Es lag in der Luft, dass der Stabhochsprung beim 11. „Jump & Fly“ im Belsener Ernwiesenstadion etwas ganz Besonderes werden würde, hatten doch gleich mehrere der deutschen Top-Stabhochspringer die Qualifikationshöhe von 5,80 Meter für die direkte Teilnahme an den olympischen Sommerspielen angepeilt. Gesprungen und sogar noch übertroffen hat sie am Ende der Philippine und Asienmeister Ernest Obiena mit sagenhaften 5,85 Meter. Weltklasse! Nur drei Stabhochspringer weltweit sind in diesem Jahr schon höher gesprungen.
Auch der Vorjahressieger des Meetings und Deutsche Meister Oleg Zernikel unterstrich mit übersprungenen 5,70 Meter seine gute (Olympia-)Form. Er hat die Fahrkarte nach Tokio bereits in der Tasche.

400 Zuschauer im Ernwiesenstadion

Nach der kurzfristigen Öffnung für den Besuch von Sportveranstaltungen ohne Corona-Test waren knapp 400 Zuschauer ins Ernwiesenstadion gekommen. Sie sollten es nicht bereuen. Mit rhythmischem Klatschen trugen sie die Athleten zu ihren Höhenflügen. Eine tolle Stimmung herrschte in der Südkurve. Kaum Wind und angenehme Sommertemperaturen waren am Ende für die Stab-Artisten ideal. Aber auch zuvor an der Weitsprunggrube und beim Diskusring freuten sich die Athleten über die Zuschauerunterstützung. Ganz ungewohnt und so willkommen nach der langen Publikumsabstinenz bei Sportveranstaltungen! Auch der sehr gut besuchte Livestream bot imposante Bilder aus zahlreichen Perspektiven. Die ehrenamtliche Technik-Crew der LG Steinlach-Zollern leistete Großes.

Traumtag des Stabhochsprungs

Der 11. Juni 2021 wird als ein Traumtag des Stabhochsprungs in die Geschichte des Ernwiesenstadions eingehen. Begonnen hatten die Frauen, und hier war die Siegerin, Katharina Bauer vom TSV Bayer 04 Leverkusen, überglücklich. Nach einer zweijährigen Leidensgeschichte mit Verletzungen und Rückschlägen gewann sie in Belsen mit 4,40 Metern und scheiterte nur äußerst unglücklich an 4,55 Metern. Damit machte sie sich selbst das größte Geschenk zu ihrem Geburtstag einen Tag später.
Die Diskusanlage im Ernwiesenstadion wird von den Athleten viel gelobt. Der „schnelle Ring“ hilft aber nicht, wenn der Wind nicht stimmt. Wie beim Starten der Flugzeuge brauchen die Diskuswerfer Gegenwind, der den fliegenden Scheiben Auftrieb gibt. Das war in diesem Jahr nicht der Fall, und so blieben die ganz großen Weiten aus.
Antonia Kinzel vom SSV Ulm 1846 kam als Siegerin bei den Frauen mit 53,58 Metern relativ nah an ihre persönliche Bestleistung heran. Mehrkämpfer und Wurfspezialist Niklas Kretschmer von der LG Steinlach-Zollern schlug sich beim Männerwettkampf mit der Zwei-Kilogramm-Diskusscheibe achtbar, kam aber mit 43,97 Metern ebenfalls nicht an seine Bestleistung heran.

Lokalmatadoren am Start

In der U 20-Wertung warfen aus den Reihen der LG Steinlach-Zollern mit der 1,75-Kilogramm-Scheibe der Hechinger Kelmen de Carvalho (43,67 Meter), Finn Schulz aus Sickingen (36,22 Meter) und Joshua Kommer (31,00 Meter).
Als jüngster Starter durfte in der U 18-Wertung der Hechinger Kelson de Carvalho, LG Steinlalch-Zollern, ebenfalls in den Ring steigen, blieb aber mit 40,09 Metern deutlich hinter seinen ausgezeichneten Bestleistungen bei den jüngsten Kaderwettkämpfen zurück.
„Hop“, „Step“, „Jump“ – so nennt man die Sprungfolge beim Dreisprung. Absprung und Mittelsprung müssen mit dem gleichen Bein erfolgen. Für die LG Steinlach-Zollern bislang fremdes Terrain. Weder im Ernwiesenstadion noch beim „Jump & Fly“ wurde dieser Wettbewerb bislang angeboten. Auf der Suche nach einem Dreisprungwettkampf für Kaderathleten regte Sprung-Landestrainer Steffen Hertel an, diesen Wettkampf beim „Jump & Fly“ zusätzlich mit aufzunehmen. Für die Kampfrichter in Belsen kein Problem. Bedarf und Resonanz bei den Athleten waren groß, sodass ein sehr gutes Starterfeld bei dieser Premiere im Ernwiesenstadion antrat.
Die erzielten Weiten können sich sehen lassen, die Siegerweiten und damit Stadionrekorde erzielten Anna Reisch, TB Bad Cannstatt, mit 12,60 Metern und Lars Lawo, SR Yburg Steinbach, mit 14,26 Metern.

Da spritzt der Sand

Anlaufen, abspringen, fliegen, landen: So einfach ist vermeintlich der Weitsprung. Wie das in der Praxis umgesetzt wird, konnten die Zuschauer in Belsen aus nächster Nähe verfolgen. Der für diesen Wettkampf noch mal tief aufgelockerte Sand spritzte bei der Landung nach den weiten Sätzen hoch auf. Bei den Männern gewann Lokalmatador Gianni Seeger, TSV Gomaringen, obwohl leicht gehandicapt, mit 7,31 Metern. In der U 20 ging der Sieg ebenfalls an den TSV Gomaringen. Maxim Castor war mit 6,49 Metern erfolgreich. Vom Mehrkampfteam der LG Steilnach-Zollern starteten Joshua Kommer und Finn Schulz nach dem Diskuswurf auch im Weitsprung. In der U 20-Wertung belegte Kommer Platz zwei (6,30 Meter), gefolgt von Schulz auf Platz 3 (6,09 Meter). Bei den U 18-Frauen gewann Lenia Kurrle, TSV Gomaringen, mit guten 5,59 Meter den Wettbewerb.