Es ist wie so oft im Leben: Der Blickwinkel ist entscheidend. Während die Eulen einen cleveren Jan Remmlinger feierten, haderten die „Gallier“. Nicht grundlos. 13 Sekunden vor dem Ende warf der frühere Balinger – nachdem die Schiedsrichter bereits gepfiffen hatten – den Ball einfach mal ins gegenüberliegende Tor und pulverisierte die Restspielzeit.

Nothdurft: „Wir hatten uns mehr erhofft“

Die Unparteiischen Lars Geipel und Marcus Helbig beließen es bei einer Zeitstrafe für den Ludwigshafener – mehr nicht. Der finale Freiwurf brachte natürlich nichts mehr ein. Die erste Balinger Führung in der Schlussminute wäre auch nicht verdient gewesen.

Dafür hatten die Eulen zu viel investiert, die Schwaben zu wenig geliefert. „Wir hatten uns mehr erhofft“, räumt Tim Nothdurft unumwunden ein, „wie es gelaufen ist, nehmen wir den einen Zähler mit.“ Jona Schoch ergänzt: „Wir haben es nie geschafft, das Spiel zu kippen, treffen einige falsche Entscheidungen.“

Der Tabellenvorletzte verteidigt gut

Bürkle prognostizierte ein „Geduldsspiel“ – und genau das war es in der ausverkauften „Hölle Süd“ dann auch. Der Tabellenvorletzte verteidigte unglaublich aggressiv und nahm im Angriff ganz geschickt das Tempo raus. Darauf waren die „Gallier“ vorbereitet, fanden dennoch selten Lösungen. Die Mappes-Führung egalisierte Oddur Gretarsson (1:1/2.), ehe drei endlos lange Minuten der Eulen im Angriff folgten.

Das Schiedsrichtergespann aus Magdeburg tolerierte diese Spielweise, eben-so die robuste Gangart der Gäste in der Defensive. Diese führten mit 3:1 (8. Minute), doch erneut netzte Balingens Isländer von Außen. So richtig rund lief es bei den Schwaben weiter nicht. Der HBW fand keine Mittel gegen die Pfälzer, welche mehr einbrachten.

Bürkle: „Ich glaube wir können das besser“

Ein abgefälschter Lipovina-Wurf trudelte in die Maschen zum 3:4 (12.) und Gretarsson sorgte in Überzahl für den 5:5-Ausgleich. Auch in der Folge setzte sich zunächst keine der beiden Mannschaften entscheidend ab (7:7/16.). „Wir haben uns schwer getan, mit der Art wie Ludwigshafen Handball spielt“, gesteht der Balinger Kommandogeber ein, „ich glaube wir können das besser und wir müssen das auch besser machen.“

Taleski zieht nächste Fahrkarte

Der Aufsteiger leistete sich ungewohnt viele Fehler im Angriff und bekam in der Abwehr keinen Zugriff. Ludwigshafen nutzte die Schwächephase der Schwaben konsequent, zog mit einem 3:0-Lauf davon (7:10/20.).

Bürkle sah zwingend Gesprächsbedarf. Der 39-Jährige versuchte es nun mit Filip Taleski im linken Rückraum. Dieser zog prompt die nächste Fahrkarte und auch Vladan Lipovina suchte in dieser kritischen Phase zu früh den Abschluss.

Eulen führen zur Pause

Nach sieben torlosen Minuten erzielte Taleski den achten Balinger Treffer – und da waren schon fast 24 Minuten absolviert. Gretarsson brachte den HBW wieder auf 9:10, doch die Eulen flatterten zur Pause mit 14:12 davon.

„Es ist schwer zu sagen, woran es gelegen hat“, erklärt Juan de la Pena. Markant: Nur drei Mal netzte der Tabellen-elfte in Durchgang eins aus der Distanz, kam nicht über den Block oder wurde früh festgemacht.

Mappes stellt Drei-Tore-Abstand wieder her

Nach dem Seitenwechsel kassierte Marcel Niemeyer eine strittige Zeitstrafe und Mappes stellte den alten Drei-Tore-Abstand wieder her (12:15/31.). Nach einer Siebenmeter-Niete von Gregor Thomann und einem Strobel-Fehlpass wackelten die Kreisstädter, doch Vladimir Bozic hielt die Schwaben im Spiel.

Bozic hält klasse

Der Kroate wurde mehr und mehr zum Faktor, parierte einen Siebenmeter von Max Neuhaus (37.). Die „Gallier“ steigerten sich sukzessive – brachten endlich Tempo rein. Niemeyer stellte den Anschluss her. Es blieb eine enge Kiste und Bürkle nahm früh seine zweite Auszeit. Die einminütige Ansprache zeigte keine Wirkung. Im Gegenteil. Ludwigshafen erhöhte auf 18:22 (46.).

Monster-Parade von Jensen

Ein Wechselfehler der Eulen brachte dann noch einmal richtig Dampf in den Kessel. Der Aufsteiger kämpfte sich wieder heran, glich aus (25:25/59.) und kam nach einer Monster-Parade von Mike Jensen 23 Sekunden vor dem Abpfiff noch einmal in Ballbesitz. Der HBW-Übungsleiter justierte final nach, doch eine richtig gute Wurfmöglichkeit gab es für nicht mehr.