Geislingen Raser, Flieger und ein Dauerläufer

Geislingen / Von Thomas Friedrich 10.09.2018
Der Franzose Baptiste Boirie gewinnt mit 5,50 Metern das Geislinger Stabhochsprung-Meeting vor dem Letten Mareks Arents.

Die Musik war Programm. Boirie hatte für seine Sprünge van Halens „Jump“ gewählt, viel passender kann ein Stabhochspringer seine Begleitmusik nicht aussuchen. Beinahe hätte der Triumphator seinem Sahnetag noch die Krone aufgesetzt. Nachdem Vorjahressieger Mareks Arents die 5,55 Meter zum dritten Mal gerissen hatte und Boiries Sieg feststand, ließ der die Latte für seinen dritten Versuch auf 5,60 Meter legen. Es wäre persönliche Bestleistung gewesen, hätte sich die Latte nach mehrmaligem Wackeln nicht doch noch entschieden herunterzufallen. „Der Kampfrichter hätte ja noch drei Sekunden wegsehen können“, bedauerte Meeting-Sprecher Holger Scheible das Pech des Franzosen.

Die 1500 Zuschauer hätten es dem Sonnyboy aus Clermont-Ferrand gegönnt, sie fieberten mit dem stets gute Laune verbreitenden Franzosen am Ende fast ebenso mit wie sie es lange Zeit mit ihrem Local Heroe getan hatten. Jakob Köhler-Baumann war als Geislinger natürlich der Held der Massen, die ihn am Ende für einen starken dritten Platz feierten. Den erreichte er mit 5,40 Metern, an der erhofften offiziellen  Bestmarke scheiterte er. Trainer Ivan Macura-Böhm war dennoch nicht unzufrieden mit dem Auftritt des 24-Jährigen.  „Um die maximale Höhe rauszuholen, braucht man auch Glück“, sagte Macura-Böhm. Genau das fehlte seinem Schützling am Samstag, vor allem im ersten, richtig guten, Versuch  über Fünffünfzig.

Das Publikum bekam diesmal eine Menge geboten, so viele Sprünge wie noch nie. Das Feld der neun Springer, die Junioren Fabian Brummer und Nikolas Meier kamen doch nicht, hatten die Organisatoren mit Bedacht gewählt. Alle neun lagen eng beisammen, der Sieger von 2016 wurde gar Letzter. Stanley Joseph aus Frankreich war lange verletzt und musste sich mit 5,20 Metern begnügen. Mit dieser Höhe ist in Geislingen noch kein Springer auf dem letzten Platz gelandet, das zeigt die hohe Qualität des Feldes bei der sechsten Auflage.

Das Level war so hoch, dass Albwerk-Vorstandschef Gerhard Rinklin beide mitgebrachten Flachbild-Geräte loswurde. Außer Boirie nahm auch der höhengleiche Vorjahressieger Mareks Arents einen Fernseher mit, bereits seinen zweiten. Der im Vorjahr gewonnene steht bei ihm im Schlafzimmer, für den am Samstag ersprungenen wird er ebenfalls „sicher eine gute Verwendung“ finden. Ansonsten war der Lette mit seinem Ergebnis „nicht wirklich“ zufrieden, er hätte zu gerne wieder gewonnen. Nachdem er für die 5,40 und 5,50 jeweils drei Versuche gebraucht hatte, war er bei den 5,55 „einfach zu  müde“ und scheiterte dreimal. Insgesamt, gestand Arents, hatte er Probleme mit der Konzentration. „Solche Tage gibt es einfach“, sagt er, da könne man nichts machen.

Baptiste Boirie nutzte die Gunst der Stunde. Der Franzose hat den Tag mit seinem hauchdünn gerissenen Versuch über Fünfsechzig beendet, nachdem er ihn mehr als zwei Stunden zuvor eröffnet hatte. Boirie ist der weltweit einzige Stabhochspringer, der sich mit einem elektronisch angetriebenen Skateboard zu springen traut. In Geislingen gelangen ihm drei souveräne Sprünge über 5,50; 5,70 und 5,90 Meter.  Ein Versuch über die magische Grenze von sechs Metern blieb aus. Ein solcher, erklärte Meeting-Direktor Klaus Täubert, hätte „noch einige Euro extra“ gekostet, und das Budget war schon ausgeschöpft. Es hätte noch teurer werden können. Ein Franzose rast auf seinem Untersatz mit 40 Stundenkilometern durch die Fuzo, und das Ordnungsamt schweigt. Das hätte es zu Paul Thierers Amtszeit nicht gegeben.

Neben strahlenden Gewinnern hat jede Veranstaltung auch Enttäuschte. Stanley Joseph gehörte dazu, ebenso Malte Mohr vom TV Wattenscheid. Der 32-Jährige mit einer, allerdings schon sechs Jahre zurückliegenden, Bestleistung von 5,91 Metern ausgestattet, kam nicht über Fünfdreißig hinaus.  Der Routinier war der Dauerläufer am Samstag, bei vier von sieben Versuchen lief er einfach unter der Latte durch.

Der dritte Franzose blieb wie Joseph unter seinen Möglichkeiten. Mathieu Collet landete höhengleich mit Mohr nur auf Rang sieben. In der Familienwertung liegt er weit hinter seinem Vater zurück. Philippe Collet zählte Ende der Neunziger zur Weltklasse und hat eine Bestleistung von 5,91 Metern stehen. Der 23-Jährige hat aber noch ein paar Jährchen Zeit, seinen Hausrekord (5,55m) dem seines Erzeugers anzunähern. Womöglich schon nächstes Jahr in Geislingen.

Am Publikum wird’s nicht scheitern. Die Zuschauer haben dieses Event längst angenommen, auch 2019 dürften wieder weit über 1000 von ihnen die Fußgängerzone bevölkern.

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Ergebnisse

1. Baptiste Boirie (Frankreich) 5,50
2. Mareks Arents (Lettland) 5,50
3. Jakob Köhler-Baumann
    (LG Filstal) 5,40
3. Lamin Krubally (ASV Landau) 5,40
5. Daniel Clemens
    (LAZ Zweibrücken) 5,40
6. Malte Mohr (TV Wattenscheid) 5,30
7. Mathieu Collet (Frankreich) 5,30
8. Dennis Schober (ASV Landau) 5,20
9. Stanley Joseph (Frankreich) 5,20

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