„Wir haben 40 Minuten überragend gespielt“, blickt Balingens Jona Schoch zurück, „dann haben wir drei Siebenmeter verworfen und waren in der Abwehr zu passiv.“

Die Niedersachsen drängten nach einem 10:17-Rückstand (35. Minute) auf die Ergebniswende, ließen in der Crunchtime aber wichtige Bälle liegen.

Erst klärte HBW-Keeper Mike Jensen (Fangquote: 39 Prozent) klasse gegen Georg Pöhle, dann antizipierte Saueressig einen Miedema-Pass klug und sorgte abgeklärt für den ersten schwäbischen Saisonsieg.

„In der entscheidenden Phase haben wir aber die Nerven behalten“, sagt HBW-Coach Jens Bürkle nach einer packenden Partie unaufgeregt. Der 38-Jährige fügt hinzu: „Mit der ersten Hälfte war ich sehr, sehr zufrieden. Wir kommen dann auch gut aus der Halbzeit raus. Beim 19:13 hatten wir das Spiel eigentlich im Griff. Wir haben dann noch einen Siebenmeter und können das Ding schon recht früh entscheiden.“ Doch daraus wurde nichts.

Zwei Neuzugänge in der Startsieben

Gegen das Zwei-Städte-Team setzte der Sportwissenschaftler auf seine arrivierten Akteure – komplettiert wurde die Startsieben von den Neuzugängen Jensen und Vladan Lipovina.

Gegen die aggressive 6:0-Abwehr der HSG taten sich die Schwaben zunächst schwer, kamen nicht über den mächtigen Mittelblock um den Niederländer Toon Leenders. Auf der Gegenseite sorgte Robert Weber nach vier Minuten für die erste Gästeführung (1:2).

Die „Gallier“ hielten dagegen, „und bis zum 7:7 war es ein ausgeglichenes Spiel“, analysiert Bürkle.

Jensen dreht auf

Wichtig: Jensen wurde immer mehr zum Faktor – und vorne setzte Lipovina nach zwei Fahrkarten Marcel Niemeyer exzellent in Szene. Vom Kreis traf der 26-Jährige zum 9:7 (20.).

Die Grafschafter wackelten. Gästetrainer Geir Sveinsson reagierte und bat nach einem 0:3-Negativlauf zur Extrabesprechung an die Seitenlinie. Anton Prakapenia kam, sollte für mehr Druck aus dem Rückraum sorgen. Doch auch vom Weißrussen kamen keine Impulse, während die Schwaben konsequent den Vorsprung ausbauten: auf 13:8 (25.).

„Die ersten zehn, zwölf Minuten waren noch in Ordnung“, findet der Bültmann-Nachfolger, „aber dann haben wir ganz schlecht gespielt, waren fast ängstlich. Da ist alles schief gelaufen. Dann fängt die zweite Halbzeit genauso an und wir liegen mit sieben Toren zurück.“

HSG geht volles Risiko

Nach dem klaren Rückstand hatte die HSG nichts mehr zu verlieren, riskierte nun mehr. Durch Pöhle kamen die Gäste zu einfachen Toren, aber vorerst nicht entscheidend heran (19:14/42.).

In der Schlussviertelstunde vergaben die Balinger beste Möglichkeiten – und beim 19:17 war wieder alles offen (47.). Über zehn Minuten hatten die Kreisstädter nicht getroffen und die Nerven lagen blank. René Zobel sorgte für etwas Entlastung (20:18/50.) – mehr aber auch nicht. Es blieb eine unheimlich enge Kiste, ehe Saueressig den Deckel draufmachte.

„Enorm wichtig“

„Wir haben nach 40 Minuten vielleicht ein bisschen nachgelassen, hatten vielleicht Angst vor dem Gewinnen, ich weiß es nicht“, sinniert Gregor Thomann.

Unumwunden räumt der Balinger Linkshänder ein: „Da hat sich ein Schalter umgelegt. Aber wir haben es geschafft und haben den Sieg. Der war enorm wichtig, da braucht man nicht lange drum herumzureden . . .“

Bereits am Mittwoch geht der Zweitliga-Meister bei den Recken in Hannover auf die Platte. „Wenn es in Magdeburg 20 gute Minuten waren, waren es heute 40 gute Minuten – und wenn es in Hannover 60 gute Minuten sind, bin ich schon zufrieden“, erklärt Bürkle.