Neun deutsche Rekorde hat Jenny Naser aus Treffelhausen innerhalb eines Jahres in der Sportart Powerlifting (Kraftdreikampf) aufgestellt. Vier Rekorde gelangen der 23-Jährigen bereits vor einem Jahr, als sie zum ersten Mal den ersten Platz in der Deutschen Meisterschaft errang. Und das, nachdem sie in den Jahren davor noch als Motocrosserin deutschlandweit erfolgreich war. Drei weitere Rekorde pulverisierte die ehrgeizige Sportlerin im März beim „Single Event“, der Deutschen Meisterschaft in jeder einzelnen Disziplin des Powerliftings. Also beim Bankdrücken, beim Gewichtheben aus der Kniebeuge und beim Kreuzheben aus dem Stand.
Jetzt, Mitte Oktober, fand in Ansbach die DM statt. „Ich war voll aufgeregt vor dem Wettkampf, ich weiß gar nicht warum“, erzählt sie. Geschadet hat das nicht – Jenny schaffte es mit dem Rekord-Gesamtgewicht von 325 Kilogramm in allen drei Disziplinen, ihren deutschen Meistertitel erfolgreich zu verteidigen. Der liegt jetzt 7,5 Kilo über dem bisherigen Rekord.
Das hat sie vor allem ihrer Lieblingsdisziplin, dem Kreuz­heben, zu verdanken. Darin verbesserte sie sich seit den Single-Events im März um glatte 17,5 Kilo und schaffte jetzt sage und schreibe 147,5 Kilo. Damit lag Jenny um 5 Kilogramm über dem bisherigen deutschen Rekord. Bei der Kniebeuge stemmte sie 115 Kilo und erreichte damit das beste Ergebnis an diesem Tag, beim Bankdrücken war sie ebenfalls Tagesbeste mit 62,5 Kilo. „Am Ende hab ich vor Freude geheult“, gesteht die schlanke junge Frau, der man weder ihre Kraft noch die durchtrainierte Muskulatur auf Anhieb ansieht.
Mit ihrem Ergebnis hat sie sich für die Europameisterschaft qualifiziert, die im Frühjahr stattfindet – und zwar für die Aktiven, also für die ab 24-Jährigen. Zu verdanken, sagt die Treffelhauserin, habe sie ihren Erfolg neben der eigenen sportlichen Disziplin vor allem ihrem Freund Johannes, der auch ihr Trainer ist. „Er kennt meine Defizite und Schwächen und stellt die Trainingspläne genau so zusammen, wie ich es brauche“, lobt sie.
Viermal pro Woche trainiert die Mechatronik-Ingenieurin, die bei Eberspächer in Herxheim als Prozessoptimiererin tätig ist, nach Feierabend, Haushalt und Gassigehen mit dem Hund noch im Studio des Kraftsportclubs (KSC) Germersheim unter seinen kritischen Augen.
Eine große Herausforderung in diesem Jahr sei der Wechsel in der Gewichtsklasse bis 70 Kilogramm gewesen. „Ständig nur 1300 Kalorien am Tag und volles Training, nur um die 63er-Gewichtsklasse zu halten, das klappt auf Dauer nicht – vor allem mental. Deshalb hab ich versucht, extra viel zu essen, um in der nächsten Gewichtsklasse relativ weit oben mitzuhalten“, erzählt sie. Ein Vorhaben, das nicht umzusetzen war. „Es gab Tage, da hab ich fünf Burger und ein Eis zum Nachtisch gegessen. Aber trotzdem nicht zugenommen. Dass Zunehmen auch schwierig ist, war mir vorher gar nicht klar.“ Jenny lacht. Jetzt weiß sie ja, dass das auch gar nicht nötig ist.