Motorradsport Schnelle Rundenzeiten reizen immer

Kümmert sich mit seiner ganzen Erfahrung seit vielen Jahren selbst um sein Renn-Motorrad und wartet die Maschinen der Kundschaft: Achim Stein­macher in seiner Eislinger Werkstatt.
Kümmert sich mit seiner ganzen Erfahrung seit vielen Jahren selbst um sein Renn-Motorrad und wartet die Maschinen der Kundschaft: Achim Stein­macher in seiner Eislinger Werkstatt. © Foto: Giacinto Carlucci
Eislingen / Harald Betz 21.07.2018

Achim Steinmacher gibt gerne Gas und bevorzugt dafür die Rennstrecke. Als deutscher Langstreckenmeister im Jahr 1998 mit mittlerweile rund 600 000 Kilometern Zweirad-Routine gibt der 56-jährige Eislinger seine Erfahrung aber auch regelmäßig als Instruktor weiter – einerseits für kleine Gruppen auf den schnellen abgesperrten Pisten Europas oder als Personal Trainer mit Funk in der Einzelbeobachtung im normalen Straßenverkehr. Steinmachers Credo: „Die Linie ist wichtiger als nur am Kabel zu ziehen. Lass einfach die Wilden davonfahren, du wirst sie wieder einholen.“

Seine mit Pokalen geschmückte Werkstatt hat der Kfz-Meister Motobox genannt, in den Räumen an der alten B 10 stehen vorrangig Zweiräder japanischer Bauart, die eine Inspektion oder Reparatur benötigen; einige Maschinen warten auf einen neuen Besitzer. Seit er als 15-jähriger Mofafahrer seine Lehre begann, schraubt Steinmacher, der auch für eine Stuttgarter Motorradzeitschrift aktiv ist, an Motoren und Fahrwerken – wenn viel zu tun ist, steht er schon um fünf Uhr auf.

Doch hinter der Leidenschaft für Technik und Tempo steckt weit mehr als der Broterwerb. Steinmacher fühlt sich auf Rennstrecken besonders wohl, noch immer gelingen ihm auf den Kursen persönliche Bestwerte. „Dass ich Rundenzeiten noch toppen kann, freut mich schon“, gesteht der Familienvater mit einem Grinsen. In der Klassik-Rennszene fühlt sich der gebürtige Esslinger aktuell sehr wohl und genießt die Anerkennung von Motorrad-Legenden, die bei diesen Vergleichen oft auch am Start stehen. So attestierte ihm bei einem EM-Lauf der frühere Langstreckenweltmeister Stephane Mertens, beim Hinterherfahren von Steinmacher gelernt zu haben – „das war ein kleiner Ritterschlag“.

Wie der wesentlich erfolgreichere und stets mit Werksmaterial ausgestattete Champion Mertens kann auch Steinmacher die Teilnahme an legendären 24-Stunden-Rennen wie Le Mans und Paul Ricard vorweisen, immer wieder reichte es zu beachtlichen Resultaten in der jeweiligen Klasse. „Letztlich hatten wir trotz allem Aufwand gegen die Werksteams nur im Regen eine Chance“, so Steinmacher, der in weißer Lederkombi mit rotem Stiefel und Handschuh rechts und gelbem Stiefel und Handschuh links oft fehlende Motorenleistung mit großem Fahrkönnen ausglich. Daraus resultierte im Juni beim Vierstundenrennen in Oschersleben im Klassik-Europacup mit einer Bakker-Kawasaki 1200 ein zweiter Rang, nur elf Sekunden war der Sieger früher im Ziel. Als sein Team einmal beim Bol d’Or in Frankreich aufgrund einer Reparatur aussichtslos zurückfiel, schaffte es Steinmacher trotzdem vor 80 000 begeisterten Zuschauern zum TV-Star, als er mit spektakulären Wheelies auf dem Hinterrad an den vollen Rängen entlangdonnerte.

Um am Ende einer der Schnellsten zu sein, hat Steinmacher, der sich als erstes Motorrad eine Yamaha XT 500 zulegte, seine eigene Trainingsphilosophie, „mein Bausteinsystem“: „Anfangs werde ich vom Feld überholt, ab dem zweiten Training werde ich dann schneller.“ Steinmacher, der im Alltag immer wieder versucht, auffällige Landstraßen-Schnellfahrer  auf die Rennstrecke zu lotsen,  erklärt das negative Signal im Falle eines Abflugs: „Du hast dann eine Narbe im Kopf an der Stelle, wo es zum Sturz kam.“ Er aber sei in all den Jahren nie ernsthaft gestürzt – vielleicht die wertvollste Bilanz des Routiniers nach 15 Erdumrundungen auf zwei Rädern.

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