Bereits bei ihrem ersten Weltcuprennen in der Elite-Klasse, Anfang Mai in Albstadt, hatte Ronja Eibl mit sich selbst zu kämpfen. Auch bei der dritten Station der Saison in Leogang lief es am Wochenende nicht wie gewünscht.
Völlig erschöpft lehnte sich Eibl im Sitzen an die Absperrgitter im Zielraum. Gerade hatte die Lokalmatadorin im „Bullentäle“ ihr erstes Cross-Country-Weltcuprennen in der Damen-Konkurrenz absolviert – und als 22. beendet. Nach einem guten Start wurde die Grosselfingerin nach hinten durchgereicht. „Ich hatte dann einfach Probleme mit dem Kreislauf“, erklärte Eibl damals. „Mir wurde es extrem heiß und ich hatte im ganzen Körper ein komisches Kribbeln.“

Nicht hundertprozentig fit gefühlt

In der Folge hatte die 21-Jährige auch mit einem Infekt zu kämpfen, startete aber dennoch eine Woche später beim Mountainbike-Weltcup in Nove Mesto. Mit Rang 18 zeigte sich Eibl „unter den gegebenen Umständen“ zufrieden. „Ich habe mich nicht hundertprozentig fit gefühlt und die Tage zuvor nicht so gut geschlafen.“
Immerhin: Die Grosselfingerin war in beiden Rennen beste Deutsche und hatte sich damit in eine gute Ausgangslage für die Ticketvergabe hinsichtlich der Olympischen Spiele in Tokio gebracht. Nach einer dreiwöchigen Pause setzte es bei den deutschen Meisterschaften – sieben Tage vor dem Auftritt in Leogang – den nächsten kleinen Rückschlag. Eibl stürzte, musste sich mit Rang zwei hinter Leonie Daubermann zufriedengeben und machte aus ihrer Enttäuschung keinen Hehl.

In Leongang wurde es dann besser

Im österreichischen Leogang sollte es nun besser werden. Auf dem WM-Kurs des Vorjahres strebte die 21-Jährige eine erneute Steigerung an. Und zumindest im Short-Track-Rennen am vergangenen Freitag konnte Eibl überzeugen. Das Mountainbike-Talent von der Schwäbischen Alb kam als Zehnte ins Ziel. „Ich denke, ich habe mir das Rennen einfach gut eingeteilt, da sehr viele Fahrerinnen nach zwei Runden bereits deutlich zurückgefallen sind“, berichtet die Grosselfingerin. „Außerdem kam mir dieses Mal auch zugute, dass die Strecke sehr breit war und man gut überholen konnte.“
Am Sonntag startete Eibl so hoch motiviert in die olympische Cross-Country-Disziplin. Doch dann streikte erneut der Körper. „Ich hatte ab Mitte des Rennens Bauchschmerzen und musste einige Plätze hergeben, die ich in der letzten Runde, in der es wieder lief, knapp nicht mehr gutmachen konnte“, erläutert die deutsche Olympia-Hoffnung, die entsprechend nicht zufrieden war.

Natürlich mehr erhofft

„Ich habe mir natürlich mehr erhofft“, gesteht Eibl. „Aber momentan habe ich anscheinend nicht die körperlichen Voraussetzungen. Dann muss natürlich alles andere reibungslos ablaufen und der Kampfgeist muss voll da sein.“ Der Sturz aus der Vorwoche behinderte die 21-Jährige nur noch bedingt. „Direkt für das Rennen war der Sturz sicher nicht mehr entscheidend“, betont das BDR-Talent, „allerdings waren die Folgen doch bis Mitte der Woche stärker als erst angenommen mit Zerrungen und Überdehnungen.“

Finaler Testlauf im Juli

Letztlich platzierte sich Eibl erneut an 18. Stelle, wie bereits in Nove Mesto – war damit aber einmal mehr beste Deutsche. So dürfte der Grosselfingerin das Ticket für die Olympischen Spiele in Tokio Ende Juli sicher sein. Bis dahin schiebt sie nun erstmal noch einen weiteren Trainingsblock ein, ehe nächste Woche ein kleineres Rennen in Frankreich auf dem Programm steht. Der finale Testlauf steigt dann am ersten Juli-Wochenende im französischen Les Gets. Dort findet das vierte von sechs Weltcuprennen der Saison statt.

Dominante Französin lässt die Konkurrenz staunen

Loana Lecomte entschied in Leogang auch das dritte Weltcup-Rennen der Saison für sich – und das erneut in dominanter Manier. Die 21-jährige Französin setzte sich von Beginn an an die Spitze und kam mit einer Minute und 48 Sekunden Vorsprung auf die zweitplatzierte Schwedin Jenny Rissveds ins Ziel. In der letzten Runde konnte Lecomte, die auch das Short-Track-Rennen für sich entschied, sogar Tempo rausnehmen. Nach dem dritten Streich scheint der Französin der Gesamtweltcupsieg kaum noch zu nehmen zu sein. Logisch, dass sie nun auch als Olympia-Topfavoritin gilt. Ronja Eibl zeigt sich ob der Dominanz überrascht. „Es ist für mich schon unverständlich, wie sie so plötzlich – mehr oder weniger aus dem Nichts – so weit vorne wegfährt. Das ist für mich auch schwierig zu akzeptieren“, sagt Eibl im Hinblick auf den von ihr im Jahr 2019 gewonnen U 23-Weltcup. „Damals kam sie bis auf einmal nie unter die Top Fünf.“