Biathlon Schempp hadert mit sich

Simon Schempp von der Skizunft Uhingen bereitet sich bei den Olympischen Spielen in Südkorea auf das Stehendschießen vor – es war im vergangenen Winter seine Problemdisziplin im Biathlon-Weltcup.
Simon Schempp von der Skizunft Uhingen bereitet sich bei den Olympischen Spielen in Südkorea auf das Stehendschießen vor – es war im vergangenen Winter seine Problemdisziplin im Biathlon-Weltcup. © Foto: Hendrik Schmidt (dpa)
Uhingen / Harald Betz 05.04.2018
Der zweifache Olympia-Medaillengewinner Simon Schempp weiß um seine Schwächen vor allem beim Stehendschießen.

Den letztlich positiven Blick auf den vor wenigen Tagen zu Ende gegangenen Biathlon-Winter lässt sich Weltklasse-Athlet Simon Schempp von der Skizunft Uhingen nicht nehmen: Schließlich ist der 29-Jährige mit zwei Medaillen von den Olympischen Spielen im südkoreanischen Pyeongchang zurückgekehrt. Doch seine Weltcup-Bilanz lässt den gebürtigen Mutlanger mit sich hadern. Vor allem das Schießen und hier der Stehendanschlag raubten dem Gesamt- Zwölften im Reigen der Weltspitze viel zu oft den Nerv.

„Ich bin natürlich nicht zufrieden, das war seit langem meine schlechteste Saison“, nimmt der Uhinger kein Blatt vor den Mund, um aber dann doch noch eine kleine Korrektur anzubringen: „Stolz bin ich aber trotzdem aufgrund meiner beiden Olympia- Medaillen. In Pyeongchang war ich in einer guten Verfassung und bei den Spielen gingen meine Ziele in Erfüllung.“ Schempp sicherte sich in einer vielbeachteten Zentimeter-Entscheidung hinter dem Franzosen Martin Fourcade die Silbermedaille im Massenstart, mit der deutschen Männerstaffel kam als Schlussläufer eine Bronzemedaille dazu. „Das bleibt mir, vor allem, wenn man die keineswegs optimale Vorbereitung wegen meiner Rückenprobleme mit berücksichtigt“, erinnert sich der sympathische Athlet an seine Leidenszeit im Vorfeld der Spiele, als er sogar Weltcup-Rennen auslassen musste.

Auf den neun Weltcup-Stationen hatte sich der selbstkritische Uhinger deutlich mehr erhofft. Vor Weihnachten verpasste der 29-Jährige mehrmals nur knapp das Podium, im neuen Jahr zwangen ihn die  Rückenschmerzen in Oberhof und Antholz gar zu Pausen im Kampf um wertvolle Punkte fürs Klassement. Zuletzt lief es trotz überstandener gesundheitlicher Einschränkungen nicht mehr wie gewünscht. In Kontiolahti, Oslo und Tjumen machten vor allem schwache Schießergebnisse dem Wahl-Ruhpoldinger immer wieder einen Strich durch die Rechnung, gleich sechs Scheiben blieben im letzten Wettbewerb der Saison, dem Massenstart in Sibirien, für den Massenstart-Weltmeister des Vorjahres stehen.

„So schlecht habe ich noch nie geschossen. Stehend war immer meine Stärke, jetzt wurde es zum Manko“, ärgert sich Schempp rückblickend. Nachdem er die Unsicherheit registriert hatte, habe er wahnsinnig viel probiert, etwa eine veränderte Beinstellung, verrät der Uhinger, aber er habe das Problem in dieser Saison nie lösen können. „Das war wirklich nervenaufreibend“, so der Fußballfan mit der Vorliebe für Bayern München, „ich hatte wahrlich schon bessere Jahre am Schießstand.“ Insgesamt habe er aber auch mit Blick auf die körperliche Verfassung Anfang des Jahres das Beste aus der Saison gemacht. Nun gelte es, Abstand zu gewinnen und dann diese Weltcup-Leistungen zu analysieren. „Eine solche Erfahrung habe ich in all meinen Profijahren nun zum ersten Mal gemacht und vielleicht kommt ja die Sicherheit am Schießstand so schnell wieder wie sie abhanden gekommen ist“, gibt sich Schempp zuversichtlich.

Vorbereiten auf die neue Saison muss sich der Mann von der Skizunft auf jeden Fall mit einem neuen Trainer. Andreas Stitzl, vielen Fernsehzuschauern als stimmgewaltiger Unterstützer an den Biathlonstrecken bekannt, nimmt ein Diplomstudium an der Kölner Sporthochschule in Angriff, sein Nachfolger wird bei den Cheftrainer-Klausuren in diesem Monat benannt. Währenddessen taucht Simon Schempp ab in den Urlaub – in den US-Metropolen New York und Miami will er neue Kräfte sammeln.

Phänomen Björndalen hat auch Simon Schempp über Jahre mächtig beeindruckt

Legende Mit Ole Einar Björndalen trat diese Woche eine Sportpersönlichkeit zurück, die den Biathlon-Sport über mehr als zwei Jahrzehnte geprägt hat. Als achtfacher Olympia-Goldgewinner, 20-maliger Weltmeister und sechsfacher Weltcup-Gesamtsieger hat der Norweger Geschichte geschrieben. „Ole ist die Biathlon-Legende schlechthin, seinen Status hat sonst keiner erreicht, ich habe immer zu ihm hochgeschaut“, hält Simon Schempp anerkennend fest. Der Uhinger kann sich noch gut an sein erstes Weltcupjahr erinnern, als er nach einem Staffelrennen mit Björndalen gleichzeitig im Umkleide-Container war. „Er hat mich angesprochen und wir haben uns lange unterhalten, ich als der Neue und er als erfolgreichster Athlet, ich war schon perplex“, kann Schempp vom ersten Aufeinandertreffen mit dem fast 15 Jahre älteren, bewunderten Kontrahenten berichten.

Verband IBU-Präsident Anders Besseberg könnte sich Ole Einar Björndalen in der Zukunft als seinen Nachfolger bei der Internationalen Biathlon-Union vorstellen. Simon Schempp stimmt zu: „Björndalen wäre prädestiniert, keiner hat mehr Erfahrung, kennt die Seite der Sportler und wäre die gewünschte Figur. Er ergreift auch das Wort und als Respektsperson gilt sein Wort auch. Diesen Ruf hat sich Ole erarbeitet.“  

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