Vor dem Anwurf lachten und scherzten sie noch. Für Filip Taleski und Vladan Lipovina war es ja auch eine Rückkehr in die noch gar nicht so weit zurückliegende Vergangenheit. Und so musste das Duo viele Hände schütteln, als es am Donnerstagabend in die SAP Arena kam.

Die war bekanntlich bis zum Ende der vergangenen Saison so etwas wie das Wohnzimmer, in dem Taleski und Lipovina mit den Löwen ihre Heimspiele bestritten – und meistens als Sieger vom Feld gingen.

Doch das passierte diesmal nicht, weil sie mittlerweile das Trikot des Aufsteigers HBW Balingen-Weilstetten tragen und mit den Schwaben eine erwartbare 26:37 (12:17)-Niederlage kassierten.

Starker Start

„Wir müssen zur Pause nicht mit fünf Treffern hintenliegen. Leider haben wir immer wieder Phasen, in denen es nicht läuft. Diese Phasen müssen wir verkürzen, sonst wird es auswärts schwierig“, sagte HBW-Trainer Jens Bürkle nach einem Duell, in dem die Balinger gewohnt körperbetont zur Sache gingen.

Sie wussten: Jede Sensation beginnt immer mit dem ersten Zweikampf. Wenn man den gewinnt, steigt die Zuversicht, auch das nächste Mann-gegen-Mann-Duell für sich zu entscheiden – und daraus kann so etwas wie eine Eigendynamik, ein Lauf entstehen. Oft genug hat der Handball schließlich schon gezeigt, dass Wille, Kampf und Leidenschaft Qualität schlagen können.

Die Schwaben bewiesen das zuletzt beim Sieg über Melsungen. Aber nicht immer gibt es eine Überraschung, auch wenn die Einstellung stimmt und der Aufsteiger insbesondere in der Anfangsphase einen starken Eindruck hinterließ. „Über weite Strecken haben wir ein gutes Spiel gemacht, aber wir sind für unsere Fehler bestraft worden“, meinte HBW-Kreisläufer Marcel Niemeyer.

Defensive gut sortiert

Die Balinger führten 7:6 (14. Minute), weil sie den Angriff der Löwen vor große Probleme stellten. Dem zweifachen deutschen Meister fehlte es an Tempo bei seinen Offensivbemühungen, immer wieder schlichen sich Unkonzentriertheiten und Ungenauigkeiten ein.

Niclas Kirkelökke passte den Ball ins Aus, Jannik Kohlbacher leistete sich ein Offensivfoul, die Löwen kassierten Gegenstoßtreffer. „Wir haben uns zu wenig bewegt“, kritisierte Löwe Patrick Groetzki.

Löwen drehen auf

Trainer Kristjan Andresson, der diesmal entgegen seiner eigentlichen Philosophie auf zwei Abwehr-Angriff-Wechsel setzte, sah sich früh zu einer Auszeit gezwungen. Mit der Hereinnahme von Romain Lagarde wurde das Offensivspiel der Löwen direkt schwungvoller, vor allem aber spielte sich Linksaußen Uwe Gensheimer in den Vordergrund.

Meilenstein für Gensheimer

Mit seinem vierten Treffer erzielte der Linksaußen das 8:7 (17.) und seinen 2000. Bundesligatreffer – und nun schien es so, als habe der Rechtshänder den Plan geschmiedet, nach Möglichkeit alle weiteren Treffer in dieser Begegnung zu erzielen.

Bis zum 17:12-Pausenstand kam der Nationalmannschaftskapitän auf acht Tore, auch weil er vom schnellen Umschaltspiel seiner Mannschaft profitierte und die Löwen einen 6:0-Lauf hinlegten. „Wir haben den Fokus verloren“, ärgerte sich Bürkle. Und Niemeyer monierte: „Wir haben einfach zu viele Gegenstoßtreffer kassiert.“

Favorit lässt nicht nach

Nach dem Seitenwechsel zeigte Balingens Torwart Vladimir Bozic ein paar Paraden. Dann aber brachten die Badener mit Steffen Fäth noch einmal Wurfgewalt aus dem Rückraum aufs Feld – und schon wurde es deutlich. „Wenn die Löwen einmal weg sind, wird es für jeden Gegner schwierig“, sagte Bürkle, während sich Gensheimer freute: „Wir haben weiter Gas gegeben und Tempo gemacht.“ Das konnte der HBW nicht mitgehen – und so stand letztlich auch eine deutliche Pleite zu Buche.

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