Kraftsport Rekorde sind Jenny Nasers Ding

Jenny Naser ist deutsche Meisterin im Powerlifting.
Jenny Naser ist deutsche Meisterin im Powerlifting. © Foto: Chris Klasen
Treffelhausen / Claudia Burst 30.12.2017

Vier Rekorde hat Jenny Naser bei den Deutschen Meisterschaften im Powerlifting in Ansbach zermalmt und ist seitdem Deutsche Meisterin der German Drug-Free Powerlifting Federation in diesem Kraftdreikampf.

Dabei erkämpfte sich die ehrgeizige Sportlerin aus Treffelhausen noch im vergangenen Jahr die deutsche Vize-Meisterschaft in einer völlig anderen Sportart: im Moto-Cross mit ihrer 125er-Yamaha. Es war ein Titel, auf den sie stolz war – immerhin hatte sie elf Jahr lang dafür trainiert.

Und es war ein Erfolg, den sie sprichwörtlich unter Lebensgefahr erobert hatte. Ein schwerer Sturz bei einem Trainingslauf in jenem Sommer knockte sie für drei Monate beruflich und sportlich aus, sie hatte Verletzungen an Kopf und Rücken davongetragen. Trotzdem hatte sie – ohne Training – die letzten beiden Rennen mitgefahren und die Vizemeisterschaft erobert.

Es wurde für Jenny erst nach und nach deutlich, wie sehr der Unfall sie mental erschüttert hatte. „Die Szene steckt im Kopf fest. Man fährt danach einfach nicht mehr mit demselben Draufgängertum“, erzählt die 22-Jährige. Dazu kam ein Todesfall im Fahrerlager, der ihr die Gefährlichkeit dieser Sportart zusätzlich deutlich gemacht und schmerzhaft vor Augen geführt hatte. All das beschäftigte sie den ganzen vergangenen Winter über. „Ich hatte einen Durchhänger, wusste nicht, wie es weitergehen sollte“, bekennt Jenny Naser.

Im Frühling schaffte sie schließlich den Weg aus ihrer „kleinen Winterdepression“ heraus, wie sie es selber nennt. Zum Powerlifting war es nun nur noch ein kleiner Schritt. Bereits während ihrer Motocross-Zeit hatte Kraftsport zu ihrem regelmäßigen Training gehört. „Weil es einfach Kraft braucht, um ein liegendes Motorrad wieder aus dem Matsch zu ziehen und aufzurichten“, erklärt sie. Sie entschied sich, mit Powerlifting anzufangen – „als Alternative“ – und von Anfang an mit dem konkreten Ziel, „damit die deutsche Meisterschaft zu gewinnen“.

Powerlifting ist ein Kraftsport, den auch ihr Freund Johannes Schiller mit Erfolg betreibt. Der steht ihr als Trainer zur Seite und gibt ihr die notwendigen Tipps. Wobei Jenny Naser erst einmal mit einer alten Liebe brechen musste: die zu einer bekannten deutschen Haselnusspraline. Zehn Kilogramm galt es für sie abzunehmen, um im Oktober in der Gewichtsklasse bis 63 Kilogramm antreten zu können. Das bedeutete „Eier, Reis, Reiswaffeln, Salat, Pute und Hähnchen“, das bedeutete „keine Pommes und nichts Süßes“ – und das bedeutete fünfmal Training pro Woche im Fitnessstudio des Kraftsportclubs Germersheim.

Nebenher noch Job und Studium

Das Ganze übrigens nach einem harten Arbeitstag als Mechatronikerin beim Autozulieferer Ebers­pächer in Herxheim. Dort in der Nähe wohnt sie inzwischen. Von dort aus betreibt sie außerdem noch ihr Fernstudium „Mechatronik“, das sie seit 2014 parallel zur Ausbildung als Kfz-Mechatronikerin absolviert und das sie als Ingenieurin im kommenden Jahr abschließen will. „Dafür opfere ich die meisten Wochenenden“, erzählt Jenny Naser.

Wie alles, was sich die junge Frau vornimmt, klappte es mit dem Abnehmen und somit auch  mit der gewünschten Gewichtsklasse. „Es war eine Punktlandung“, sagt sie.

Jenny Naser schaffte bei der DM die Kniebeugen mit 105 Kilo an der Hantelstange auf ihren Schultern, sie drückte von der Bank aus 50 Kilo nach oben und schaffte im Kreuzheben – also aus dem Stand – 127,5 Kilogramm. Damit knackte sie nicht nur alle drei bestehenden Rekorde, sie erreichte mit den insgesamt 282,5 Kilo auch den „Total Record“, also den Rekord in der Summe aller drei Einzelsportarten.

Das nächste Ziel hat sich Jenny Naser bereits gesetzt: „Ich will im kommenden Jahr Weltmeisterin werden“, sagt sie. Das bedeutet 20,5 Kilo mehr Gewicht bei den Kniebeugen, 12,5 Kilo mehr beim Kreuzheben und mindestens 60 statt 50 Kilo beim Bankdrücken.

Powerlifting in Kürze

Im Gegensatz zum Gewichtheben, das die zwei Disziplinen Reißen und Stoßen umfasst, werden beim Kraftdreikampf drei Disziplinen ausgeführt: die Kniebeuge, das Bankdrücken und das Kreuzheben.

Der Verband German Drug-Free Powerlifting Federation (GDFPF) gehört zum Weltverband World Drug-Free Powerlifting Federation (WDFPF). Dieser wurde 1988 gegründet, um Kraftdreikämpfern eine weltweite dopingfreie Wettkampforganisation zu bieten. Die WDFPF führt eine der rigorosesten Dopingkontrollverfahren der Welt durch. Für Jenny Naser ist dieser Aspekt „ausgesprochen wichtig“.

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