Degenfechten HSB-Fechterin Nadine Stahlberg hat Olympia im Visier

En garde! HSB-Neuzugang Nadine Stahlberg beim Fotoshooting auf Schloss Hellenstein.
En garde! HSB-Neuzugang Nadine Stahlberg beim Fotoshooting auf Schloss Hellenstein. © Foto: Sabrina Balzer
Heidenheim / Von Edgar Deibert 07.09.2018
Zuletzt musste der HSB im Damenbereich namhafte Abgänge verkraften. Nun können die Heidenheimer mit Nadine Stahlberg einen Top-Neuzugang vermelden.

Mit dem Dialekt tut sie sich teilweise noch schwer. „Manchmal muss ich mich ein bisschen konzentrieren, damit ich alles verstehe“, sagt die Hessin über ihre neue Fechtheimat. Wobei, so richtig definieren lässt sich diese nicht. Seit knapp zwei Wochen trainiert Nadine Stahlberg im Fechtzentrum Heidenheim (Zimmer im Sportinternat), immer mal wieder geht's für sie aber auch nach Bonn, zudem bleibt Offenbach ihr Hauptwohnsitz.

Beim HSB ist sie offiziell seit Saisonbeginn Anfang August. Damit können die Heidenheimer wieder einen Top-Neuzugang vermelden und so auch eine Tendenz umkehren. In den vergangenen Jahren war es eher so, dass Top-Fechterinnen Heidenheim verließen, so Monica Sozanska (nun Offenbach), Alexandra Ehler und Kristin Werner (beide Leverkusen).

Bereits deutsche Meisterin

Es ist Stahlbergs erster Vereinswechsel ihrer Karriere. Ihre bislang größten Erfolge feierte die 22-Jährige als Mitglied ihres Heimatvereins FC Offenbach. Stahlberg war zuletzt die erfolgreichste deutsche Nachwuchs-Fechterin. Sie war bei den Junioren (17 bis 19 Jahre) Vize-Weltmeisterin und mit dem Team Europameisterin 2015, zudem 2016 Gesamt-Weltcupsiegerin. Im selben Jahr wurde sie deutsche Meisterin bei den Aktiven, was in der Fechterszene aber nicht so hoch gewertet wird.

Und sie durfte „als Belohnung“ für ein starkes Jahr, wie Stahlberg es ausdrückt, zur Weltmeisterschaft der Aktiven, wo sie mit der deutschen Nationalmannschaft in Leipzig Platz fünf belegte. „Für mich als junge Athletin war das ein großer Erfolg“, sagt sie, wohlwissend, dass ihre Teamkameradinnen dies nicht so sahen, da am Ende keine Medaille heraussprang.

Somit hatte sie schon als Juniorin den Sprung zu den Aktiven geschafft. Dies sei nicht immer selbstverständlich, sagt Stahlberg und fügt an, dass sie auch etwas Glück gehabt habe. Sie habe auch davon profitiert, dass etwa Britta Heidemann ihre Karriere beendete.

Früh sei klar gewesen, dass sie das nötige Talent fürs Fechten mitbrachte, erzählt Stahlberg. „Irgendwann war ich aber an dem Punkt, an dem ich mir Gedanken machen musste, ob ich den Sport auch professionell betreiben will“, erinnert sie sich und fügt an: „Ich mache es nicht halbherzig, Fechten ist nun praktisch mein Beruf.“ Dies sei vor eineinhalb Jahren gewesen.

HSB die erste Wahl

Um die Finanzierung zu sichern ist Stahlberg, wie viele andere Fechter, bei der Bundeswehr (Hauptgefreite) und wird von der Stiftung Deutsche Sporthilfe unterstützt. Zudem fing sie ein Fernstudium der Betriebswirtschaftslehre an der Internationalen Hochschule (IUBH) an. Darüber hinaus schaute sich Stahlberg nach einem neuen Verein um, denn in Offenbach seien die Trainingsmöglichkeiten nicht optimal. Der HSB sei dabei ihre erste Wahl gewesen. „Ich habe nie über einen anderen Verein nachgedacht“, betont Stahlberg.

