Tennis In nur fünf Monaten aus dem Niemandsland zur WM

Böhmenkirch / Thomas Friedrich 18.08.2018

Auch im gesetzten Alter von 55 darf man noch Träume haben – und sie sich verwirklichen. Der Böhmenkircher Peter Hudelmaier hatte schon mehrfach die Gelegenheit sausen lassen, eine Senioren-Weltmeisterschaft zu spielen. Die waren meist irgendwo in Übersee, Hudelmaier scheute den Aufwand. Nachdem er aus beruflichen und privaten Gründen deutlich weniger oft auf dem Platz steht als zuvor, war das WM-Ziel in weite Ferne geraten. Es blieb aber im Hinterkopf und trat Anfang des Jahres ins reale Leben des Böhmenkirchers.

Im Februar erfuhr er fast nebenbei, dass die WM 2018 in Ulm stattfindet. Zu dem Zeitpunkt  war Hudelmaier wegen reduzierten Turnieraufwands in der Senioren-Weltrangliste abgerutscht, weit weg von einer Eintrittskarte für das Turnier der Weltbesten. 2009 war er noch 194ster, drei Jahre später lag er immerhin auf Position 201, im Februar diesen Jahres war es Platz 1496. „In fünf Monaten vom Niemandsland zur WM“, beschreibt der Böhmenkircher seinen Aufschwung. Jetzt liegt er auf Rang 520, diese Platzierung reicht als Eintrittskarte für Ulm. Hudelmaier sammelte in vier Turnieren, darunter zwei EM-Achtelfinals in der Halle und im Freien, genügend Punkte.

Am vergangenen Freitag fieberte er der Auslosung entgegen. Im besten Fall hätte er im Feld der 128 Teilnehmer aus 32 Ländern, in dem er auf Platz 72 gelistet ist, maximal zwei Spiele gewonnen. Sein Traum war, „eine oder zwei Runden zu überstehen und dann gegen Jarryd den Heldentod sterben“.  Der einstige schwedische Daviscup-Spieler Anders Jarryd ist der klangvollste Name in der Altersklasse 55. Außer dem Schweden spielen weitere „echte Bomben“ mit, beschreibt Hudelmaier die Qualität des Feldes mit vielen ehemaligen Profis. Die meisten Teilnehmer stehen täglich auf dem Tennisplatz, Hudelmaier trainiert zweimal zwei Stunden pro Woche.

Aus dem Traum von einem Spiel gegen einen ganz Großen wird wohl nichts. Das Los bescherte Hudelmaier als Auftaktgegner den Finnen Mikael Broman. Der liegt als 616. in der Weltrangliste zwar hinter dem Böhmenkircher, spielt aber nur ganz wenige Turniere,. „Eigentlich ist das ein Top-Hundert-Spieler, da hätte es mindetens 30 leichtere Gegner gegeben als ihn“, klagt Hudelmaier über das Lospech.

Der heutige Auftritt ist das hundertste internationale Spiel des Peter Hudelmaier. Das erste war ebenfalls in Ulm, 1980 bei einem Jugendturnier. „Der Kreis schließt sich“, sagt Hudelmaier. So ganz schließen sollte er sich nicht, die Partie in Ulm vor 38 Jahren hat er verloren.

Die Tennis-Zukunft liegt im Doppel

Die Weltmeisterschaft in Ulm könnte Peter Hudelmaiers letztes großes Einzelturnier sein. Nach der WM legt er den Schwerpunkt aufs Doppel. Dort will er spätestens 2020 in ein großes Finale, EM oder WM.

Im Einzel stößt er mit seinem eher geringen Trainings- und Turnieraufwand irgendwann an Grenzen. Außerdem, sagt Hudelmaier über sich selbst, sei er „im Einzel nicht so gut“ wie im Doppel.

Mögliche Partner sind der Brite Warren Hastings, der auch im Einzel zu der Weltspitze zählt und mit dem Hudelmaier bereits einige Turniere gespielt hat. Auch mit dem Dürnauer Thomas Rupps hat er schon gespielt. Joachim Schlegel aus Bad Wildbad ist auf der Suche nach einem Doppelpartner, der in Ulm im Einzel an Position zwei gesetzte Österreicher Hannes Lienbacher ist eine Alternative für Turniere in Seefeld.

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