Nun ist sie also gerissen, die Siegesserie der „Gallier von der Alb“. Aber trotz des 23:23 beim Aufsteiger TuS Ferndorf überwog die Erleichterung über den zwei Sekunden vor Schluss erzwungenen Ausgleich durch René Zobel.

„Es wäre unverdient gewesen, hier zu gewinnen. Aber wie wir das Remis geschafft haben, gibt uns einen Push für das Spitzenspiel gegen Nordhorn nächste Woche“, atmete HBW-Manager Wolfgang Strobel nach dem Abpfiff auf. Nicht nur Strobel brauchte nach dieser hochemotionalen Partie einige Zeit, „um wieder runterzukommen.“

Selbst altgediente Ferndorfer Zuschauer konnten sich kaum an eine ähnlich aufregende und aufwühlende Zweitliga-Partie erinnern. Neben sehr frühen Balinger Zeitstrafen sorgte ein schlimmer Crash des Ferndorfer Top-Torjägers Jonas Faulenbach für aufgebrachte Gemüter. Der war nach einer Attacke Zobels unglücklich in die Metallumrandung der Rollbanden gestürzt und musste in ein Siegener Krankenhaus gebracht werden, wo ein „Cut“ über dem linken Auge geschlossen wurde.

Aber die „Musik“ war nun bestellt: „Das war eine unglaubliche Stresssituation hier, erst recht nach Faulenbachs Missgeschick“, rang Strobel noch nach Worten, während Balingen-Weilstettens Trainer Jens Bürkle sich einen Seitenhieb auf seine Mannschaft nicht verkneifen wollte: „Wir waren wohl in der Woche nicht so fokussiert auf das, was uns hier erwartet.“

Die Siegerländer, die ohnehin bereits drei Rückraumakteure verletzt ersetzen mussten, traf es noch härter. Kreisläufer Thomas Rink kam nach einer Attacke nur noch in der Abwehr und unter Nackenschmerzen zum Einsatz. Torjäger Lukas Zerbe musste lange am Knie behandelt werden, nachdem Benjamin Meschke auf ihn gefallen war. Und schließlich sah Branimir Koloper zu Recht Rot nach einer regelwidrigen Attacke gegen Jona Schoch.

Nach 42 Minuten stand es 16:16 in einem extrem leidenschaftlich geführten Match, in dem sich bis dahin keine Mannschaft absetzen konnte. Doch das änderte sich nun als Jannik Hausmann, Schoch und Tim Nothdurft nacheinander trafen und die Gäste von der Schwäbischen Alb auf 19:16 davonzogen.

Doch in Ferndorfs „Behelfs-Rückraum“ blühte plötzlich Faulenbach-Ersatz Jonas Müller auf und ließ mit Distanzwürfen HBW-Torhüter Tomas Mrkva sechsmal keine Chance.

Und das wollte etwas heißen, denn der tschechische Nationaltorhüter raubte mit 16 Paraden, darunter zwei gehaltenen Siebenmetern von Zerbe, vor allem den Ferndorfer Außenspielern den Nerv. Aber Mrkvas Pendant stand ihm in nichts nach: TuS-Keeper Lucas Puhl hielt sogar 17 Bälle.

Und weil sich Balingens Rückraum gegen die vielleicht beste Defensive der Liga zunehmend schwerer tat, Lukas Saueressig sogar zweimal hintereinander am Tor vorbeizielte, kippte die Partie doch noch.

„Wir haben auf vielen Positionen nicht optimal agiert“, umschrieb Strobel diese fulminante Phase, in der sich das Publikum schon vier Minuten vor dem Ende zu Standing Ovations erhob, als Zerbe mit seinem einzigen Treffer den TuS mit 21:20 wieder in Führung brachte. Müller erhöhte sogar noch, aber Bürkle ging nun „all in“, brachte erst den siebten Feldspieler und stellte dann in den letzten 70 Sekunden auf offene Manndeckung um.

Ferndorf wirkte erschöpft, und Müller verlor Sekunden vor dem Ende den Ball. Zobel bedankte sich mit dem Treffer zum 23:23-Endstand. „Wir sind das erste Top-Ten-Team, das hier in Ferndorf in dieser Saison überhaupt etwas geholt hat“, ordnete Bürkle das Unentschieden ein und adelte damit das schwer erkämpfte Remis in der „Stählerwiese“.