Die „Gallier von der Alb“ dominieren die 2. Bundesliga. Im Topspiel deklassierte der HBW die drittplatzierte HSG Nordhorn-Lingen in der ausverkauften SparkassenArena. Bereits kurz nach der Pause machten die Schwaben den Deckel drauf.

Es gab keine zwei Meinungen nach dem souveränen 30:24-Sieg der Kreisstädter. Defensiv unglaublich stabil und im Angriff grundsolide präsentierte sich das Team von Trainer Jens Bürkle – und distanzierte den Verfolger deutlich.

Mehr geht im Unterhaus nicht: Vor voller Hütte forderte der Verfolger aus dem Südwestens Niedersachsen den schwäbischen Spitzenreiter. Die Grafschafter, welche stark ersatzgeschwächt ins Topspiel gingen, taten sich von Beginn an schwer.

Die ersten drei HSG-Torwürfe landeten im Balinger Block – und der Primus führte nach Toren von Tim Nothdurft und Lukas Saueressig mit 2:0 (3. Minute). Vergebens versuchte Georg Pöhle der Partie eine Wende zu geben.

Auch die nächsten Versuche der Gäste blieben erfolglos. Lasse Seidel erzielte schließlich den ersten Gästetreffer (1:3/ 5.). René Zobel konservierte den Drei-Tore-Vorteil des Tabellenführers, wuchte die Kugel in den Winkel.

Heiner Bültmann sah Gesprächsbedarf, zückte früh die grüne Karte (7.). Ohne Erfolg. Lutz Hejny zog die nächste Fahrkarte und der HBW weiter davon: auf 5:1 nach einem Siebenmetertor von Oddur Gretarsson.

„Wir sind ganz schwer ins Spiel reingekommen, haben im Angriff keine Lösungen gefunden“, findet der 47-Jährige. Er räumt unumwunden ein: „Balingen hat uns in den ersten Minuten überpowert“. Nur langsam habe sein Team „ein bisschen Zugriff bekommen“, so Bültmann weiter.

In dieser Phase nahmen die Niedersachsen ganz clever das Tempo raus, spielten nun lange Angriffe. In Überzahl verkürzte die HSG – und kam nach einem Leenders-Treffer schließlich wieder heran (4:6/14.). Mehr aber auch. Konsequent sorgten die Kreisstädter wieder für klare Verhältnisse auf der Platte.

Richtig rund lief es für die Balinger jedoch nicht. Im stehenden Angriff fanden die „Gallier von der Alb“ gegen die wuchtige Defensive der Gäste keine Mittel. Aus dem Rückraum kamen kaum Impulse und auch das Zusammenspiel mit den Außen und dem Kreis klappte nicht.

Als Bart Ravensbergen einen Zobel-Wurf parierte, blieben die Niedersachsen in Schlagdistanz (14:11). „Wir hatten vielleicht den einen oder anderen kleinen Hänger“, gesteht Balingens Jannik Hausmann ein, „aber ansonsten kann man heute wirklich nicht meckern. Jeder hat seinen Job gemacht.“

Nach Wiederanpfiff das gleiche Bild. „Der Start in die zweite Halbzeit war gelinde gesagt unglücklich, wir kriegen einen 5:0-Lauf gegen uns und dann die – ich sage mal vorsichtig – umstrittene Rote Karte von Georg Pöhle in der 32. Minute“, hadert Bültmann. Ohnehin im Rückraum dezimiert, fehlten dem HSG-Kommandogeber die Alternativen.

Keeper Bozic wird zum Faktor

Aus der Nahdistanz wurde HBW-Torhüter Vladimir Bozic immer mehr zum Faktor, nahm den Grafschaftern drei Freie in Folge weg. 18:12 führte der HBW nach 35 Minuten. Nordhorn fand offensiv nicht mehr statt und wackelte auch in der Verteidigung. Früh machten es die Schwaben zweistellig: beim 24:14 (43.). Einen Ballverlust veredelte Nothdurft per Konter.

Die Schlussviertelstunde verlief weniger spektakulär. Souverän konservierten die Schwaben die klare Führung, ließen jedoch die eine oder andere Tormöglichkeit liegen. „Eine ganz große Leistung von der ganzen Truppe“, betont HBW-Coach Jens Bürkle, „aus der Jona Schoch und Lukas Saueressig ein bisschen herausgeragt haben.“

Bereits in den ersten 17 Minuten habe seine Mannschaft mit sechs Kontertoren den entscheidenden Schritt gemacht, urteilt der Sportwissenschaftler. Er ergänzt: „So kamen wir mit einem guten Gefühl rein. Die zweite Halbzeit verlief ähnlich und wir haben recht schnell auch das Spiel für uns entschieden.“

Nach dem saisonübergreifend 21. Heimsieg in Serie haben die Schwaben (42:8 Punkte) nun sechs Zähler Vorsprung auf die drittplatzierte HSG – einzig der HSC Coburg (39:11) bleibt dran.