Dies könnte den einen oder anderen verwundern, denn Bayer 04 Leverkusen lief zuletzt dem HSB den Rang ab, was Damendegen betrifft. Doch Stahlberg hebt das Gesamtpaket hervor. „In Heidenheim habe ich mit drei Vereinstrainern (Hans-Jürgen Hauch, Piotr Sozanski und Philipp Stein) perfekte Trainingsmöglichkeiten und ein familiäres Umfeld.“ Ihr sei es wichtig, dass sie einen persönlichen Trainer habe, der sich um sie kümmert. „In Leverkusen hätte ich keinen gehabt“, sagt Stahlberg. Dort trainiert zwar Bundestrainer Manfred Kaspar, der sei aber eben für alle Fechterinnen zuständig. „Ich bin eine Fechterin, die braucht es, dass ein Trainer an der Bahn steht. So fühle ich mich besser“, erklärt Stahlberg.

Zudem habe der Wechsel nicht nur mit Fechten zu tun gehabt. Es müsse auch privat passen. Beim HSB kennt Stahlberg Anna Hornischer und Vanessa Riedmüller sehr gut, schließlich fechten die drei im Team seit der A-Jugend zusammen, waren bei Welt- und Europameisterschaften.

Zukunft gehört dem HSB?

Dazu kommen Sophia Weitbrecht und Anna Jonas (beide ehemals Frankfurt). Die Perspektive beim HSB stimme einfach: „Wir sind ein junges Team und ich glaube, dass wir die Zukunft für die Nationalmannschaft sein können“, drückt Stahlberg ihre Hoffnung aus, dass sich die HSBlerinnen so weiterentwickeln, dass sie nach den Olympischen Spielen 2020 in Tokio aus dem Nationalteam nicht mehr wegzudenken sind.

Dass der Degensport in Deutschland nicht zu vergleichen ist mit den Jahren zuvor, ist natürlich auch Stahlberg bewusst. Zuletzt gab es bei der Weltmeisterschaft in China keine einzige Medaille für den Deutschen Fechterbund. Stahlberg vermisst speziell bei den Degenfechterinnen die Breite, zudem fehlten viele Jahrgänge. So gehören Monika Sozanska (35), Alexandra Ndolo (32), Beate Christmann (33) und Alexandra Ehler (23) zuletzt dem Nationalteam an. Die altersmäßige Lücke könnte zu groß sein, vermutet Stahlberg und hofft, dass sie mit den Fechtern ihrer Generation etwas aufbauen kann.

Rückkehr nach Verletzungspause

Stahlberg selbst verletzte sich im vergangenen Jahr (Sehnenscheidenentzündung am Fuß) und legte nach der WM in Leipzig eine viermonatige Pause. Im Dezember 2017 stieg sie wieder ins Training ein und nutzte den Rest der Saison, um wieder reinzufinden, wie sie sagt und fügt an: „Ich will diese Saison wieder voll durchstarten.“ Dabei weiß sie, dass man nicht direkt erwarten könne, dass man so ficht wie vorher, sagt aber: „Ich bin guter Dinge und fühle mich super fit.“

Angriffslustig auf der Fechtbahn

Ihr Ziel ist dabei klar: „Ich möchte wieder in der Nationalmannschaft fechten. Wenn nicht dieses Jahr, dann im nächsten“, so Stahlberg. Und die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2020 in Japan hat sie auch noch nicht abgeschrieben. „Das wäre schön. Aber ich weiß auch, dass ich noch sehr jung bin. Meine Zeit kommt auf jeden Fall noch.“

Über ihre sportlichen Ziele spricht sie offensiv, so wie sie auch als Fechterin bei Wettkämpfen ist: Degen sei zwar eigentlich eine passive Waffe, bei der es eher ums Taktieren gehe, sie selbst sei aber sehr angriffslustig, sagt Stahlberg. „Mir wird sehr schwer langweilig auf der Bahn. Ich greife sehr gerne an und riskiere etwas. Das ist mein Markenzeichen. Man muss sich auch etwas trauen.“

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