Uhingen / Von Andreas Bulling

Nach seinen Abenteuerläufen in den Wüsten Sahara, Atacama und Gobi hat der Uhinger Extremläufer Peter Minicka jetzt den Dschungel Kambodschas durchquert. Beim 220 Kilometer langen Etappenrennen auf den Spuren der Khmer landete er am Ende auf dem 13. Rang.

„Es ist zwar nicht so heiß wie in den Wüsten, aber das Schwitzen ist brutal“, sagt Minicka. Für den erfahrenen Ultraläufer ist die hohe Luftfeuchte in Kambodschas Waschküche eine besondere Prüfung. „Auf der Startetappe über 30 Kilometer habe ich schon bald recht wenig Luft bekommen“, beschreibt er seine ersten Erfahrungen im Dschungel.

So sind die sportlichen Zeichen zu Beginn des Rennens nicht die besten, doch der 36-jährige Polizeioberkommissar ist zäh und beißt sich durch. Zwar hat er sich bei Freunden auf dem Stepper in der Sauna vorbereitet, aber im Rennen ist die hohe Luftfeuchtigkeit bei bis zu 40 Grad Celsius etwas anderes. Erst am dritten Tag, auf der mit 62 Kilometer längsten Etappe, ist er akklimatisiert und kommt mit den Bedingungen halbwegs klar. Von da an findet er immer besser ins Rennen und wird am Ende 13. Nach gut 30 Stunden Laufzeit landet er damit im ersten Drittel der Teilnehmer aus 18 Nationen.

Knapp 200 Kilometer nördlich der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh startet das Rennen Richtung Angkor Wat. Im größten Tempelkomplex der Erde war das Ziel aufgebaut. Dazwischen waren enge Trails durch Grasland und Reisfelder ebenso zu durchqueren wie monotone Staubpisten. Dank der guten Ausschilderung kam Minicka während der sechs Tage stets ohne Umweg ins Ziel. Mücken- und Sonnenschutz waren jedoch Pflicht, manchmal streifte er sich trotz der Hitze noch Armlinge über. Die Tierwelt auf der Strecke war für den Uhinger bemerkenswert. Um Schlangen, Spinnen und Skorpione machte er einen Bogen, die 50 Zentimeter langen Regenwürmer und die Affen waren dagegen ebenso harmlos, wie die Hunde, die stets auf Distanz blieben.

Die Menschen an der Strecke, vor allem die Kinder, haben Minicka begeistert. Fast ein halbes Kilo Luftballone hatte er für sie im Gepäck und an den sechs Tagen verteilt: „Manche der mutigen Kinder sind sogar lachend ein paar Meter mitgerannt.“ Die Etappen fanden in kleinen Dörfern oder Tempelanlagen ihr Ende. Doch anders als in der Wüste lebt der Dschungel besonders in der Nacht, weshalb von Nachtruhe keine Rede sein konnte.

Minicka ist trotzdem gesund und zufrieden zurückgekehrt: „Klar ist es manchmal zäh, aber ich mache das ja zum Spaß.“ Da stören auch die Blasen und die schwarzen Zehennägel nicht, die er mit nach Hause bringt.

Jetzt macht er erst einmal Pause. An diesem Wochenende läuft er mit Freunden 30 Kilometer um den Boßler: Weihnachtslauftreff nennen sie das.