Der Vorjahressieger über 300 Kilometer war auch in diesem Jahr der Schnellste über die Langdistanz. Benjamin Doser aus Isny sah im Ziel locker und entspannt aus. Das hat ihm Moderator Freddy Eberle sofort angesehen. „Du siehst viel besser aus als letztes Jahr“, begrüßte er den Sieger im Ziel. Diesmal, erklärt Doser, hat er sich „die Kräfte richtig eingeteilt“, weil er nun wusste, was ihn erwartet. Das waren 300 Kilometer über die Schwäbische Alb mit 5700 Höhenmetern.

Den schlimmsten Anstieg hat Veranstalter MRSC Ottenbach diesmal aus dem Programm gestrichen. Der Hornberg habe im Vorjahr gleich zu Beginn vielen Fahrern „den Stecker gezogen“, begründet Streckenplaner Wolfgang Liebl den Verzicht. Dafür ging es einmal komplett um den Neuffen herum, so kamen auch ohne Hornberg  200 Höhenmeter mehr zustande als vergangenes Jahr. Die Rampen waren „nur nicht mehr so schroff“, erklärt Liebl.

Er muss zwei Interessen unter einen Hut bringen: Den Rad-Extremisten kann es gar nicht schwer und  steil genug sein, sie „finden den Hornberg super“ die Hobbyfahrer über 200 und 250 Kilometer haben es lieber etwas gemütlicher. Ihnen war es im Vorjahr etwas zu steil, viele „mussten sogar absteigen“, erinnert sich Liebl.

Diesmal kamen die Hobbyfahrer auf ihre Kosten. Heidi Bayer aus Esslingen ist begeistert von der Strecke und dem Wetter. „Nicht so steil und viel weniger Autos“ als im Vorjahr, der 58-Jährigen gefiel es bei ihrer sechsten Teilnahme noch besser als sonst. Durch den reduzierten Verkehr geriet das Radfahren weitaus „stressfreier“ als sonst.

Vom Wetter schwärmten alle Fahrer, weil da „das Rad von ganz alleine rollt“, wie Eberle flapsig dem Publikum im Ziel mitteilte. Ganz unproblematisch war es nicht. Nach den Regengüssen in der Nacht trockneten nicht alle Stellen rechtzeitig ab. Heidi Bayer hat einige Stürze gesehen, weil manche Fahrer „zu schnell für diese Strecke“ unterwegs waren.

Am Schluss waren sie alle langsam, schoben ihr Rad durch den Zielkanal. Manche benutzten ihr Gefährt sogar als Stütze. Auch Lars Vielsack war „völlig groggy“ nach 250 langen Kilometern. Der 25-jährige Karlsruher schwärmt aber von der „perfekt ausgeschilderten“ Strecke und der „optimalen“ Verpflegung. So hat die knapp elfstündige Tour „unsagbar viel Spaß gemacht“.

Solche Statements hört Streckenplaner Liebl gerne. Der 250 Mitglieder starke MRSC Ottenbach hat wieder 400 Helfer mobilisiert, deren Arbeit damit nicht umsonst war. Fahrer aus 13 europäischen Nationen sowie aus Kanada, USA und Australien machen den Alb-Extrem-Radmarathon zu einem der beliebtesten Rennen weltweit.

Auch die Spitzenfahrer finden immer wieder gerne den Weg nach Ottenbach, zumal das Rennen mehr Höhenmeter biete als der legendäre Ötztaler Radmarathon, erklärt Liebl. Benjamin Doser hält vom Rennen in Tirol ohnedies wenig. Ihm ist dieser Wettbewerb „viel zu teuer“, der Sieger von 2015 und 2016 kommt auch kommendes Jahr lieber nach Ottenbach. Da findet er’s „viel schöner“ als im Ötztal. Das hört Wolfgang Liebl erst recht gerne.

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