Wie einen „Stich ins Herz“ empfand Balingens Schlussmann Julian Hauser die zwei schnellen Gegentore in der 48. und 49. Minute beim FC Gießen, welche die Samstagspartie auf den Kopf stellten.

Hauser hadert mit der Einstellung

„In der ersten Halbzeit dachte ich mir nach unserem 1:0, dass wir hier gewinnen werden, vom Gegner kam nicht viel“, meinte der Keeper. „In der zweiten Halbzeit sind wir dann ohne Spannung auf den Platz gegangen. Wir waren weder körperlich noch vom Kopf her da.“ Innerhalb von nicht einmal 180 Sekunden wurde aus dem 1:0 ein 1:2, letztlich verlor die TSG mit 1:3 (1:0) bei einem direkten Konkurrenten im Abstiegskampf der Fußball-Regionalliga Südwest.
Während sich der FC Gießen nach dem Doppelschlag laut Trainer Daniyal Cimen „in einen kleinen Rausch“ spielte, musste Balingens Übungsleiter Martin Braun konstatieren: „Die Gießener haben den aufgestauten Frust der letzten Wochen abgebaut. Wir haben es nicht geschafft, aus diesem Loch nach den zwei Gegentoren herauszukommen.“ Konzentriert begann Balingen im Gießener Waldstadion vor 450 Zuschauern durchaus, ging nach 16 Minuten in Führung. Ein Kopfball von Simon Klostermann wurde zur Ecke abgewehrt, Klostermann schrie „mehr machen, mehr machen!“ und legte beim anschließenden Eckball gleich selbst nach: Als ihm der Ball vor die Füße fiel, schob der TSG-Stürmer zum 1:0 ein.

Gießen entdeckt den Offensivgeist

Pedro Almeida Morais hätte in der 37. Minute auf 2:0 erhöhen können, als er Gießens Ersatzkeeper Vladan Grbovic aus bester Position an den Kopf schoss. Defensiv ließ die TSG bis auf zwei halbwegs gefährliche Distanzschüsse nichts zu. Das änderte sich nach der Pause schlagartig.
Die Hausherren stellten von einer Fünfer- auf eine Viererkette um und entdeckten prompt neuen Offensivgeist: Eine Flanke von Kristian Gaudermann köpfte Donny Bogicevic aus rund acht Metern freistehend zum 1:1 in die Maschen. Keine zwei Minuten später war die Balinger Defensive erneut überfordert, als Dennis Owusu durchsprintete, Giuseppe Burgio bediente und dieser den Ball zum 2:1 ins Eck setzte. „Da sind alle ausgerastet“, wusste Gießens Bogicevic.

Trkulja sorgt für die Entscheidung

In der Folge drängte Gießen auf das dritte Tor, das mehrmals hätte fallen können. Schlussmann Hauser hielt die TSG im Spiel – ein Aufsetzer aus rund 20 Metern von Neuzugang Lukas Ramser wurde vom FCG-Keeper pariert (72.), mehr kam offensiv nicht. Schwach verteidigten die Gäste in der 80. Minute, als sich Gießens Nikola Trkulja nach einem Ballgewinn aus zentraler Position vor dem Strafraum in aller Seelenruhe die Ecke für seinen Schlenzer aussuchen konnte und zum 3:1 traf.
„Normalerweise“, wunderte sich Hauser, „hast du bei langen Anfahrten Probleme, in der ersten Halbzeit reinzukommen und die zweite Hälfte wird gut. Bei uns war es genau andersherum.“ Der Balinger Torhüter meinte: „Das ist eine Einstellungssache.“ Die Erkenntnis des Tages: „Wir müssen an die Leistungsgrenze kommen, sonst verlieren wir. So ist es halt.“ Die Balinger rangieren nach der Niederlage mit weiterhin vier Punkten an Position 16, haben allerdings ein Spiel weniger als ein Großteil der Konkurrenz absolviert.
TSG Balingen: Hauser; Eisele, Schmitz, Vogler, Fritschi (69. Dierberger), Ramser (76. Gaiser), Cabraja (82. Curda), Akkaya, Ferdinand, Almeida (69. Seemann), Klostermann (76. Arutunjan).
Tore: 0:1 Klostermann (16.), 1:1 Bogicevic (48.), 2:1 Burgio (49.), 3:1 Trkulja (80.).
Schiedsrichter: Philipp Hofheinz (Niefern).
Zuschauer: 450.