zustand des Stadions. Zimmermann: Nach der Renovierung des Sportparks ging es um eine Bestandsaufnahme. Fehlt Sand in der Sprunggrube, ist der Sand sauber? Man muss den Zustand von den Netzen bei den Wurfanlagen beachten. Insgesamt umfassen die Punkte eine 3/4 DIN-A-Seite.

Was könnte mit dem Sand denn nicht stimmen?

Zimmermann: Da könnte sich Laub sammeln oder sogar Hundekot liegen. Wir würden gerne die Sprunggrube mit einem Netz überziehen. Vielleicht kommt es in zwei, drei Jahren.

Die württembergischen U-16-Meisterschaften am Samstag wurden ja verlegt?

Zimmermann: Der ursprüngliche Termin war der 23. Juni. Kosnick: Wir wussten nicht, wann die Bahn fertig wird. Zimmermann: Das Problem war auch, dass die restlichen Anlagen wieder drauf mussten. Kosnick: Es war ja alles abgeräumt. Das ganze Stadion war gesperrt, es war kein Sport möglich. Zimmermann: Wir hatten, das muss man auch fairerweise dazu sagen, auch personelle Probleme im Wettkampfbüro. Deswegen war es glücklicherweise so, dass wir es verlegen konnten. Da sind zwei Dinge zusammengekommen.

Was steht noch auf Ihrem Wunschzettel?

Zimmermann: Eine Beschallungsanlage. Unsere war von Beginn an ein großes Manko. Die Lautsprecher sind nur auf der Tribüne angebracht, unten im Stadion kommt nichts mehr an. Es kann also sein, dass Kampfrichter und Athleten Ansagen einfach nicht mitbekommen. Beispielsweise, ob etwas vorverlegt wird.

Fühlen Sie sich für Samstag gut aufgestellt?

Kosnick und Zimmermann: Jein. Zimmermann: Die Kampfrichter haben wir gerade so zusammenbekommen. Der Verkauf ist ein wenig das Problem. Es ist schwierig, Menschen zu finden, die ehrenamtlich den ganzen Tag mithelfen. Kosnick: Es sind über 300 Athleten. Dazu kommen Eltern oder Großeltern. Und die wollen natürlich auch betreut werden. Danach wird eine Veranstaltung auch beurteilt. Zimmermann: Das ist in den letzten Jahren ganz wichtig geworden. Die Verpflegungsleistung muss mindestens so gut sein, wie die Kampfrichterleistung.

Dabei gibt es am Samstag auch eine Premiere?

Zimmermann: Ja, wir starten mit dem Hammerwurf. Wir haben bis jetzt noch nie einen Hammerwurf ausgerichtet, innerhalb einer württembergischen Einzelmeisterschaft ist es ein Novum.

Von Lübeck nach Heidenheim: Den Schiffspropellern sei Dank

Uwe Zimmermann ist seit 1964 beim HSB. Nach dem Abitur und aufgrund diverser Verletzungen legte Zimmermann eine große Pause ein und kam erst 2003 als „Seniorensportler“ wieder dazu. Von 2005 bis 2011 war Zimmermann Leiter der Leichtathletik-Abteilung und organisierte Wettkämpfe. Seit dem Ende dieser Doppelbelastung ist der heute 57-Jährige in der Abteilungsleitung des HSB für Wettkämpfe und Veranstaltungen zuständig.

Hans Joachim Kosnick (81) kam aus beruflichen Gründen nach Heidenheim (Voith-Schneider-Propeller) und stieß 1975 zum HSB. Dabei war er nie Leichtathlet. Der gebürtige Lübecker, der früher gerudert hat, war Abteilungsleiter (1976-1990), zudem 25 Jahre stellvertretender Sportkreisvorsitzender.

Dem Vorstand der LG Staufen gehörten Zimmermann und Kosnick gemeinsam an und erarbeiteten unter anderem die Satzung.

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