Es ist ein Derbysieg mit historischer Dimension: Erstmals gewann der HBW Balingen-Weilstetten, der selbst seine Halle als Hölle Süd bezeichnet, in der fremden Hölle Süd bei Frisch Auf Göppingen – und wie: Mit 32:26 (14:15) entführte der abgebrühte Aufsteiger von der Alb gegen total enttäuschende Göppinger beide Punkte. Die Hausherren schlichen wie begossene Pudel vom Spielfeld, Gästetrainer Jens Bürkle sprach seiner Mannschaft „ein ganz großes Kompliment“ aus.

Schöne: „Schlechteste Saisonleistung“

Nach der Blamage vor 4600 Zuschauern räumte Göppingens Sportlicher Leiter Christian Schöne unumwunden ein: „Das war unsere schlechteste Saisonleistung. Wir haben es nicht geschafft, unsere Abwehrleistung der letzten Wochen abzurufen.“ Frisch-Auf-Trainer Hartmut Mayerhoffer, gleichermaßen enttäuscht, flüchtete sich in Sarkasmus: „Wir hatten heute zwei Baustellen, den Angriff und die Abwehr.“ Seine schmerzhafte Erkenntnis unterfütterte er mit deutlichen Zahlen: „Wir hatten 16 Fehlwürfe und 14 technische Fehler und haben damit 30 Angriffe nicht erfolgreich abgeschlossen, das ist eindeutig zu viel.“ An seiner Defensive bemängelte der Coach das Zulassen der einfachen Tore über den HBW-Rückraum.

Der größte Profiteur dieses Mankos hieß Jona Schoch und trug bis 2017 fünf Runden lang das Frisch-Auf-Trikot. Nach seinen neun Toren gegen die ehemaligen Mitspieler strahlte der 25-Jährige mit den aktuellen Kollegen und den rund 200 mitgereisten Fans um die Wette. „Dass wir hier mit sechs Toren gewinnen, ist unglaublich. Unsere erste Hälfte war noch fehlerhaft, danach haben wir konsequent bis zur Chance gespielt“, befand der Halblinke, der sich ein ums andere Mal sehenswert hochschraubte und erbarmungslos abzog. Ins Spiel brachte ihn oft ein umsichtiger Regisseur Martin Strobel, der, gerade zurück nach einem Kreuzbandriss, seinen Erfolgshunger bewies: „Wir wollten hier nicht nur mitspielen, sondern gewinnen.“

Völlig indisponierte Göppinger

Den Weg zum verdienten  Auswärtssieg ermöglichten nach einer ausgeglichenen ersten Hälfte völlig indisponierte Göppinger, die mit jeder Spielminute  konfuser wirkten. Kapitän Tim Kneule wusste: „Ausschlaggebend war, dass wir nicht an unsere eigene Leistung herangekommen sind.“ Schon im ersten Durchgang leistete sich der Gastgeber Unzulänglichkeiten, die eine Balinger 10:8-Führung in der 18. Minute und eine lediglich knappe 15:14-Pausenführung zuließen. Nach dem Seitenwechsel erhöhte der Favorit auf 17:15, doch die Gäste blieben auf Tuchfühlung, schlugen in der Schlussviertelstunde frech zu und setzten sich von 22:21 (44.) auf 25:21 (48.) vorentscheidend ab. Frisch Auf verzweifelte an sich selbst, der Neuling brachte bei knisternder Derbystimmung die Partie mit 32:26 nach Hause. „Ich bin super zufrieden, auch damit, mit welcher Ruhe wir gespielt haben“, freute sich Jens Bürkle. Marcel Schiller, mit sieben Treffern bester Frisch-Auf-Werfer, gab der kollektiven Göppinger Enttäuschung eine Stimme: „Wir sind mega gefrustet. Es ist bitter, zwei eingeplante Punkte nicht zu machen, egal gegen wen.“

FA Göppingen: Rebmann, Kastelic (31. bis 54.); Theilinger (1), Kneule (2), Zeiler (n.e.), Bagersted (3), Peric, Sliskovic (2), Sörensen (1), Schiller (7/3), Rentschler (n.e.), Predragovic (n.e.), Erifopoulos (n.e.), Hermann (n.e.), Zelenovic (4), Kozina (6).

HBW Balingen-W.: Jensen, Bozic ((ab 31.); Zobel, Niemeyer (3), Lipovina (6), Kirveliavicius (1), Taleski (1), Hausmann, Thomann (4), Nothdurft, Meschke, Gretarsson (3/3), Strobel (4), de la Pena (1), Schoch (9), Saueressig.

SR: Schulze/Tönnies.

Zeitstrafen: 6:16 Minuten.

Zuschauer: 4600.

Göppingen muss schnell wieder auflaufen


Tabelle Durch die Niederlage hat Frisch Auf einen Platz verloren und ist nun Zehnter (11:15 Punkte).

Spielplan Die Göppinger können ihren Frust nach der Derbypleite bereits am Donnerstag in Melsungen abarbeiten, eine Woche später kommt Wetzlar in die EWS-Arena.