Heidenheim 15 Meter mit dem Kajak in die Tiefe

Heidenheim / Patrick Vetter 09.08.2018
Der Heidenheimer Kajakfahrer Stefan Finsinger nahm in Island zahlreiche Wasserfälle und schweres Wildwasser unter den Kiel. Drei Erstbefahrungen waren dabei.

Wasserfälle von mehreren Metern Höhe standen auf der Tagesordnung, als der Heidenheimer Paddler Stefan Finsinger zusammen mit drei Mitstreitern und ihren Wildwasserkajaks nach Island reiste. Drei Wochen waren die Extrempaddler unterwegs um so viele Wasserfälle wie möglich zu befahren.

Die Idee führ die Unternehmung kam von Martin Kaltenbach aus Bad Tölz, der das Team aus Stefan Finsinger, Christian Boczkaja und Robert Machazek zusammenstellte. „Die Gruppe war sensationell. Es hat gut gepasst und das ist wichtig, wenn man zusammen in der Natur unterwegs ist“, sagte Finsinger.

Um die Unternehmung zu finanzieren, suchten die Sportler sich im Vorfeld Sponsoren. So bekamen sie Rabatte auf die Kajaks selbst und Teile der Ausrüstung wurden ihnen gestellt. Im Herbst werden die vier dafür in Deutschland und Österreich Filmvorträge halten. Stefan Finsinger wird auch in Heidenheim von seinen Erlebnissen berichten.

Über den Luftweg kamen die vier Boote samt Paddlern in der Hauptstadt der Insel, in Reykjavik, an. Von dort aus starteten sie ihre Rundtour. Von der Ringstraße, auf der man Island umrunden kann, machten sie Abstecher zu den teils abgelegenen Bächen und Flüssen. „Wir haben die Route an den Highlights ausgerichtet“, erzählt Finsinger.

Jeden Tag Wildwasser und Wasserfälle

Dazu gehörte auch der über 15Meter hohe Wasserfall Godafoss, der nicht viel niedrigere Aldeyjafoss sowie die Flüsse Kaldua und Fossa. Auch neben diesen Strecken nahm sich das Team jeden Tag Wildwasstücke der schwersten Kategorie vor. „Das Befahren der vielen Wasserfälle ist eine ganz eigene Form des Kajakfahrens. Alles hängt von dem letzten Paddelschlag an der Wasserkante ab“, sagt Finsinger zu den ungewohnten Flussverläufen.

Im Gegensatz zu den verblockten Gebirgsbächen der Alpen fließt das Wasser in Island in kantigen Lavagesteinsrinnen bergab, die sehr viele hohe Stufen entstehen lassen. „An manchen Tagen war es interessanter die Höhenmeter zu zählen, als die gefahrene Strecke abzumessen“, so Finsinger. Nicht jedes Kajak hält solchen Bedingungen stand. Die Gruppe musste mit sogenannten Creek-Booten fahren. Das sind stabile Kajaks mit besonders großem Volumen.

Zwei Kajaks wurden schwer beschädigt

Die ungewohnten Begebenheiten bargen aber natürlich Gefahren. Zwei der Kajaks wurden auf der Reise schwer beschädigt und auch Finsinger selbst kam an seine Grenzen. In einem unachtsamen Moment geriet er unter einen unterspülten Felsen. „Ich stand noch nie so kurz davor, panisch zu werden“, gibt der Extrempaddler zu.

Aus eigener Kraft konnte er sich nicht befreien. Nur Kopf und Oberkörper schauten unter dem Stein hervor und waren über Wasser. Seine Paddelkollegen schafften es schließlich das Boot mit Fußtritten freizurütteln. „Eigentlich war das gar keine schwierige Stelle“, erinnert sich Finsinger.

Mit einer Drohne erkundet

Trotz solcher Erlebnisse wurde die Tour fortgesetzt und zwei Flussabschnitte sowie ein Wasserfall sogar erstbefahren. Im Gespräch mit lokalen Kanuten sammelten die Deutschen Informationen zu den Bächen und fanden heraus, was möglich ist und was nicht. „Außerdem hatten wir eine Drohne, mit der wir das Gelände um uns herum erkunden konnten“, erklärt Finsinger.

Die Boote wurden kilometerweit getragen

Auf den Luftbildern schauten sich die Paddler den Fluss von oben an und suchten nach schwierigen Schlüsselstellen. Sah ein Flussabschnitt vielversprechend und fahrbar aus, schnallte sich die Gruppe ihre Boote mit Tragegurten auf den Rücken und marschierte Querfeldein. Einmal trugen sie das Equipment über fünf Kilometer zu einer Stelle, an der die Boote zu Wasser gelassen werden konnten.

„Diese Pionierarbeiten in unwegsamem Gelände kosteten viel Zeit und Schweiß“, erinnert sich der Heidenheimer. Trotzdem habe sich alles gelohnt. Aus sportlicher Sicht ist Stefan Finsinger voll auf zufrieden mit der Expedition durch Island.

Die Paddelkarriere des Wildwasserfahrers begann schon mit neun Jahren.

Stefan Finsinger ist Physiotherapeut in Heidenheim. Mit seiner Freundin lebt der 39-Jährige in Mergelstetten. Schon mit neun Jahren fing Finsinger mit dem Kajakfahren an und ist seit dem Mitglied im Faltbootclub Heidenheim.

Nach einer Grundausbildung im Paddeln zog es ihn, sobald er 16 Jahre alt war, auf schweres Wildwasser. Etwas später machte er auch eine Kanulehrerausbildung. Heute gibt es er sein Können an junge Vereinspaddler weiter.

Highlights seiner Paddelkarriere waren die Befahrung des Rheinfalls bei Schaffhausen, des Humla Karnali in Nepal, des Sambesi in Zimbabwe und ein achter Platz bei der „Sickline“ Wildwasser-WM im Ötztal 2010.

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