Heidenheim / Edgar Deibert Wolfgang Schaller und Cedric Jung vom SV 04 Heidenheim sind Torhüter bei einer der härtesten Sportarten und erzählen von Ohrenschutz, reißfesten Badehosen und kurzen Fingernägeln. Zudem gibt’s ein Video vom Trainingsbesuch.

Zimperlich darf man bei dieser Sportart wahrlich nicht sein. Beim Wasserball wird mit allen Mitteln gekämpft – auch unter der Gürtellinie. Heidenheims Stammtorhüter Wolfgang Schaller (56) ist dennoch von der kraftraubenden Sportart im kühlen Nass fasziniert. Ähnlich sieht es auch Nachwuchskeeper Cedric Jung (16).

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Warum überhaupt Wasserball? Ist Schwimmen zu langweilig?

Schaller: Ja. Ich habe mit elf Jahren angefangen mit Schwimmen. Zwischenzeitlich war ich fünfmal die Woche im Training. Und das war irgendwann einmal zu langweilig. Dann kam ich in Kontakt mit Wasserballern. Man konnte weiter schwimmen und das Schwimmen war gut für Wasserball. Und die Gemeinschaft bei den Wasserballern ist eine Andere.

Muss man für Wasserball aus einem speziellen Holz geschnitzt sein?

Schaller: Nein, das kann jeder versuchen. Bloß, wir hatten schon viele, die gekommen sind. Und sehr viele, die auch wieder gegangen sind. Es bleiben die wenigsten.

Aus welchem Grund?

Schaller: Weil sie merken, dass es eine ganz andere Sportart ist. Jeder, der laufen kann, hat eine Voraussetzung für Handball, Fußball oder Basketball.

Und Schwimmen allein reicht für Wasserball nicht?

Schaller: Es geht speziell um die Geschwindigkeit. Man sollte die 100 Meter um eine Minute herum schwimmen. Und wir sind permanent im Wasser. Das Spiel dauert eine Stunde und wenn kein Tor fällt, habe ich kaum eine Möglichkeit zu wechseln. Es kann also sein, dass man fünf Minuten am hin- und herschwimmen ist. Und das mit wechselnder Belastung. Ein 1500-Meter-Schwimmer ist vielleicht auch so lange im Wasser. Aber bei gleichbleibender Belastung.

Wie ist es denn vor den Spielen, geht's erst zur Maniküre?

Schaller: Naja, die Fingernägel müssen kurz sein. Bis vor einigen Jahren wurden die Fingernägel von den Schiedsrichtern kontrolliert. Jetzt ist es aber nicht mehr so. Wenn es aber nachträglich festgestellt wird, wird der betreffende Spieler ausgeschlossen und kann zuschauen.

Wasserball ist insgesamt betrachtet eine sehr athletische Sportart?

Schaller: Wegen des Wassers muss man ganz andere Muskelgruppen trainieren. Bei uns waren schon mal Handballer, die in ihrer Vorbereitung das Training mitgemacht haben. Sie hatten Muskelkater an Muskeln, von denen sie gar nicht wussten, dass es sie gibt. Es ist halt eine ganz andere Sportart.

Welche Muskeln werden denn am meisten beansprucht?

Schaller: Beine und Oberschenkel, weil ich versuchen muss über Wasser zu bleiben.

Muss man besonders dicke Oberschenkel haben, um möglichst weit aus dem Wasser zu kommen?

Schaller: Nein, das wäre schon wieder kontraproduktiv. Aber ein Spieler muss mit seinen Beinen, hauptsächlich aus seinen Oberschenkeln raus, den Auftrieb hinkriegen. Eine stramme Beinmuskulatur ist das A und O. Und dann kann er sich noch mit den Händen aus dem Wasser abdrücken. Krafttraining machen aber die wenigsten.

Wie hart ist Wasserball?

Jung: Es ist Schon eine der härtesten Sportarten. In meiner Klasse haben die meisten schon Respekt vor Wasserball. Schaller: Es geht körperlich richtig zur Sache. Direkt vor dem Tor tut's auch mal richtig weh.

Dabei gibt es auch eine Schutzausrüstung?

Schaller: Es gibt eine Badekappe mit Ohrenschutz.

Und einen Tiefschutz?

Schaller: Ja, ich kenne nur wenige, die ohne spielen. Aber als Torwart generell nicht.

Und damals als Feldspieler?

