Oberböhringen Vertrauen in das gute Omen

Oberböhringen / Michael Scheiffele 24.08.2018
Die deutschen Faustballer haben sich vor der EM wieder in Oberböhringen vorbereitet. Bislang hat das meist gewirkt.

Ein Angreifer peitscht den Ball übers Netz, er fliegt mit bis zu 110 Stundenkilometer ins gegnerische Spielfeld. Dort hechtet ein Abwehrspieler mit vollem Einsatz dem Ball hinterher. Er bringt ihn spektakulär zurück ins Spiel, indem er ihn hochbaggert und für einen Mitspieler auflegt.

Die deutsche Faustball-Nationalmannschaft  bereitete sich am Mittwoch und Donnerstag auf dem Gelände des SV Oberböhringen auf die Europameisterschaft vor, die seit gestern in Adelmannsfelden bei Ellwangen läuft.

Dabei übernachteten die Sportler in der Hütte des Schneelaufvereins Geislingen. „Wir fühlen uns hier super wohl und haben auf der Skihütte unsere Ruhe“, erklärt Bundestrainer Olaf Neuenfeld, warum er sich mit seiner Mannschaft nun schon zum fünften Mal in Oberböhringen auf ein großes Turnier vorbereitet.

Das Vergnügen ist beidseitig: „Wir freuen uns immer, wenn das Nationalteam kommt“, sagt Hans-Peter  Brosig, Chef der Faustball-Abteilung des SVG. Durch ihn war die Verbindung zustande gekommen. Brosig war früher Faustball-Schiedsrichter und kennt den jetzigen Bundestrainer noch aus dessen Zeit als aktiver Spieler.

Die Faustball-Nationalmannschaft ist ein richtiges Erfolgsteam: Sie besitzt momentan alle Titel, die es im Faustball für Nationalteams zu gewinnen gibt: Weltmeister, World Games Sieger und Europameister.  Aus diesem Grund hat sie auch für die Europameisterschaft die Favoritenrolle inne.

Im Gegensatz zu Fußballnationaltrainer Joachim Löw vor der WM, will Neuenfeld den Begriff der Titelverteidigung nicht in den Mund nehmen. Diese Formulierung ist ihm „zu defensiv“. Den Titel könne man nicht verteidigen, er wird „neu ausgespielt und wir wollen ihn gewinnen“. Er hält seine Schützlinge für gut vorbereitet, sie haben „keine Angst, aber wissen auch, dass vieles von der Tagesform abhängt“. Österreich und die Schweiz „haben schließlich auch gute Mannschaften“, verweist er auf starke Konkurrenz.

Neuenfeld ist dennoch zuversichtlich und vertraut auf Oberböhringen als „gutes Omen“. Viermal hat er sich mit der deutschen Auswahl dort auf große Turniere vorbereitet, dreimal gewann sie anschließend den Titel.

Athletik und Ausdauer sind besonders wichtig beim Faustball. Es sind weniger Spieler als beim Volleyball, daher muss jeder von ihnen einen ungleich größeren Bereich abdecken oder bespielen. Dafür bleibt der Ball im Spiel, wenn er auf dem Boden aufspringt. Dadurch haben die Spieler etwas länger Zeit zu reagieren.  Ein Spiel bei einem Turnier kann bis zu zwei Stunden dauern.

Ein Faustball-Nationalspieler kann nicht von seinem Sport leben:  Die Faustballer gehen entweder einem Beruf nach oder studieren. Trotzdem verbringen sie 30 bis 35 Wochenenden pro Jahr mit ihrem Sport. „Jedem von uns war von Anfang bewusst, wie viel Zeit man auf diesem Level für den Sport mitbringen muss“, sagt Nationalspieler Lukas Schubert. Allerdings, erklärt er,  „ist das Spiel für uns eine Leidenschaft“. Ohne Faustball, fügt er grinsend hinzu, „wüssten manche von uns gar nicht mehr, was sie an einem Wochenende machen sollen“. Die Arbeitgeber der Nationalspieler „sind meist sehr großzügig und geben den Spielern bei wichtigen Ereignissen frei“, sagt Neuenfeld.  Allerdings fehlt dem EM-Kader in Oberböhringen noch ein Spieler: Tim Albrecht legte am Donnerstag seine Prüfung zum Psychotherapeuten ab. Pünktlich zum Beginn der Europameisterschaft stößt er aber zur Mannschaft.

Bundestrainer Neuenfeld verkündete kurz vor der Abreise für die Oberböhringer und alle Faustballfans in der Region erfreuliche Neuigkeiten: „Wir kommen wieder nach Oberböhringen, zur Vorbereitung auf die WM 2019.“

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