Überlegen musste Martin Strobel nach dem Anruf von Bundestrainer Christian Prokop nicht lange – kehrte nach mehrmonatiger Pause in die deutsche Handball-Nationalmannschaft zurück und spielt nun die Weltmeisterschaften.

Er sei schon überrascht gewesen, gesteht der Balinger Kapitän ein – als Anfang Oktober die Anfrage kam. „Ich habe mich mit ihm (Prokop, Anm. d. Red.) unterhalten und war froh, den ersten Lehrgang überhaupt mitzumachen“, erklärt der Europameister und Olympia-Dritte von 2016 vor dem finalen Lehrgang mit der DHB-Auswahl in Hamburg, „unter den 18 Kandidaten für den WM-Kader zu stehen, ist schön. Mal schauen, wie zum Turnieranfang die Nominierung aussieht . . .“

Nach dem Härtetest gegen die Tschechen am Freitagnachmittag in Hannover (Endstand: 32:24) hat Prokop das 16-Mann-Aufgebot für die Weltmeisterschaften vom 10. bis 27. Januar in Deutschland und Dänemark bekannt gegeben. Bei der Entscheidung, dass Tim Suton (TBV Lemgo) und Tobias Reichmann (MT Melsungen) zu Hause bleiben müssen, waren laut Prokop neben der Leistung auch taktische Überlegungen wie die doppelte oder gar dreifache Besetzung einer Position ausschlaggebend.

Dass der Zweitliga-Spieler aus der Kreisstadt dabei ist, mag nach der langen internationalen Pause viel-leicht überraschen – und ist dennoch wichtig und richtig nach dem schwachen Auftritt der Deutschen bei der EM 2018 in Kroatien. Der Bundestrainer hat aus dem zum Ende hin desaströsen Auftritt einige Lehren gezogen. So tausche er sich jetzt viel öfter mit den erfahrenen Spielern aus, „ob das nun ein taktischer Abgleich ist oder ein Stimmungsfeedback“, so Prokop weiter.

Just zu den arrivierten Akteuren zählt auch der HBW-Regisseur (141 Länderspiele), welcher bereits 2007 in Stuttgart gegen Portugal im Nationalteam debütierte. Dennoch bleibt der 32-Jährige bescheiden. „Wichtig ist, dass jeder seine Aufgabe kennt“, betont Strobel und fügt hinzu: „Jeder muss wissen, was seine eigene Rolle ist. Bei mir ist es so, dass ich da bin, um vor allem in gewissen Phasen vielleicht Struktur und Ruhe reinzubringen. Und so werde ich mein Spiel in die Mannschaft einbringen.“

Und genau dies ist der Ansatz von Prokop, welcher keine „klare erste Sieben“ benennt, die Stärke des Kaders sei die Breite. Abgesehen von Keeper Andreas Wolff vom THW Kiel, auf den sich der 40-Jährige vor Kurzem als Nummer eins festgelegt hatte, werde es keine feste Startformation geben. „Wir haben immer betont, dass wir über die Breite kommen werden. Das ist das große Plus der deutschen Handball-Nationalmannschaft“, so Prokop weiter.

Er ergänzt: „Eine feste Stammformation ist auch gar nicht nötig. Wir müssen es packen, die Stärken zusammenwerfen. Wenn wir uns die Spielanteile gönnen und uns auch gönnen, gegenseitig anzufangen, dann sind wir im Gesamtpaket sehr gut unterwegs. Schaffen wir das nicht und sind unzufrieden mit den Sachen, dann wird es keine erfolgreiche WM."

Bei dieser visiert er die Medaillenspiele an. „Hauptziel ist das Erreichen des Halbfinales. Das wäre ein Riesenerfolg, weil wir Mannschaften wie Kroatien, Russland, Frankreich und Spanien hinter uns lassen müssen“, sagt Prokop im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (kurz: SID): „Dafür brauchen wir mentale und spielerische, aber auch charakterliche Top-Leistungen.“ Wie die von Martin Strobel, welcher gegen die Tschechen lange Einsatzzeiten bekam, klug Regie führte und zwei Tore warf.

DHB-Auftakt gegen Korea

Berlin/Köln. Nach dem Auftakt gegen Team Korea am kommenden Donnerstag geht es für das DHB-Team am 12. Januar gegen Brasilien, zwei Tage später gegen Russland. Am 15. Januar folgt das Duell mit Frankreich, ehe Serbien (17. Januar) der letzte Gegner der ersten Gruppenphase ist. Alle fünf Begegnungen steigen in Ber-lin. Sollte die deutsche Mannschaft weiterkommen, stellt der Spielplan sicher, dass sie ihre Partien der Hauptrunde in Köln austragen würde.

  • teilen
  • tweet