Treffelhausen/Geislingen Peter Aigner: Man muss immer kreativ sein

Treffelhausen/Geislingen / Jochen Weis 11.07.2018
Leichtathletik-Coach Peter Aigner liebt die Herausforderung, in kleinen Vereinen mit geringen Mitteln die Kids maximal zu fördern.

Er ist Trainer mit Leib und Seele: Peter Aigner. Seit 34 Jahren formt und entwickelt er den Leichtathletik-Nachwuchs, 20 Jahre davon beim TV Treffelhausen – Ausrichter des Gau-Kinder- und Jugendturnfests am vergangenen Sonntag – und bei der TG Geislingen. Außerdem ist er Lehrwart des Turngaus Staufen sowie des Schwäbischen Turnerbundes. Kurzum: Aigner ist eine Institution, ans Aufhören mag der 71 Lenze junge Böhmenkircher nicht einmal denken, „mir macht alles Spaß wie eh und je“. Ein Leben für den Sport.

Sein Beweggrund, seine Motivation für dieses jahrzehntelange Engagement, insbesondere als Trainer ist einfach: „Ich mache das nur wegen der Kinder. Mein Augenmerk liegt auf der Körper-Koordination. Da liegt vieles im Argen bei den Kindern und Jugendlichen – und es wird immer schlimmer, weil sie sich immer weniger bewegen“, sagt Aigner. Für ihn sei es eine unvergleichliche Erfahrung, wenn er die Entwicklung der Kinder über die Jahre verfolge – „wenn sie zum ersten Mal in die Übungsstunden kommen, wenn man dann die ersten Fortschritte sieht, später die ersten sportlichen Erfolge.“

Dabei kennt Aigner so gut wie kaum ein Zweiter den Spagat, den die Übungsleiter machen müssen – nicht nur, um die Kids für Sport zu begeistern, sie bei der Stange zu halten. Es ist im selben Maße der Spagat zwischen Stadt und Land, zwischen den Möglichkeiten – Ausstattung, Geräte, Sportanlagen –, wie er sie beispielsweise in Geislingen als Leichtathletik-Coach vorfindet oder aber in Treffelhausen, in der Turn- und Leichtathletikabteilung, wo alles eine Nummer bescheidener ausfällt.

„Auf dem Land rückt vor allem der Breitensport-Gedanke in den Vordergrund, das heißt, die Freude an der Bewegung und speziell bei den Kindern die motorische und damit auch die kognitive Entwicklung zu fördern“, erklärt Aigner: „In den kleinen Vereinen bekommen die Kinder ihr sportliches Rüstzeug mit auf den Weg, dort werden Grundlagen für die körperliche Entwicklung gelegt.“ Weshalb ein wichtiger Teil der Arbeit Aigners in Treffelhausen die Kooperation mit Grundschule und Kindergarten ist.

In den großen Vereinen der Städte dagegen stehe viel stärker der Leistungssport-Gedanke im Vordergrund. „Natürlich leisten auch dort die sporttreibenden Vereine bei den Kindern koordinative Grundlagenarbeit. Aber im weiteren Verlauf geht die Entwicklung auseinander“, sagt Aigner: „Der Einstieg läuft über den Verein vor Ort. Und da ist auf dem Land die Identifikation mit dem Sportverein viel größer als in der Stadt. Aber wer ambitioniert ist, wer weiterkommen möchte, der geht später in diese Großvereine, das ist der Lauf der Dinge.“ Das Einzugsgebiet der TG erstrecke sich aufs gesamte Umland. „Was schon daran liegt, dass die Kinder und Jugendlichen in Geislingen die weiterführenden Schulen besuchen. Da führt dann der Weg – je nach Sportart – zur TG oder zum TVA.“

Wobei sich auch in diesen Vereinen die Entwicklung wiederhole. Die Top-Athleten ziehen wieder weiter zu größeren Vereinen und Clubs mit noch besseren Voraussetzungen und Möglichkeiten. „Eine Lena Urbaniak, die als Spitzen-Kugelstoßerin der LG Filstal die Treue hält, ist da schon eine außergewöhnliche Ausnahme.“

Was Aigner wieder an den Ausgangspunkt der Überlegungen bringt. „Da gibt es keine Jugendarbeit, die besser oder schlechter ist. Alles ist gleich wertvoll und wichtig, nur eben anders.“ Beispiel Treffelhausen. Von den 800 Mitgliedern sind 20 Prozent Nachwuchs, also Kinder und Jugendliche. Zwar haben die Handballer die größte Anziehungskraft, dennoch sind auch bei der Abteilung Turnen und Leichtathletik gut 60 Jungen und Mädchen gemeldet, 15 davon machen bei Aigner Leichtathletik.

„Um die ganzen Disziplinen üben zu können, muss ich mehr improvisieren“, sagt er. Da geht Langstrecke dann eben statt auf der Rundbahn um den Rasenplatz. Ein anderes Beispiel: Hürdenlauf. „Eine Hürde kostet etwa 120 bis 140 Euro“, erklärt Aigner. Allein für eine Bahn bräuchte man für die 100 Meter zehn Stück. „Die Anschaffung wäre viel zu teuer für eine kleine Abteilung“, sagt Aigner, „also nehme ich einfach Bananenkisten, die bekommt man umsonst. Und die Kids haben richtig Freude daran, über diese Kisten zu sprinten, weil es doch etwas Ungewöhnliches ist.“ Mit solchen Kniffen halte man die jungen Sportler bei Laune.

Oder aber Hochsprung. „Dazu müssen wir in die Halle, wir haben keine Freiluftanlage. Beim Training kommen dann Weichbodenmatten auf Kastenelemente.“ Außerdem arbeite er viel mit Theraband, „damit lassen sich ganz gezielt Muskeln, aber auch Bewegungsabläufe wie beim Speerwerfen trainieren.“

Wo er lieber Trainer ist – im kleinen Dorfverein (wobei klein beim TVT nun auch relativ ist) oder beim großen Stadtverein? „Trainer bin ich überall gleich gern“, sagt Aigner, „aber die Aufgabe auf dem Land ist reizvoller. Man muss dort immer kreativ bleiben und schauen: Welche Möglichkeiten habe ich? Und wie setze ich sie ein?“

Bei allem ist für Aigner ein weiterer Aspekt bei seiner Arbeit unabdingbar: Er sieht sich nicht nur als Trainer, sondern auch als Mentor seiner Schützlinge – egal in welchen Vereinen. Und dazu gehöre die Vermittlung von Werten. „Der gegenseitige Respekt, die Achtung des anderen spielt eine ganz große Rolle. Bei uns gibt es das nicht, dass jemand lacht, wenn bei einem anderen eine Übung nicht klappt. Jeder hat gute und schlechte Tage, jeder verliert und gewinnt mal. Da gibt es keinen Grund, mit etwas zu prahlen oder sich über andere lustig zu machen“, sagt Aigner, „die Kinder sollen keinen Frust bekommen und womöglich nichts mehr machen. Denn Sport ist und bleibt immer eins: Spaß an der Bewegung.“

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