Olympische Spiele Echte Fans feiern auch fünfte Plätze

Schlat/Degenfeld / Harald Betz und Wolfgang Karczewski 13.02.2018

Zufriedene Fans, starke Platzierungen, aber keine Medaille – bei den Olympischen Spielen in ­Pyeongchang war am Montag Mitfiebern beim Public Viewing in der Heimat angesagt. Der Anhang von Skispringerin Carina Vogt vom SC Degenfeld und Biathlet Simon Schempp von der Skizunft Uhingen versammelte sich zahlreich, um gemeinsam die Daumen zu ­drücken.

Als die Biathleten in Südkorea, angeführt von Sprint-Olympiasieger Arnd Peiffer, auf die Strecke gehen, um die Goldmedaille in der Verfolgung über 12,5 Kilometer und viermaliges Schießen zu vergeben, sind auch die Mitglieder des Simon-Schempp-Fanclubs im „Rommentaler Burgstüble“ in Schlat längst auf Betriebstemperatur. Das Fachsimpeln hat schlagartig ein Ende, die Athleten werden mit aufmunterndem Applaus von den rund 50 Gästen in weißen Shirts und mit dem blauen Schal auf die Runde geschickt. Die ersten beiden Schießen sind ganz nach dem Geschmack des Schempp-Anhangs, der jeden Schuss mit einem Jubel wie sonst direkt in den Weltcup-Stadien begleitet. Der Lokalmatador rückt an die zweite Position vor, der Jubel im Nebenzimmer ist groß. Ein erstes Seufzen des Publikums vermeldet den ersten Fehler Schempps im Stehendanschlag. Superstar und Gold-Gewinner Martin Fourcade übernimmt die Führung, Schempps Zurückfallen auf Rang fünf bremst die Euphorie. Im zweiten Schießen muss der Uhinger mit zwei Fehlern endgültig seine Medaillenambitionen begraben, in Schlat wandelt sich die erste Enttäuschung in Anfeuerungsrufe für Schempps Zimmerkollegen Benedikt Doll aus dem Schwarzwald, der schließlich Bronze gewinnt.

„Biathlon ist kein Programm, wo man auf den Knopf drückt und es läuft, ich bin mit Simons Leistung zufrieden“, anerkannte Margareta Hofmann den fünften Platz von Simon Schempp und freute sich über Bronze für Doll. „Natürlich jubelt man für die Deutschen besonders, man ist ja ­Patriot“, so die Heiningerin, Mitglied im 125-köpfigen Fanclub seit dessen Gründung und immer wieder auch live vor Ort dabei, wie etwa bei der WM in Oslo.

Willi Hahner lässt währenddessen den Wettkampf nochmals Revue passieren. „Ich war lange entspannt, aber beim letzten Schießen ging auch mein Puls hoch, der fünfte Platz ist ein hervorragendes Ergebnis“, resümiert der rührige Fanclub-Vorsitzende voller Stolz auf „seinen“ Athleten. „Stüble“-Wirt Freimut Hößle, selbst großer Schempp-Fan, freute sich über die tolle Atmosphäre beim Public Viewing: „Beim Biathlon geht’s auch vor Ort immer sehr fröhlich zu, da braucht es auch keine Security.“ Auch nicht, wenn die Männer-Staffel am 23. Februar in Schlat läuft.

Olympia gucken bei Kaffee und Kuchen, Bier und Brezel lautete das Motto beim Public Viewing in der Kalte-Feld-Halle in Degenfeld. Nicht so viele Fans wie beim ersten Olympiasieg von Skispringerin Carina Vogt vor vier Jahren in Sotschi wollten am Montag auf der großen Videoleinwand sehen, wie sich die Lokalmatadorin im südkoreanischen Pyeongchang schlägt. Mitten unter ihnen war Carinas Mutter Iris Vogt. Die ehemalige Handballerin von Frisch Auf Göppingen war mit einigen alten Mannschaftskameradinnen in die Degenfelder Halle gekommen, um ihrer Tochter die Daumen zu drücken.

„Ich bin nicht nervös, ich kann ja eh nichts machen“, gab sie nach dem ersten Durchgang, in dem die erste Olympiasiegerin in ihrer Sportart den sechsten Platz belegt hatte, zu Protokoll.

Bei jedem Sprung einer deutschen Athletin wurde es laut in der abgedunkelten Halle, vor allem natürlich, als Carina Vogt vom Bakken ging. Eine große und mehrere kleine Deutschlandfahnen wurden geschwungen, begleitet von einem lang anhaltenden „Ziiiiiiiiieh-Ruf“, bis Vogt zur Landung ansetzte.

Nach Rang sechs in Durchgang eins verbesserte sich die aus Waldstetten stammende Olympiasiegerin von 2014, die beim SC Degenfeld ihre ersten Sprünge machte, auf Platz fünf. Mit diesem Ergebnis konnten die Fans gut leben. Auch Carinas Mutter Iris: „Ich freue mich. Das hat sie ganz toll gemacht. Mit diesem Ergebnis hatte ich auch gerechnet“, meinte die zufriedene Mama.

Auch die Verantwortlichen des SCD zogen eine positive Bilanz. „Ich bin nicht enttäuscht“, meinte der Vorsitzende Frank Ziegler, „es gibt halt auch noch andere, die gut Skispringen können.“ Dazu gehörte auch Katharina Althaus. Auch für sie schwenkten die Degenfelder kräftig ihre Fähnchen. Gelohnt hat es sich allemal: Die Oberstdorferin holte sich unter dem Jubel der Vogt-Anhänger die Silbermedaille.

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