Jugendsport Spitze auf Tartan und Parkett

Göppingen / WOLFGANG KARCZEWSKI 03.01.2018

Sowohl in der Leichtathletik als auch beim Handball eilen die Neudeck-Zwillinge Oskar und Felix aus Göppingen von Erfolg zu Erfolg: Im Trikot der LG Filstal wurden die beiden 15-Jährigen im vergangenen Jahr gemeinsam mit Kai Schäffner aus Geislingen Deutscher Mehrkampf-Mannschaftsmeister in der Altersklasse U 16. Neben dem Mannschafts- sicherte sich Oskar auch den Einzeltitel. Felix wurde bereits 2016 Deutscher Meister im Neunkampf. Beim Handball spielen sie in der B-Jugend von Frisch Auf Göppingen in der höchsten baden-württembergischen Liga. Außerdem gehören die beiden knapp 1,90 Meter großen Rückraumspieler dem Kader des Handballverbandes Württemberg an.

„Eigentlich machen wir beide Sportarten gleich gern“, erzählt Oskar, „wir wollen solange wie möglich beides machen.“ Bislang gelingt der Spagat zwischen Handball und Leichtathletik, auch wenn das Training hart ist. Bis zu fünf Mal pro Woche stehen sie auf dem Handballfeld, drei Mal im Verein, zwei Mal mit anderen Sportassen des Mörike-Gymnasiums, wo die beiden die zehnte Klasse besuchen. Hinzu kommt eine Leichtathletik-Einheit.

Beide Sportarten lassen sich für die Neudecks gut kombinieren, weil die Termine nur selten kollidieren. „Die wichtigen Leichtathletik-Wettkämpfe finden meist in den Sommerferien statt“, erklärt Oskar, der im Speerwerfen und in den Laufdisziplinen am stärksten ist, während Zwillingsbruder Felix im Hoch- und Stabhochsprung seine Stärken hat und im Hochsprung den württembergischen Uralt-Rekord von Michael Kohnle von 1,72 Meter auf 1,75 Meter verbesserte.

Dass die Zwillinge überhaupt zum Sport kamen, lag an ihrem älteren Bruder Tassilo, heute als Handballer beim TSV Heiningen aktiv. „Der hat seine beiden Brüder im Garten trainiert“, erzählt Vater Detlev Neudeck.

Die Schule leidet bislang nicht unter dem Leistungssport. „Beide sind sehr gute Schüler und spielen nebenher noch jeweils drei Instrumente“, freut sich Vater Detlev. Der ehemalige Württembergliga-Handballer, der ebenfalls auch Leichtathlet war, kümmert sich im Hintergrund um die sportliche Karriere der Zwillinge. „Ich halte ihnen den Rücken frei, damit sie sich ganz auf den Sport konzentrieren können“, erklärt er.

Trotz ihrer überragenden sportlichen Leistungen – beide gehören in ihren stärksten Disziplinen zu den besten deutschen Athleten in ihrer Altersklasse – sind die beiden auf dem Teppich geblieben. „Bescheidenheit steht bei ihnen an erster Stelle“, freut sich Vater Detlev Neudeck.

Langfristige Ziele haben sich die beiden Brüder nicht gesetzt. „Wir wollen mit der B-Jugend von Frisch Auf um die Deutsche Meisterschaft spielen“, verkündet Felix, „weiter denken wir noch nicht.“ Die Chancen dazu stehen aktuell nicht schlecht, denn die Göppinger belegen in der Baden-Württemberg-Liga momentan den zweiten Platz, der zur Teilnahme an der Qualifikation für das Viertelfinale berechtigen würde.

Doch die nächsten großen Aufgaben warten schon auf die Zwei: Im März findet die Sichtung des Deutschen Handballbundes (DHB) statt. Ebenfalls im März nehmen Felix und Oskar, die im November in den U 18-Nationalkader des Deutschen Leichtathletikverbandes (DLV) berufen wurden, an einem Lehrgang in Kien­baum teil.

Obwohl die beiden erst im Februar 16 Jahre alt werden, wurden sie bereits mit dem Thema Doping konfrontiert. „Wir mussten beim DLV unterschreiben, dass wir uns an die Regeln der Nationalen Dopingagentur (Nada) halten“, berichtet Felix Neudeck. Das war für die Jungs kein Problem, im Gegenteil. „Ich finde es gut, dass man das macht“, unterstreicht Oskar.

Irgendwann, und das ist sowohl Vater Neudeck und auch seinen Zwillingssöhnen klar, müssen sich Felix und Oskar für eine Sportart entscheiden. „Wir haben hier ein echtes Luxusproblem. Zweigleisig zu fahren, ist nicht nur eine sportliche Aufgabe für die Jungs, sondern auch für mich“, erklärt Detlev Neudeck. Doch noch ist keine Entscheidung gefallen. Allzu lange wird es aber wohl nicht mehr dauern.

So spielten sie:

Oberliga:
Mannschaft 1 : Mannschaft2

3:1

Torschützen: Spieler 1 (30.), Spieler 2 (40.), Spieler 3 (60.), Spieler 4 (70.).

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