Görlitz „Ich bin froh über jede Dopingkontrolle“

War bei der Senioren-DM in Görlitz wieder schnell unterwegs: Markus Westhäuser gewann dieses Mal die Bronzemedaille.
War bei der Senioren-DM in Görlitz wieder schnell unterwegs: Markus Westhäuser gewann dieses Mal die Bronzemedaille. © Foto: privat
Görlitz / Edgar Deibert 10.07.2018
Nach dem Titel im Vorjahr freut sich Markus Westhäuser (Bike-o-Rado) dieses Mal über Bronze bei der deutschen Senioren-Meisterschaft in Görlitz.

Einer gegen den Rest. So könnte man die Ausgangslage von Markus Westhäuser vom Schnaitheimer Team Bike-o-Rado bei der deutschen Rennrad-Meisterschaft der Senioren (40- bis 50-Jährige) in Görlitz beschreiben. Der Küpfendorfer ist nämlich ein Alleinkämpfer, während andere Mannschaften aus sechs bis sieben Fahrern bestehen. „Die können dann im Windschatten fahren oder aber das Tempo verschleppen“, erklärt Westhäuser.

Auf sich allein gestellt zu sein, sei für ihn allerdings kein Problem – auch wenn die Konkurrenz besser taktieren kann. Und so ging er auch dieses Mal optimistisch auf die 121 Kilometer lange Strecke, die in sieben Runden unterteilt war. „Ich hatte hart trainiert und habe mich körperlich sogar etwas besser gefühlt als im Vorjahr“, sagt Westhäuser.

Etwas hatte sich allerdings entscheidend geändert. Während Westhäuser bei seinem Sieg im vergangenen Jahr ein Überraschungserfolg gelungen ist, stand er in diesem im Fokus. „Im Vorjahr war ich quasi ein No-name, nun rückten mir alle auf die Pelle. Es erwarten dann alle, dass man den Hintern lupft“, sagt Westhäuser. Soll heißen: Die Erwartung, dass der Titelverteidiger Tempo macht, ist groß.

Bereits in der zweiten Runde gelang es neun Fahrern, darunter Westhäuser, sich vom restlichen Feld entscheidend abzusetzen und Runde um Runde den Vorsprung auszubauen. In der letzten Runde hatte sich die Spitzengruppe auf vier Fahrer verkleinert. Im Zielsprint hatte Westhäuser diesmal die schlechtere Ausgangsposition und gewann mit nur zwei Sekunden Rückstand die Bronzemedaille. Erster wurde der ehemalige Radprofi Michael Kopf.

Bloß nicht zu verbissen sein

„Es war ein Hammererlebnis, ich bin mehr als zu zufrieden“, freute sich Westhäuser über den dritten Platz. „Zu Platz zwei haben mir zwei Sekunden gefehlt. Das sind vielleicht zwei Nasenlängen.“ Bei ihm stehe der Spaß im Vordergrund. „Andere gehen da ziemlich verbissen an die Sache ran.“

Fast ohne Taktik gehe es dagegen beim Mountainbike, Westhäusers Lieblingsdisziplin. „Da kann ich auf die Pedalen drücken und bin weg“, umschreibt der 46-Jährige das Gefühl. „Hier kommt die eigene Kraft und das eigene Leistungsvermögen besser zum tragen.“

So ging Westhäuser nur eine Woche zuvor mit dem Mountainbike in Pfronten auf die Extremstecke über 76 km (2600 Höhenmeter). Bereits am ersten Anstieg konnte sich Westhäuser mit Matthias Alberti entscheidend vom restlichen Fahrerfeld lösen. Am zweiten Berg musste er den zwölf Jahre jüngeren Konkurrenten aber ziehen lassen. Am Ende belegte Westhäuser mit fünf Minuten Rückstand Platz zwei, was in seiner Altersklasse mit 20 Minuten Vorsprung Rang eins bedeutete.

Auch in Nattheim am Start

Beim Mountainbike-Marathon in Nattheim gibt's am kommenden Samstag ein Wiedersehen (Beginn um 15 Uhr). Doch auch hier sieht Westhäuser den jüngeren Alberti klar in der Favoritenrolle. Westhäuser weiß dabei noch nicht, ob er die Mittel- (50 km) oder die Langdistanz (75 km) absolvieren wird.

Auf jeden Fall nimmt er das Rennen als Vorbereitung auf die deutsche Meisterschaft im Cross-Country eine Woche drauf in St. Ingbert wahr. Dabei wagt er sich zwar auf neues Terrain. Doch auch hier ist sein Ziel klar: „Ich möchte abräumen und möglichst das Meistertrikot mit nach Hause nehmen. Ob das klappt, weiß ich zwar nicht, aber ich werde meine Hausaufgaben machen und alles geben.“

Froh über jede Dopingkontrolle

Manchen Athleten reicht dies aber nicht und sie helfen nach. Das Thema Doping ist im Radsport daher ein großes Thema. Westhäuser selbst wurde bereits mit Dopingvorwürfen konfrontiert. „Manche können es nicht wahrhaben, dass ich in dem Alter diese Leistung bringe. Daher bin ich froh um jede Dopingkontrolle, die ich machen kann.“ Er finde es schlichtweg „super“, dass es regelmäßige Kontrollen gebe. Zuletzt sei Westhäuser im Juni bei der deutschen Meisterschaft im Mountainbike in Kirchzarten, wo er seinen Titel verteidigt hat, kontrolliert worden.

Nach dem Zieleinlauf sei er von offiziellen Kommissären abgefangen worden – so wie auch der Zweit- und Drittplatzierte – und habe beim zuständigen Arzt Blut- Urinproben abgeben müssen. „Ich bin sauber“, betont Westhäuser. Jedes Jahr werde er mindestens einmal kontrolliert, manchmal per Losverfahren. Zuletzt habe er von einem Fall mitbekommen, bei dem die Dopingprobe eines Seniors (50 bis 60 Jahre) positiv ausgefallen sei. „Schlimm, dass es so was gibt“, betont Westhäuser.

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