Am Abend des zweiten Tages der 22. boso Ladies Open säumten deutlich mehr Zuschauer den Platz mit der Nummer 3 als den Centre Court mit der großen Tribüne. Der Grund: Die beiden hoffnungsvollsten Nachwuchstalente des TC Hechingen durften sich per Wildcard in der ersten Runde der Doppelkonkurrenz mit einem Duo aus der erweiterten Weltelite messen. Dieses Match wollten mehr als 150 Zuschauer sehen.

Die Farben des ausrichtenden Vereins vertraten die 17-jährige Alexandra (Alex) Vecic aus Immendingen auf der Baar, die in diesem Jahr als einzige deutsche Juniorin an den Nachwuchsturnieren in Wimbledon und Paris teilgenommen hat, und die erst 14-jährige Mia Mack aus Löchgau bei Bietigheim, ebenso wie Alexandra Vecic Deutsche Juniorenmeisterin ihrer Altersklasse. Beide Mädchen werden im Rahmen der Medienpartnerschaft mit den boso Ladies Open von der Hohenzollerischen Zeitung unterstützt.

2:0-Start für die Hechingerinnen

Und die Lokalmatadorinnen legten los, als würden sie Cristina Dinu aus Rumänien und Lina Gjorcheska aus Mazedonien auf der anderen Seite des Netzes vom Platz fegen. Nachdem Alex Vecic ihr Aufschlagspiel sauber durchgebracht hatte, gelang dem Hechinger Doppel gleich ein stark beklatschtes Break zum 2:0. Das war mal eine Ansage!

Allerdings: Die routinierten Osteuropäerinnen mussten sich nur mal schnell schütteln, und schon gelang ihnen nicht nur das Rebreak zum 1:2, sondern auch gleich der Ausgleich und der Durchmarsch zum 5:2. Satz verloren? Mitnichten! Die Schwäbinnen bewiesen große Moral und kamen auf 5:4 heran. Dann spielten Dinu/Gjorcheska ihre Klasse aus und holten sich mit 6:4 den Satzgewinn. Schade, doch am Rand nickte Turnierdirektor Gerhard Frommer anerkennend: „Die beiden halten doch wirklich gut mit.“

Nach 52 Minuten ist es vorbei

Der zweite Satz begann jedoch schlecht. Alex Vecic verlor gleich ihren Aufschlag zum 0:1. Das postwendende Rebreak zum 1:1 ließ auf der Tribüne zwar wieder Hoffnung aufkeimen, doch dann wurde das Match zu einer klaren Sache für die Osteuropäerinnen: Nach insgesamt 52 Minuten hatten sie das Match mit 6:4/6:1 für sich entschieden.

Keine Frage: Mia und Alex hatten sich in ihrem ersten Doppel bei einem Damen-Weltranglistenturnier klasse geschlagen. Enttäuscht waren sie dennoch, vor allem Alexandra Vecic, die es erklärtermaßen hasst zu verlieren. Im Interview mit der HZ in der Spielerlounge erklärte die 17-Jährige, die eine Profikarriere vor Augen hat, selbstkritisch: „Gut mithalten zu können bringt leider gar nix. Die haben gezeigt, dass sie besser sind. Realistisch betrachtet, hat viel gefehlt.“

Trotzdem hat es Spaß gemacht

Gefehlt hat offensichtlich auch ein gesundes linkes Handgelenk bei Mia Mack. Die 14-Jährige spielte mit Bandage und mit Schmerzen, war sichtlich gehandicapt. „Ich habe versucht, das Beste draus zu machen“, sagte sie ein wenig zerknirscht. Aber speziell im Doppel, wo man gerne mal beidhändig spielen würde, habe ihr das lädierte Handgelenk zu schaffen gemacht.

Für Mia, die am Montag schon ihr Einzel verloren hatte, sind die boso Ladies Open nun vorbei. Ihre Bilanz ist dennoch positiv. „Für mich“, sagt sie, „ist es ein Riesenerfolg, so ein großes Turnier mitspielen zu dürfen. Ich kann mir von den erfahreneren Gegnerinnen ganz viel abschauen.“

Vecic heute gegen Barbara Haas

Und Alexandra Vecic? Ist das Turnier in Hechingen nicht eine kleine Nummer, wenn man vor Wochen erst in Wimbledon und Paris aufgeschlagen hat? „Ganz im Gegenteil“, sagt die 17-Jährige. „Zwischen Juniorentennis und Damentennis ist ein Riesenunterschied.“ Auch für sie ist es ganz einfach „mega“, auf dieser Plattform für ihren Heimatverein starten zu dürfen: „Es macht viel Spaß und ist eine große Herausforderung.“

Eine weitere Herausforderung hat Alexandra Vecic am heutigen Mittwoch vor sich. Um 15 Uhr greift sie in der Einzelkonkurrenz an. Und dabei hat sie („leider, wie Turnierdirektor Gerhard Frommer bedauert), ein richtig schweres Los erwischt. Ihre Gegnerin ist die beste Tennisspielerin Österreichs, die Nummer 161 in der Welt und in Hechingen an Position 4 gesetzte Barbara Haas. Alex Vecic hadert indes nicht mit fehlendem Losglück, sondern betont selbstbewusst: „Ich nehme es, wie es kommt. Jede ist schlagbar. Ich gehe in das Match und will gewinnen. Ich freue mich drauf.“

Also aufgemerkt, Tennisfans: heute, 15 Uhr, Center Court: Vecic gegen Haas. Es liegt eine Sensation in der Luft!

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Hechingen

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