Schaller: Es kam auf die Mannschaften an. Es gab welche, da hast du gewusst, dass es salopp formuliert, eins auf die Eier gibt.

Woraus sind denn die Badehosen?

Schaller: Aus einem speziellen und reißfesten Stoff.

Bei anderen Sportarten gibt es immer einen armen Tropf, der alle dreckigen Trikots waschen muss. Beim Wasserball entfällt das ja?

Schaller: Ich nehme die nassen Kappen zum Trocknen mit . . .

Wie ist es unterm Wasser? Wird da auch mal an den Achselhaaren gezogen oder in die Brustwarzen gekniffen?

Schaller: Ja, aber es ist glaube ich bei den Männern weniger als bei den Frauen. Wenn man da Videos bei Youtube anguckt . . .

Weil sich ja vieles unter Wasser abspielt: Wie attraktiv ist Wasserball für die Zuschauer?

Schaller: Das ist eine schwierige Frage. Es werden ständig Regeln geändert, um den Wasserballsport für die Zuschauer auch fernsehtechnisch aufzubereiten. Das gelingt aber nur kaum, weil die Regeln so kompliziert sind. Ein Zuschauer, der ein Spiel zum ersten Mal sieht, kommt wahrscheinlich gar nicht mit, warum etwas abgepfiffen wird.

Was dürfen Torhüter, was andere Spieler nicht dürfen?

Jung: Die dürfen im Gegensatz zu den Feldspielern mit beiden Händen an den Ball. Schaller: Das ist der einzige Unterschied.

Wie schnell werden die Bälle beim Werfen?

Jung: Die werden sehr schnell. Manchmal sehe ich den Ball kaum, so schnell kommt er aufs Tor. Dann kann ich die Ecke nur vermuten.

Kommt es auch zu Verletzungen bei den Torhütern?

Schaller: Es geht viel auf die Finger, dass die Sehnen überdehnt werden. Das ist mir schon ein paar Mal passiert. Jung: Manchmal bekommt man den Ball an den Kopf. Aber dafür haben wir ja die Kappen mit dem Ohrenschutz.

Was kann ein junger Torhüter von einem erfahrenen lernen?

Jung: Ich glaube, eigentlich alles. Ich kann immer noch viel lernen.

Und umgekehrt?

Schaller: Auch mal wieder die Unbefangenheit der Jugend. Und das Torwartspiel hat sich insgesamt geändert. Es ist dynamischer geworden, der Torwart muss mehr mitspielen und auch schneller rauskommen, wenn ein Ball vom Angreifer zu weit vorgelegt wird.

Wie ist das Leistungsniveau in der Verbandsliga, in der Heidenheim spielt, einzuschätzen?

Schaller: Die Verbandsliga war mit Sicherheit schon mal stärker. Aber für uns ist es das richtige Niveau. Auch für die jungen Spieler. Und jetzt schauen wir mal, wie es mit unseren Neuzugängen klappt.

Und was ist das Saisonziel?

Schaller: Gesicherter Mittelfeldplatz. Also ein Platz zwischen vier und sechs.

Was hat sich unter dem neuen Trainer Patrick Hoyer geändert?

Schaller: Er bringt neue Ideen ins Training. Und er macht Übungen, bei denen man am Anfang gar nicht so mitkriegt, wie intensiv die sind. Das merkt man dann erst, wenn man aus dem Wasser rausgeht und denkt: Respekt, es zwickt und tut weh. Und man hat Muskelkater. Das sind so versteckte Kleinigkeiten. Und natürlich bringt er neue Spielsysteme rein. Jung: Unter ihm ist das Training deutlich härter geworden. Ich spüre es oft am nächsten Tag. Dann tun die Beine auch schon mal weh.

Ist der neue Coach also ein Schleifer?

Schaller: Nein, er zieht aber sein Training konsequent durch. Er weiß, was gut ist, er hat es ja jahrelang selbst auf hohem Niveau mitgemacht. Das bringt er jetzt bei uns ein. Und die Spieler nehmen es Gott sei Dank an. Man merkt es nach und nach. Wir werden besser.

Nun stehen zwei Heimspiele innerhalb weniger Tage an . . .

Schaller: Am Samstag gegen Kirchheim möchten wir mit einem Sieg aus dem Wasser gehen. Die haben wir letztes Jahr zu Hause ohne die Neuzugänge geschlagen. Am Donnerstag gegen den Tabellenzweiten Stuttgart wird es wesentlich schwieriger.