Schießen Nachsitzen für Klassenerhalt

Der Platz in der zweiten Liga ist gefährdet: Für Tom Unger und die Luftgewehr-Schützen des SV Wiesensteig steht Mitte Februar die Relegation an. 
Der Platz in der zweiten Liga ist gefährdet: Für Tom Unger und die Luftgewehr-Schützen des SV Wiesensteig steht Mitte Februar die Relegation an.  © Foto: Günter Hofer
Wiesensteig / Günter Hofer 17.01.2018
Die Luftgewehrmannschaft des SV Wiesensteig muss im Februar in die Relegation. Es geht um den Verbleib in der 2. Liga.

Seit 2016 sind die Luftgewehr- Schützen von Wiesensteig in der zweithöchsten Klasse vertreten. ­Ein Mal pro Saison steht ein Heimspieltag auf dem Programm. Gewisse Kriterien, die Wiesensteig im eigenen Schützenhaus nicht vorhalten kann (zwölf Schießplätze nebeneinander, Platz für mindestens 100 Zuschauer), sind vom Verband für einen Heimspielaustragungsort vorgeschrieben. Heimspiel heißt deshalb für den SV Wiesensteig auswandern zum Schießen zum Nachbarn SV Gruibingen.

Gegen KKSV Heitersheim und SV Jockgrim musste Wiesensteig am Sonntag seine Gewehre auspacken und seine Treffsicherheit unter Beweis stellen. Fünf Schützen, egal ob Mann oder Frau, treten von jedem Verein zeitgleich gegeneinander an und haben für ihre 40 Wettkampfschüsse aus dem Luftgewehr als Zeitvorgabe 50 Minuten.

Wie nahezu in jeder Sportart geht’s auch bei den Schützen nicht ohne Vorbereitung. Die Statuten sehen eine Einschießzeit von 15 Minuten vor. Bevor es auf den Schießstand geht, der drei Meter von den Zuschauern entfernt sein muss, führt der Weg für jeden Schützen zur Waffen- und Kleiderkontrolle. Das Sportgewehr, dass mit dem klassischen Luftgewehr, mit dem ein Lausbub in frühen Jahren vielleicht mal auf Spatzen geschossen hat, nicht die geringste Ähnlichkeit hat, darf zum Beispiel maximal 5,5 Kilogramm wiegen. Die Haltbarkeit der Druckluftkartusche ist auf zehn Jahre festgelegt. Eine Sicherheitsschnur – die muss beim Transport im Lauf sein – muss dem Prüfer vorgelegt werden.

So mancher fragt sich vielleicht auch, ob es überhaupt Spaß macht, als Zuschauer zum Beispiel zum SV Wiesensteig zu gehen und einen Luftgewehr Bundesligaspieltag live mitzuerleben. Man sieht ja die Treffer in zehn Meter Entfernung nicht, man hört nichts und muss zudem mucksmäuschenstill sein, so die gängige Annahme. Doch weit gefehlt. Die Zeiten, gehören bei den Schützen schon seit einigen Jahren der Vergangenheit an.

Die kleine Zielscheibe wird von vier Sensoren elektronisch erfasst und vermessen. Jeder Treffer wird zeitnah für den Zuschauer auf eine große Leinwand projektziert. Die Handkurbel zum Ein- und Ausfahren der Zielscheibe gibt es schon lange nicht mehr. Auch die Ruhe bei der Konzentrationsphase der Schützen ist längst Geschichte, lautstarkes Anfeuern wie bei nahezu allen Sportarten auch üblich. Lediglich Druckluftfanfaren, Trommeln oder überdimensionierte Ratschen sind tabu. Der Weg ins Schützenhaus als Zuschauer lohnt sich also allemal.

Der SV Wiesensteig hofft, das Live-Erlebnis 2. Bundesliga seinen Fans noch lange bieten zu können. Nach dem jüngsten 3:2-Sieg über Heitersheim und der 2:3-Niederlage gegen Jockgrim steht der SVW auf dem siebten und damit vorletzten Tabellen-Platz, was die Relegation bedeutet. Die ist Mitte Februar in Pforzheim und wird die Entscheidung darüber bringen, ob die Farben des  SV Wiesensteig im Luftgewehrschießen weiterhin in der 2. Bundesliga vertreten sind.

Ergebnisse im Überblick

2. Bundesliga Luftgewehr

Wiesensteig-Heitersheim 3:2
Tobias Müller (389)/Fabienne Füglister (389), Michael Wörz (384)/Kim Schladebach (394), Martin Abt (389)/Susanne Schladebach (388), Tom Unger (389)/Dominik Vidakovic (383), Anita Mangold (385)/Melanie Hamm (380).

Wiesensteig-Jockgrim 2:3
Tobias Müller (386)/Sophie Petry (391), Martin Abt (385)/Kristina Steeg (388), Tom Unger (393)/Peter Gehrlein (387), Anita Mangold (388)/Simone Keiber (383), Mark Wegerer (377)/Andreas Horn (378).