Eigentlich lief es für Balingen-Weilstetten in Durchgang eins richtig gut, kurz vor der Pause änderte sich das jedoch. Die letzten fünf Minuten im ersten Durchgang waren aus Sicht der „Gallier“ einfach verflixt.

Der sehr achtbare 13:13-Zwischenstand nach 25 Minuten war wenig später nur noch Makulatur. Filip Taleski scheiterte aus der zweiten Reihe an Flensburgs Schlussmann Benjamin Buric, fiel auf den Boden und blieb einige Sekunden liegen. Derweil rannte der SG-Kreisläufer Anders Zachariassen los und netzte per Konter zum 18:13 ein. Halbzeit!

Gute Leistung, hängende Köpfe

Es herrschte zur Pause beste Stimmung in der „Hölle Nord“, während die schwäbischen Gäste mit rätselnden Köpfen und leicht hängenden Schultern in die Kabine trotteten.

„Gegen richtig gute Mannschaften zahlen wir manchmal doch etwas Lehrgeld und verlieren die Linie“, meinte HBW-Coach Jens Bürkle im Nachhinein. „Ich bin aber überhaupt nicht unzufrieden. Gerade die ersten 25 Minuten waren sehr gut. Meine Spieler agierten sehr diszipliniert und zeigten, was in ihnen steckt.“

Starker Start

Die Begegnung selbst konnte erst mit Verspätung angepfiffen werden. Die Hallenuhr streikte, setzte sich erst nach fünf Minuten in Bewegung. Eine gewisse Anlaufzeit benötigte auch der Favorit. Denn es waren die Schwaben, die zunächst beeindruckten.

Martin Strobel zog die Strippen und warf nach 40 Sekunden selbst das erste Tor. Die Gegenstöße rollten, die Pässe kamen an. Mike Jensen, ganz in der Nähe seiner Heimat, war für die ersten Torhüter-Paraden zuständig. Einige HBW-Rufe schallten durch das Rund, als Vladan Lipovina das 3:6 markierte (7. Minute).

Bürkle wechselt viel

Der Montenegriner stand am Donnerstag wieder in der Anfangsformation. „In den letzten Tagen hatten wir sein Pensum kontinuierlich erhöht“, berichtete Bürkle. „Aber nach vier Übungseinheiten kann man noch keine 100 Prozent erwarten.“

Bald saß Lipovina dann das erste Mal auf der Bank, auch Jona Schoch und Strobel nahmen neben der Platte Platz. Stattdessen bildeten nun René Zobel, Lukas Saueressig und Taleski die zweite Reihe. „Gegen so eine Power, wie sie die Flensburger aufbieten, kann man nicht mit sechs Mann durchspielen“, erklärte der Balinger Coach. „Außerdem sollte jeder seine Chance erhalten.“

Gastgeber geben Gas

Die Flensburger drehten allmählich auf. Jim Gottfridsson und Magnus Röd zogen nun häufiger die 6:0-Abwehr der Kreisstädter auseinander und rauschten durch die Lücken. Und Keeper Buric taute auf, als er HBW-Linksaußen Oddur Gretarsson einen Siebenmeter abkaufte (10.).

Unzufrieden war SG-Coach Maik Machulla zunächst mit seiner Abwehr. „Wir waren zu passiv, kriegten Tore, die man nicht kriegen darf“, ärgerte er sich. „Erst nach 25 Minuten deckten wir aggressiver.“ Gregor Thormann verwandelte noch einen Strafwurf zum 13:13, ehe sich der Deutsche Meister dann eben mit einem 5:0-Lauf freischwamm.

Klare Sache nach der Pause

Dieser wirkte im zweiten Durchgang nach. Bei den Flensburgern lief es nun rund, während die Schwaben den Faden der Anfangsphase vergeblich suchten. Als Weltmeister Holger Glandorf mit einem Doppelschlag auf 31:21 erhöhte, drohte dem HBW gar ein Debakel.

Doch in der Weise, wie die Hausherren nachließen und unaufmerksam wurden, zeigten die „Gallier“ Charakter und gingen mit einem positiven Trend aus der Partie. „Wir haben die Flensburger vor einige Aufgaben gestellt, die sie erst einmal lösen mussten“, bilanzierte Bürkle nach dem 25:32. „Für mehr fehlte vielleicht der Glaube.“