Bewegung Turntage am PC sind für Razavi „eine Horrorvorstellung“

Der Sport der Zukunft? Ein Asiate simuliert am Computer eine Kampfsportveranstaltung.
Der Sport der Zukunft? Ein Asiate simuliert am Computer eine Kampfsportveranstaltung. © Foto: afp
Deggingen / Von Günter Hofer 13.03.2018

Der Schwäbische Turnerbund (STB) sorgt sich um die Zukunft seiner Vereine. Ein Vortrag beim Gauturntag in Deggingen von STB-Vizepräsidentin Iris Kümmel hatte „Sport und Bewegung in Zukunft – mit dem Verein“ als Thema. Die Referentin stellte die Frage, wie es wohl im Jahr 2030 in einem virtuellen Zeitalter aussehen mag.

  Für Nicole Razavi, Präsidentin des Turngaus Staufen, ist es unvorstellbar, einen Gauturntag virtuell abzuhalten. Sie empfände es als „Horrorvorstellung, wenn jeder in seinem Vereinszimmer vor dem PC sitzt und wir so die Gemeinschaft pflegen“. Der Turngau Staufen befasst sich seit längerer Zeit damit, wo es mit den Vereinen hingeht.

STB-Referentin Kümmel hatte dafür keine Wunderlösung parat, dieses Thema sei mit vielen Fragezeichen hinterlegt. Auf die Frage von Iris Kümmerle, wer von den Anwesenden regelmäßig zweimal pro Woche Sport betreibe bzw. Mitglied in einer festen Trainingsgruppe sei, fiel die Antwort in Deggingen im Vergleich zu anderen Orten überdurchschnittlich hoch aus. Die Referentin vertrat die Ansicht, dass in zehn Jahren noch immer mehr als die Hälfte aller Sporttreibenden in einem Verein organisiert sind.

Wie der Sport hingegen aber auch aussehen könnte, zeigte Kümmerle anhand von Beispielen aus der USA, wo der virtuelle Sport schon Einzug gehalten hat. Unabhängig von Ort und Zeit wird etwa ein Boxtraining in einer virtuellen Landschaft am eigenen Arbeitsplatz abgehalten. Sport, Arbeit und Freizeit wachsen mit dem USA-Beispiel eng zusammen. Die Frage drängt sich auf, was aus dem Wettkampfsport wird und ob zukünftig überhaupt Sieg und Niederlage noch eine Rolle spielen. Ausgebildete Fachtrainer in den Vereinen werden nicht mehr benötigt, denn das Wissen steht online bereit.

Zurechtgeschnitten für die Vereine des Turngaus Staufen war ein Video der Referentin über „Street-Work­out“ aus Amerika. An den Hindernissen und Gerätschaften des täglichen Lebens werden turnerische, akrobatische Übungen präsentiert. Obwohl sicherlich alle Darsteller ihre Basis im Kinderturnen bekamen, wollen sie nicht als Turner bezeichnet werden.

Für den STB stellt sich die Frage, wie solch sportlich begabte junge Menschen in die Vereine geholt werden können. An der Lösung arbeite der Verband Kümmerle. Zum Thema „Sportverein 2030“ wurde eine Studie in Auftrag gegeben und ein Arbeitsbuch für die Vereine erarbeitet. Fazit nach 30 Minuten Kurzreferat von Iris Kümmerle: „Wir müssen uns öffnen für neue Formen.“