Mountainbike Albtraufmarathon: Meister wühlt geduldig im Matsch

HARALD BETZ 11.09.2017
Markus Bauer aus Freiburg teilt sich beim Gruibinger Albtraufmarathon die Kräfte am besten ein und gewinnt nach harten 96 Kilometern im Zielsprint den nationalen Titel.

Aus einem dreckverkrusteten Gesicht blitzten die Zähne beim gewaltigen Freudenschrei hell hervor, Markus Bauer war nach dem Gewinn des deutschen Meistertitels im Mountainbike-Marathon überglücklich. Der 28-jährige Freiburger hatte seinen schärfsten Konkurrenten Simon Stiebjahn erst auf der Gruibinger Zielgeraden bezwungen, gerade mal drei Sekunden trennten die beiden Ausdauer-Helden nach 96 Kilometern Parforce-Ritt beim Albtraufmarathon mit seinen 2540 Höhenmetern, die Stoppuhr blieb für Bauer bei 3:46:13 Stunden stehen. Völlig verausgabt, glücklich zitternd und mit einer Ganzkörper-Schlammpackung fast unkenntlich gemacht, umarmten sich beide Kontrahenten herzlich, sichtlich stolz, sich am Ende aus einer starken Führungsgruppe durchgesetzt zu haben.

Bauer und Stiebjahn hatten zuletzt noch Titelverteidiger Markus Kaufmann abgeschüttelt, dahinter reihten sich mit Moritz Milatz, Jochen Käß, Tim Böhme, Matthias Leisling, Luca Schwarzbauer, Karl Platt und Andreas Seewald weitere nationale Spitzenfahrer innerhalb weniger Minuten in der Ergebnisliste ein. Bei den Frauen gewann Silke Ulrich (Niederlinxweiler) in 3:59:20 Stunden vor Elisabeth Brandau und Stefanie Dohrn, Nina Krauss vom MRSC Ottenbach belegte Rang 14 (4:57:51). Rang zwei bei den Masters I sicherte sich Florian Vrecko (Coup Cycle Göppingen/4:04:35).

Für Sieger Markus Bauer ging in Gruibingen ein Traum in Erfüllung. Schon mehrmals in verschiedenen Bike-Disziplinen deutscher Vizemeister geworden, stand der Student aus dem Schwarzwald erstmals ganz oben auf dem Podest und freute sich über die Goldmedaille. „Vielleicht tut sich mit dem Meistertrikot noch ein Türchen auf“, hofft Bauer, der für die kommende Saison noch keinen Vertrag hat, zumal sich sein bisheriges Team zurückzieht, „aber ich mache nur weiter, wenn ich in der Weltspitze mitfahren kann, sonst beende ich meine Karriere.“ Diese hing im April 2016 schon am seidenen Faden. Beim Weltcup-Training im australischen Cairns stürzte der Student für Produktinnovation schwer und brach sich die Hüfte, noch Anfang dieses Jahres kämpfte Bauer mit einschlafenden Beinen. In Gruibingen ließ er diese schwierige Zeit hinter sich. Hinter einem Führungsduo hatte sich Bauer lange in einer Zwölfergruppe befunden, „auf dem tiefen, matschigen Untergrund wusste ich, dass man die Nerven bewahren muss, um an Ende dabei zu sein“. Am Aufstieg zum Deutschen Haus schloss man auf, zu acht ging es vorne in die Endphase. Zuletzt waren Bauer, Stiebjahn und Kaufmann unter sich, „eine Medaille war mir sicher“. Am Schluss hatte Bauer auch das Glück auf seiner Seite, Stiebjahn rutschte in der letzten Kurve etwas weg.

  Unter den rund 500 Teilnehmern auf den insgesamt vier Strecken zählte vor allem auf der Familienrunde über 20 Kilometer der Spaß am Radfahren im Gelände. Der sechsjährige Moritz Haaga als jüngster Teilnehmer strahlte im Ziel unter seinem bunten Cross-Integralhelm hervor: „Das war ganz schön dreckig.“ Mit Schwester Lily, Mama Steffi und Papa Daniel hatte der kleine Mann den Parcours bewältigt.

Auf der Kurzdistanz über 48 Kilometer waren Maximilian Lein und Tim Schwinger vom AST Süßen vorn dabei. Lein landet nach 2:11 Stunden auf Platz vier, Schwinger wurde Siebter (2:17). Die beiden Schlater sprachen von einer rutschigen und anstrengenden Angelegenheit entlang des Albtraufs, für Schwinger gehört das Rennen zu den „attraktiven Marathons“.

Dieses Attribut hörte auch Albert Bosler gestern Nachmittag immer wieder, der stolze Cheforganisator vermeldete „keine Klagen“ nach einem trotz der schweren Bedingungen „schnellen Rennen“. Sieger Markus Bauer bestätigte: „Riesen Respekt, das ist super organisiert, der Veranstalter hat sich echt Mühe gegeben.“