Handball HBW siegt zuhause gegen Dessau

Gegen die ebenso kompakte wie kompromisslose DRHV-Defensivabteilung taten sich die „Gallier von der Alb“ (im Bild Simen Schönningsen) am Samstagabend schwer. Doch es reichte: Mit 23:19 siegte der HBW.
Gegen die ebenso kompakte wie kompromisslose DRHV-Defensivabteilung taten sich die „Gallier von der Alb“ (im Bild Simen Schönningsen) am Samstagabend schwer. Doch es reichte: Mit 23:19 siegte der HBW. © Foto: Moschkon
Balingen / Marcus Arndt 05.03.2018
Gegen einen unbequemen Gegner aus Dessau erarbeitete sich der Balinger Bundesliga-Absteiger einen 23:19-Heimsieg.

Es war eine verrückte – eine kuriose Zweitliga-Partie. „Gefühlt war das Spiel schon weg“, gestand HBW-Geschäftsführer Wolfgang Strobel ein. 17:13 lagen die Biber vorne, doch die Schwaben stemmten sich bravourös gegen die Heimpleite.

Gegen den Tabellennachbarn tat sich der Ex-Erstligist nicht nur in der Anfangsphase schwer. Die Schoch-Führung konterte der DRHV prompt, leistete sich dann aber einen einfachen Ballverlust im Rückraum. Simen Schönningsen erkämpfte sich das Spielgerät und netzte zum 2:1 nach drei Minuten. Per Siebenmeter schraubte Oddur Gretarsson das Ergebnis sogar in Höhe (3:1/4.). Die Ostdeutschen verteidigten in der Folge unglaublich intensiv, spielten endlos lange Angriffe und waren beim 2:3 wieder dran (7. Minute). Gretarsson zog die nächste Fahrkarte, welche keine Konsequenzen für die Balinger hatte. Die rieben sich gegen die ebenso kompakte wie kompromisslose 6:0-Defensivabteilung weiter auf.

Auch als DRHV-Abwehrchef Libor Hanisch nach neun Minuten bereits seine zweite Zeitstrafe kas-sierte, fanden die Schwaben keine Mittel gegen bei weitem nicht überragende, aber gut organisierte Gäste. Zehn Minuten war das Team um Kapitän Martin Strobel nun schon ohne Torerfolg, ehe Schönningsen der vierte Balinger Treffer gelang. Der Europameister von 2016 sorgte schließlich für den ersten Zwei-Tore-Vorteil der „Gallier von der Alb“ – wuchtete aus zehn Metern die Kugel in den Winkel (5:3/15.). Nichtsdestotrotz blieb es ein zähes Spiel mit vielen Fehlern auf beiden Seiten. Weiterhin nahm der DRHV ganz clever das Tempo raus, verkürzte mit einem Pfeiffer-Doppelpack zum 5:6 (20.).

Jens Bürkle reagierte, bat seine Mannschaft zur Extrabesprechung an die Seitenlinie. Der HBW-Kommandogeber stellte um, beorderte Lukas Saueressig in die Mitte sowie Lars Friedrich und Jannik Hausmann auf die Platte. Die Rochaden griffen nicht. Im Gegenteil: Nach dem vierten Fehlwurf von Außen egalisierte Johannes Wasielewski (7:7/26.). Glück für die „Gallier von der Alb“, dass Vincent Sohmann in dieser kritischen Phase aus sieben Metern Nerven zeigte. Zur Pause hieß es schließlich 8:7. „Wir haben uns in der ersten Halbzeit unsere Chancen gut herausgespielt“, erklärte Friedrich, „aber wenn man zwölf Freie vergibt, wird es immer schwierig.“

Und es sollte noch kritischer werden. Nach dem Seitenwechsel sorgte Pfeiffer für den ersten Gästevorteil (9:10/32.) und die Biber legten beim 9:11 erstmals zwei Treffer vor (34.). Bei den Schwaben lief nichts, aber auch gar nichts zusammen. Kollektive Verunsicherung bei den Kreisstädtern (O-Ton Wolfgang Strobel: „Die Stimmung in der Halle war dann wie gegen Hagen“). Die scheiterten immer wieder an DRHV-Keeper Philip Ambrosius. Auf der Gegenseite brachte Marouén Maggiaz (ab 37.) vorerst keine Hand an den Ball, nahm den Ostdeutschen in der Crunchtime aber ganz entscheidende Würfe ab. Zuerst parierte der Tunesier einen Pavlicek-Strafwurf (48.) – wenig später einen Pfeiffer-Konter. Vorne hatte Gretarsson die Ergebniswende eingeleitet, nachdem der HBW einen Vier-Tore-Rückstand aufgeholt hatte (17:17/ 49.). Noch einmal Vorteil für den DRHV, ehe Gregor Thomann von Rechtsaußen und Gretarsson per Konter zum 19:18 erfolgreich waren (52.). Martin Strobel machte zwei Minuten vor Spielende mit dem 22:18 den Deckel drauf. „Wenn man die letzten 15 Minuten anschaut, ist der Sieg absolut verdient“, meinte Bürkle und Friedrich fügte hinzu: „Vielleicht haben wir so einen Erfolg einmal gebraucht, wo wir schlecht spielen und trotzdem gewinnen. Vielleicht ist das jetzt ein Hallo-Wach-Effekt . . .“

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